12.07.2021 - 17:18 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Doppelmord von Büchelkühn: Prozess gegen "Mexiko-Heinz" beginnt am Freitag

Es geht um eines der schwersten Kapitalverbrechen in der oberpfälzischen Nachkriegsgeschichte. Vor Gericht soll nun geklärt werden, unter welchen Umständen zwei Menschen im Schwandorfer Stadtteil Büchelkühn brutal getötet wurden.

Im Juni 2020 wurden im Schwandorfer Stadtteil Büchelkühn zwei Menschen getötet. Nun muss sich der mutmaßliche Täter vor Gericht verantworten.
von Autor HOUProfil

Er hat zwei Spitznamen. Die einen nannten ihn "Mexiko-Heinz", andere redeten ihn mit "Charlie" an. Am Freitag, 16. Juli, wird der aus Schwandorf stammende Karlheinz R. vor das Schwurgericht beim Landgericht Amberg geführt. Ab dann steht der mutmaßliche Doppelmörder im Mittelpunkt einer Verhandlung, die Klarheit darüber bringen soll, was sich am Abend des 27. Juni 2020 in Büchelkühn bei Schwandorf ereignete.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch hat zusammen mit der Kripo Amberg über Monate hinweg umfangreich ermittelt. Jetzt wirft er dem 58-Jährigen Karlheinz R. den Mord an zwei Menschen vor. Begangen aus Eifersucht und Heimtücke. Dazu gab es eine Vorgeschichte: Die Lebensgefährtin (57) des jetzt auf der Anklagebank sitzenden Mannes hatte sich von ihm getrennt und einem neuen Partner (69) zugewandt.

Böse Vorahnungen

Die gescheiterte Beziehung ließ Karlheinz R. nicht ruhen. Er bedrohte die Ex-Gefährtin offenbar mehrfach. Das löste ungute Vorahnungen bei der 57-Jährigen und ihrem neuen Freund aus. Deshalb lag am Abend des 27. Juni 2020 auch ein Knüppel griffbereit, als sich das Paar in Büchelkühn zum Grillen auf der Terrasse des Hauses traf. Das Anwesen gehörte der Frau.

Plötzlich überstürzten sich die Ereignisse. Die Ermittler gehen davon aus, dass Karlheinz. R. über den Außenbereich des Grundstücks zur Terrasse vordrang und dort um 18.28 Uhr nahezu ansatzlos damit begann, mit einem Messer auf den Oberkörper des 69-Jährigen einzustechen. Dabei kippte der jäh attackierte Mann aus seinem Stuhl und sah wohl noch, wie seine Partnerin hinein ins Innere des Hauses flüchtete. Selbst bereits schwer verletzt, soll er den bereitliegenden Knüppel ergriffen haben und dem Täter nachgelaufen sein.

Das Verbrechen setzte sich fort. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass Karlheinz. R. drinnen im Gebäude mehrfach auf seine Ex-Partnerin einstach. Auch Schlagstockhiebe des hinzukommenden 69-Jährigen hätten ihn nicht davon abhalten können, heißt es. Im Gegenteil: Der Täter wandte sich noch einmal dem neuen Partner seiner Ex-Gefährtin zu und traf mit seinem Messer dessen Herzbereich. Beide Opfer büßten ihr Leben ein. Karlheinz R. soll sie nebeneinander auf den Boden gelegt haben.

Chronologie der Ereignisse

Flucht nach Tschechien

Die Flucht des "Mexiko-Heinz", seinerzeit angetreten mit einem Fahrrad, führte bis in die Tschechische Republik. Am 1. Juli 2020 wurde er unweit der Stadt Domazlice (Taus) festgenommen und drei Wochen später nach Deutschland ausgeliefert. Angaben zu den Vorwürfen hat er nie gemacht.

Nun sitzt Karlheinz R. vor dem Schwurgericht, das unter dem Vorsitz von Landgerichtsvizepräsidentin Jutta Schmiedel tagt. An seiner Seite ist Pflichtverteidiger Jürgen Mühl (Amberg). Zu dem Verfahren, das nach Terminplan erst im September endet, sind neben zahlreichen Zeugen auch mehrere Sachverständige geladen. Die Anklage vertritt der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch.

Staatsanwaltschaft erhebt Mordanklage

Schwandorf

Verdächtiger saß vor der Tat in Haft

Schwandorf
Hintergrund:

Chronologie der Ereignisse

  • 22. Juli 2019: Karlheinz R. muss zwei Haftstrafen verbüßen und wird in der Justizvollzugsanstalt Amberg aufgenommen.
  • 20. Mai 2020: Die Gefängnistore öffnen sich, Karlheinz R. kehrt nach Schwandorf zurück. "Mexiko Heinz", wie ihn Freunde nennen, kann nicht mehr ins Haus seiner in Büchelkühn wohnenden Ex-Lebensgefährtin. Zeitweise findet er ein Notquartier im Schwandorfer "Café Linde".
  • 27. Juni 2020: Der damals 57-Jährige, so wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, erscheint um 18.28 Uhr auf der Terrasse des im Schwandorfer Ortsteil Büchelkühn stehenden Wohnhauses seiner Ex-Partnerin. Er sticht die 57-Jährige und deren neuen Lebensgefährten (69) mit einem Messer nieder. Beide sterben am Tatort.
  • 28. Juni 2020: Karlheinz R. ist mit einem Fahrrad auf der Flucht. Er wird an einer Tankstelle in Altenkreith bei Roding gesehen.
  • 1. Juli 2020: Der mutmaßliche Mörder hält sich in Tschechien auf. Zu diesem Zeitpunkt bereits mit europaweitem Haftbefehl gesucht, nehmen ihn tschechische Polizeibeamte in der Nähe des Ortes Kout na Sumava (Kauth) fest. Das Dorf gehört zum Einzugsbereich der Stadt Domazlice (Taus).
  • 23. Juli 2020: Am Grenzübergang Waidhaus übergeben Mitglieder einer tschechischen Spezialeinheit den 57-Jährigen an deutsche Behörden. Er wird in eine bayerische Justizvollzugsanstalt gebracht.
  • 4. Mai 2021: Die Staatsanwaltschaft Amberg erhebt Anklage gegen Karlheinz R. Sie wirft ihm die Tötung zweier Menschen aus niedrigen Beweggründen vor.
  • 16. Juli 2021: Prozessbeginn vor dem Schwurgericht des Landgerichts Amberg.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.