23.05.2019 - 12:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Explosiven Resten auf der Spur

Nicht erst seit der Krankenhaus-Räumung im Herbst 2017 ist klar, dass Blindgänger bei Erdarbeiten in der Stadt ein drohendes Risiko sind. Die Planer des Ostbayernrings gehen auf Nummer sicher.

Lothar Feustel prüft an einem geplanten Maststandort bei Krondorf, ob sich Blindgänger im Untergrund befinden.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Ein bisschen sieht es nach einer Schatzsuche aus, wenn Lothar Feustel über das Feld geht. In der Hand hat der Feuerwerker eine Sonde, die leises Knacksen von sich gibt. Kein Geigerzähler, und Schätze sucht der "Befähigungsinhaber nach Sprengstoffgesetz" auch nicht. Wenn das Gerät beständig knackt und der Zeiger auf dem Display ausschlägt, während das Sondenrohr über den Boden gleitet, verbirgt sich Metall im Grund. Das kann, muss aber kein Blindgänger sein. Bis etwa sechs Meter Tiefe kann das Gerät magnetische Metalle aufspüren. Am Mittwoch war Feustel bei Krondorf unterwegs. Mit seinem Gerät überprüfte er Maststandorte für den Ostbayernring. Wenn alles passt, schlägt er einen Pflock in den Boden. In dessen Umkreis kann gefahrlos mit Bodenuntersuchungen begonnen werden. Dann kommt Bohrgerät zum Einsatz.

Bilder ausgewertet

Mario Georg nimmt Bodenproben aus Bohrkernen. An der Naab bei Ettmannsdorf hat er am Mittwoch den Untergrund untersucht.

"Wir haben Luftbilder und Unterlagen ausgewertet", sagte Tennet-Sprecherin Ina-Isabelle Haffke. Wo Hinweise auf Bombenangriffe oder Kampfhandlungen am Boden vorliegen, wird untersucht. Zwischen Krondorf und der Bahnlinie war dies der Fall. Auch weiter nördlich bei Irlaching musste sondiert werden. Gefunden hat Feustel nichts.

In Ettmannsdorf an der Naab war am Mittwoch schon Mario Georg am Werk. Mit einem kombinierten Ramm- und Bohrgerät, das auf einem kleinem Kettenfahrwerk montiert ist, nimmt er an den Maststandorten Bodenproben und prüft die Festigkeit des Untergrunds. Daraus ergibt sich, welche Fundamente für die Masten des Ostbayernrings nötig sind, erläuterte der Tennet-Projektleiter Bau, Stefan Opel. Die Proben werden analysiert. Beispielsweise darauf, ob der Untergrund aggressiv gegen Beton oder Stahl wäre.

In Ettmannsdorf wurden Haffke und Opel am Mittwoch erwartet: Walter Ostheim und Johann Suttner von der Bürgerinitiative im Naabtal hatten einen Wagen samt Protestplakat aufgestellt (wir berichteten). Die BI wendet sich gegen die geplante Trasse des Ostbayernrings, die in der Flutmulde sehr nahe an der Wohnbebauung verläuft. Die BI setzt sich wie die Stadt für eine Erdverkabelung ein. Da fehlt's noch an der gesetzlichen Grundlage. Zwar wollen die Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier (CSU) und Marianne Schieder (SPD) das erreichen, auch der zuständige Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kennt die Problematik. Allerdings ist die Erdverkabelung des Ostbayernrings als Wechselstromtrasse bislang nicht in das entsprechende Gesetz als Pilotprojekt aufgenommen, auch nicht bei der kürzlich erfolgten Novelle. Sollte das Erdkabel nicht kommen, fordert die BI die Einhaltung des Abstands von 400 Metern, den das Landesentwicklungsprogramm als Soll-Bestimmung vorsieht. Der wird in Ettmannsdorf deutlich unterschritten.

Stadt widerspricht

Die Stadt hat Tennet mitgeteilt, Bodenuntersuchungen auf ihrem Grund nicht zu dulden. Das betrifft Standorte in Gögglbach und Ettmannsdorf. Dieser Widerspruch dürfte juristisch kaum zu halten sein, allerdings verzichtet Tennet derzeit auf weitere Schritte. "Wir verschieben die Untersuchung auf die nächste Kampagne", sagte Opel. Das Planfeststellungsverfahren für den OBR läuft bei der Regierung der Oberpfalz. Tennet erwartet den Erörterungstermin, bei dem die Einwände diskutiert werden, im Herbst 2019.

Walter Ostheim (links) und Johann Suttner sind gegen eine Ostbayernring-Trasse im Naabtal.

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