04.01.2021 - 16:25 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Gefahr für Kartoffelanbau: Keine Beregnung aus Naab und Schwarzach

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Alarm für Kartoffelerzeuger: Eine gefährliche Krankheit bedroht die Knollen. An Naab und Schwarzach gilt ein Bewässerungsverbot. Auch Gartler sollten aufpassen.

Kartoffeln wollen es kühl: Wenn es zu heiß ist, wachsen die Knollen nicht mehr. Eine Beregnung aus Naab und Schwarzach ist jetzt aber verboten.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Die befallenen Kartoffeln verfaulen entweder schon im Boden oder später im Lager, binnen weniger Wochen." Der Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), Georg Mayer, weiß um die Gefahr, die durch die Schleimkrankheit droht. Gegen sie ist weder Kraut noch Spritzmittel gewachsen.

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat bei Monitoring-Untersuchungen den Erreger in der Naab und in der Schwarzach festgestellt und eine Allgenmeinverfügung erlassen und eine Sicherheitszone ausgewiesen (siehe Hintergrund). In der Zone ist das Beregnen und Bewässern von Kartoffel- und Tomatenpflanzen mit Oberflächenwasser verboten. Auch Gartler sollten also ihre Tomaten nicht mit Wasser aus den betroffenen Flüssen gießen. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich.

Kühlung für die Knollen

Zwar bewässerten laut Mayer in diesem Jahr relativ wenige Landwirte ihre Kartoffelfelder. Der Grund: Es hat einigermaßen genug geregnet. "In sehr trockenen Jahren wie 2018 oder 2019 nutzen aber einige Betriebe die Möglichkeit, ihre Felder mit Wasser aus den Flüssen zu beregnen. Dazu braucht es natürlich eine Genehmigung. Auch der Kreisgeschäftsführer des Bauernverbands, Josef Wittmann, treibt das Verbot eher mit Blick auf die Zukunft um: "Mit Blick auf Klimawandel und damit verbundene Trockenheit wird die Beregnung überlebenswichtig", sagte Wittmann. Während Hitzeperioden bräuchten Kartoffeln Kühlung, sagte Wittmann, "das dient dem Qualitätserhalt". Bei allzu großer Wärme wachsen die Knollen nicht mehr, bestätigt auch Mayer den Oberpfalz-Medien.

Selbst wenn befallene Knollen früh geerntet werden: "Sie bekommen die Kartoffeln nicht über den Winter", beschreibt Mayer die Folgen der Krankheit. Die Knollen faulen. "Die verflüssigen sich regelrecht."

"Davor ist man nie gefeit", sagte Wittmann, die Landwirte müssten immer wieder mit Krankheiten bei Pflanzen und Tieren klarkommen. Die Schleimkrankheit sei auch in anderen Gebieten Bayerns aufgetreten, etwa an der Laaber. "Wo die Krankheit herkommt, kann man nur mutmaßen, und das tue ich nicht", sagte der BBV-Geschäftsführer. "Dass der Befall schnell wieder weg ist, glaube ich nicht", so Wittmann. Die meldepflichtige Krankheit sei keine Erfindung der Neuzeit, "wir hatten jetzt aber lange Ruhe". Sie sei sehr ernst zu nehmen: "Das ist eine meldepflichtige Krankheit." Ein Befall richte großen Schaden an, die Ernte ist verdorben: "In so einem Feld steckt auch viel Geld drin."

Konzept ausgeschrieben

Dabei hatten sich Landwirtschafts-, Landrats- und Wasserwirtschaftsamt gerade darum bemüht, ein Zukunftskonzept für die Bewässerung in der Landwirtschaft zu entwickeln. Der Auftrag dazu wurde im März vergeben. Die Studie soll klären, wie die konkurrierenden Bedürfnisse von Trinkwassergewinnung, Landwirtschaft und Natur unter einen Deckel gebracht werden können. Möglichkeiten der Bewässerung sieht der für den Landkreis Schwandorf zuständige Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftamt, Manuel Schlegel, grundsätzlich in drei Stufen: Das Sammeln von Niederschlag, die Entnahme aus Gewässern wie dem Eicendorfer Stausee oder Flüssen, und als letzten Weg das (teure) Erschließen von Brunnen. Der Wasserhaushalt müsse dabei immer im Blick behalten werden, schließlich seien in den vergangenen, trockenen Jahren auch die Grundwasserspeicher kaum aufgefüllt worden.

Ausschuss gibt Konzept in Auftrag

Schwandorf

Die Belastung der beiden Flüsse mit dem Krankheitserreger kommt also zur Unzeit. Zumal der Wasserbedarf für eine Beregnung durchaus erheblich ist. "10 Millimeter Niederschlag auf den Quadratmeter hört sich erst einmal nach nicht viel an", erklärte Mayer. "Auf ein Hektar gesehen braucht man dazu aber schon 100 Kubikmeter Wasser", rechnet er vor. Also 100000 Liter. Tatsächlich wird pro Bewässerungs-Kampagne mehr gebraucht: In der Regel die gleiche Menge wie bei 20 bis 30 Millimetern Niederschlag, also 200 bis 300 Kubikmeter pro Hektar (10000 Quadratmeter). Für die Kartoffelbauern heißt es also doppelt hoffen: Einerseits auf genug Regen im kommenden Jahr und andererseits auf ein schnelles Verschwinden der Schleimkrankheits-Erreger.

Die Allgemeinverfügung im Wortlaut

Informationen zur Schleimkrankheit

Hintergrund:

Verbot von Luhe bis zur Donau

Die Landesanstalt für Landwirtschaft hat ein unbefristetes Verbot der Bewässerung und Beregnung von Kartoffel- und Tomatenpflanzen mit Oberflächenwasser für eine Sicherheitszone erlassen.

  • Betroffene Flussabschnitte: Naab von Luhe-Wildenau (Flusskilometer 98,15) bis zur Einmündung in die Donau (Mariaort
    bei Regensburg). Schwarzach
    von Meischendorf, (Gemeinde Schwarzhofen, Flusskilometer 20,60) bis zur Einmündung in die Naab bei Schwarzenfeld (Flusskilometer 0,0).
  • Erreger der Schleimkrankheit: Ralstonia solanacearum.
  • Betroffene Kommunen im Landkreis Schwandorf: Burglengenfeld, Nabburg, Neunburg vorm
    Wald, Pfreimd, Schwandorf, Schwarzach, Schwarzenfeld, Teublitz, Wernberg-Köblitz. Landkreis Neustadt/Waldnaab: Markt Luhe-Wildenau.
  • Übertragung des Erregers: Bei Kartoffeln über infiziertes Pflanzgut, aber auch durch Oberflächenwasser zur Beregnung. Wirtspflanzen des Erreger sind der häufig an Flussläufen anzutreffende
    mehrjährige Bittersüße Nachtschatten (Solanum dulcamara) oder auch die Große
    Brennnessel (Urtica dioica).

Quelle: Allgemeinverfügung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. (ch)

"Die befallenen Kartoffeln verfaulen entweder schon im Boden oder später im Lager."

Georg Mayer, Chef des Landwirtschaftsamts Schwandorf/Nabburg.

Georg Mayer, Chef des Landwirtschaftsamts Schwandorf/Nabburg.

"Mit Blick auf Klimawandel und damit verbundene Trockenheit wird die Beregnung überlebenswichtig."

BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann.

BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann.

 

 

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