02.06.2020 - 11:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bäume lechzen nach Wasser

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Strahlender Sonnenschein macht Laune – nicht bei allen. Forstleute und Waldbauern wünschen sich langanhaltenden Regen. Der Wald leidet unter der Dürre. Die Schäden sind inzwischen unübersehbar, auch für Laien.

An diesen Wald bei Traunricht zeigt sich die Schädigung der Bäume. Die rotbraun gefärbten sind abgestorben
von Irma Held Kontakt Profil

Es herrscht Wassermangel für das Getreide auf den Feldern und auch für den Wald. Ein paar kleine Regengüsse dienen der Akutversorgung, zu mehr nicht. Das gewaltige Defizit bleibt. Nach Angaben der Forstverwaltung für den Landkreis Schwandorf am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) werden die Wasservorräte nicht mehr aufgefüllt, die Bäume durch Trockenheit und Hitze geschwächt. Das ist ein einladendes Angebot an Schädlinge, allen voran den Borkenkäfer.

Vergleichbar einem geschwächten Immunsystem beim Menschen können Bäume die Angriffe nicht abwehren. Die Auswirkungen des Klimawandels mit einem generellen Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur, einer Veränderung der Niederschlagsverteilung im Jahresverlauf und einer zunehmenden Häufung von Witterungsextremen zeigten die letzten Jahre vor allem in Form von Hitzewellen und Trockenperioden deutlich die Folgen für die Wälder im Landkreis. Sichtbare Spuren ernsthafter Schäden sind mittlerweile vielerorts erkennbar, darauf weist der Bereichsleiter Forsten Alwin Kleber hin.

"Alles frisst an der Kiefer", zitiert der stellvertretende Bereichsleiter Bernhard Ostermayr gegenüber Oberpfalz-Medien ein Sprichwort. Der Wald im Landkreis besteht allerdings zu 70 Prozent aus Kiefern. 20 Prozent machen nach Angaben des Amtes besonders im Nordosten Fichten aus, hinzu kommen 4 Prozent sonstige Nadelbaumarten und 6 Prozent Laubbäume. Eine Waldverjüngung oder ein -umbau geht in Richtung Mischwald.

Das braucht Zeit und ändert nichts daran, dass die Kiefer und die Fichte im Landkreis besonders im Fokus stehen. Seit den Trockenjahren 2015 und 2018 an Einzelbäumen und seit 2019 flächig, zeigt die dominierende Baumart Kiefer erhebliche, in der Vergangenheit nahezu unbekannte Schadsymptome. Insbesondere auf flachgründigen, südexponierten Standorten im Naabtal sind laut Forstamt auffällige Schäden durch verstärkten Mistelbefall, Diplodia-Triebsterben - ausgelöst durch einen Pilz - Prachtkäfer- und Hitzeschäden festzustellen.

Lesen Sie hier: Landwirten im Landkreis Schwandorf macht die Trockenheit zu schaffen

Schwandorf

Tausend Festmeter abgestorben

Ausgehend von absterbenden Einzelbäumen und Kleingruppen wird vor allem der Borkenkäfer zunehmend zum Problem. Dies ist für die Fachleute am letalen Befall von vorher nicht geschädigten Kiefern mit bis dahin grüner Krone bei völligem Rindenabfall im Borkenbereich (zahlreiche Larven, Puppen an abgefallenen Borkenstücken) erkennen. Mehrere tausend Festmeter sind so abgestorben (Stand Herbst 2019). Nicht minder angespannt ist die Borkenkäfer-Situation bei den Fichten.

Bernhard Ostermayer spricht von einer Zweiteilung im Landkreis. Im Schönseer Land schaut es besser aus als im Landkreissüden. Die Durchschnittstemperaturen sind niedriger, dafür die Niederschlagsmengen höher. Die Böden dort sind oft lehmiger und speichern mehr Wasser als die leichten Sandböden im Naabtal.

So finden Sie die Borkenkäfer

Buchen im Nordosten

Beim Waldumbau werden nach Angaben des Amtes im Nordosten eher Baumarten wie die Buche oder die Tanne und auf den schwierigeren Standorten im Oberpfälzer Becken (oder Naabtal) eher die Eiche bevorzugt. Als weitere Option kann man die Einbringung fremdländischer Baumarten im beschränkten Umfang in Erwägung ziehen. Bewährt haben sich hier vor allem Baumarten wie die Douglasie und die Roteiche, sagt Bernhard Ostermayr.

Anpflanzen ist allerdings leichter gesagt als getan. "Bei der Wiederaufforstung im Oberpfälzer Becken und im Süden hatten wir hohe Ausfälle", sagt Bernhard Ostermayr. Trotz günstiger Bodenfeuchte zu Beginn der Pflanzzeit im März ergab sich heuer wie in den Vorjahren auch eine ausgeprägte Trockenphase, die den Anwuchserfolg stark beeinträchtigte.

So bekämpfen sie Borkenkäfer effektiv

Borkenkäfer schwärmt aus:

Bestände regelmäßig kontrollieren

Da in den nächsten Tagen wieder mit einem großen Schwärmflug der Borkenkäfer zu rechnen ist, appellieren die Förster des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) an die Waldbesitzer, in den kommenden Wochen gründlich zu kontrollieren, ob ihre Fichtenwälder befallen sind.

"Befallene Stämme müssen rasch aufgearbeitet und dann entrindet oder mindestens 500 Meter aus dem Wald transportiert werden", erklärt Alwin Kleber, Bereichsleiter Forsten am AELF. Zudem sei es ratsam, die Baumkronen zu häckseln, denn die Käfer nutzen schon Äste ab drei Zentimetern Durchmesser als Brutstätte. Aber auch bisher nicht aufgearbeitetes Bruch- oder Windwurfholz aus vorausgegangenen Stürmen ist für die Käfer ideales Brutmaterial und sollte daher zügig entfernt werden.

Diese sogenannte "saubere Waldwirtschaft" ist laut Bereichsleiter Alwin Kleber die einzig wirksame und bewährte Methode, um eine Massenvermehrung zu verhindern, die auch größere Waldflächen zum Absterben bringen kann. Beratung und Unterstützung bei der Bekämpfung bieten neben den Förstern des AELF auch die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse.

Wie die Symptome eines Borkenkäferbefalls aussehen und was zu tun ist, wird erstmals auch in zwei Kurzvideos der Bayerischen Forstverwaltung erklärt. Die typischen Merkmale sind gut erkennbar: Frischer Befall zeigt sich durch braunes Bohrmehl, das aussieht wie Schnupftabak. Es sammelt sich auf Rindenschuppen, am Stammfuß, in Spinnweben oder auf der Bodenvegetation. In der Folge färben sich die Kronen braun und die Rinde blättert ab. In solchen Fällen ist es laut Alwin Kleber wichtig, auch benachbarte Bäume intensiv zu untersuchen. Heuer sei besonders große Wachsamkeit geboten, um eine starke Vermehrung der Käfer zu verhindern. Denn wegen der idealen Lebensbedingungen im letzten Jahr hätten mehr Käfer als sonst im Boden und unter der Rinde befallener Fichten überwintert.

Die Bayerische Staatsregierung unterstützt die Waldbesitzer finanziell. "Und darüber hinaus stehen unsere Revierförster jedem bestmöglich mit Rat und Tat zur Seite", ergänzt Alwin Kleber.

Dem auch als Buchdrucker bekannten Borkenkäfer kommen Hitze und Trockenheit zu Pass. Hitzegestresste Bäume können sich der Käfer nicht mehr erwehren.

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