17.05.2021 - 18:50 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kiloweise Rauschgift geliefert

Die Männer vom Balkan hatten einen Verteilerring für Drogen aufgebaut und operierten offenbar von der baden-württembergischen Kreisstadt Bietigheim-Bissingen aus. Einer ihrer Stützpunkte lag im Landkreis Schwandorf.

von Autor HWOProfil

Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg, geführt von Richterin Jutta Schmiedel, saß ein 53-Jähriger, der zu den ihm gemachten Vorwürfen übersetzen ließ "Ich weiß nicht, wovon hier die Rede ist". Für ein Geständnis hatte man ihm zum Prozessauftakt eine Haftstrafe zwischen fünf und sechs Jahren in Aussicht gestellt. Doch er blieb zunächst bei seinem knappen Kommentar: "Da war ich nicht dabei."

Es ging um vier Rauschgiftlieferungen, die aus dem Großraum Stuttgart per Kurier in die Oberpfalz gelaufen sein sollen. Mit einer Gesamtfracht von einem halben Zentner Marihuana und vier Pfund Kokain. In der Anklageschrift von Staatsanwalt Frank Gaßmann steht, dass die erste Belieferungsfahrt am 18. März 2020 stattfand. Damals sollen von der Stadt Bietigheim-Bissingen 16 Kilogramm Marihuana in den Kreis Schwandorf gebracht worden sein. Der nun beschuldigte 53-Jährige nahm die heiße Ware angeblich um 16.39 Uhr an diesem Tag in Empfang.

Am 27. März 2020 gab es eine weitere Kurierfahrt. Diesmal hatte der Lieferant zehn Kilo Marihuana dabei. Rauschgiftfahnder ermittelten später, dass es am 2. April letzten Jahres eine weitere Tour gab, die in Bietigheim-Bissingen startete. Diesmal kamen zwei Pfund Kokain, die erst einen Tag zuvor aus den Niederlanden geholt worden waren, zum Verteilerpunkt, den angeblich der 53-Jährige betrieb. Zwei Wochen später erschien der Kurier noch einmal. Erneut mit einem Kilogramm Kokain, das in einen schwarzen Strumpf verpackt worden war. Auch diese bemerkenswerte Ration war erst kurz davor aus Holland nach Baden-Württemberg geschmuggelt und sofort umgeschlagen worden.

Vier Prozesstage waren bis Mitte Juni vor der Ersten Strafkammer angesetzt. Doch das Ende kam dann doch überraschend schnell. Der 53-Jährige gab schließlich seine Beteiligung zu. Dafür bekam er fünf Jahre und zwei Monate Haft. Da er selbst drogenabhängig ist, kann er, wie die Richter entschieden, eine längerfristige Entzugstherapie antreten. Ein weiteres Mitglied der im großen Stil agierenden Dealervereinigung hatte unlängst in Stuttgart acht Jahre Freiheitsentzug erhalten.

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Amberg

 

 

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