02.05.2021 - 12:20 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kinder kaufen in Schwandorf bei Dealer ein

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Das Drogengeschäft ist ein Sumpf, der sich nicht austrocknen lässt. Immer wieder entweichen diesem Morast schillernde Blasen, die besonders übel sind. Darunter kriminelle Begebenheiten, die vor dem Amberger Schöffengericht landen.

von Autor HWOProfil

Vor seinen Richtern sitzt ein 40-Jähriger. Der Mann ist Analphabet, er spricht kein Wort Deutsch und knüpfte als Drogendealer dennoch Kontake zu jungen Leuten in Schwandorf. Die konnten dann von ihm Marihuana und andere Rauschgiftsorten in Portionsmengen kaufen. Mehrere solcher Geschäfte stehen nun zur Debatte und sind in der Anklageschrift von Staatsanwalt Frank Gaßmann aufgelistet.

Die illegalen Verkäufe spielten sich im vergangenen Jahr ab. Sie gingen so lange, bis Fahnder den Mann festnahmen und ihn im Oktober unter Mitwirkung der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft brachten. Von dort führten ihn nun Polizeibeamte vor die Amberger Richter.

"Mein Mandant räumt die Vorwürfe weitgehend ein", sagte Verteidiger Gunther Haberl zum Prozessauftakt. Das wurde zwar zur Kenntnis genommen, doch mochte die Gerichtsvorsitzende Kathrin Rieger nicht darauf verzichten, die Käufer der Rauschgiftportionen auch zu hören.

Prozess gegen einen Wiederholungstäter

Schwandorf

Drei junge Frauen aus Schwandorf, zur Tatzeit nicht volljährig, hätten kommen sollen. Nur eine erschien zum Prozess. Zum Zeitpunkt ihres Rauschgifterwerbs gerade einmal 15 Jahre alt und auskunftsbereit. Die Richter erfuhren, dass erste Kontakte zu Drogen bereits vonstatten gingen, als sie elf Jahre alt war. Ab dann gab es immer wieder einmal Marihuana-Konsum. Später wurde sie Kundin bei dem 40-Jährigen.

"Wo gingen die Deals vonstatten?", wollte die Richterin wissen. Sie bekam Antwort: "Mal im Stadtpark, mitunter in der Wohnung des Angeklagten". Nach ihrem Alter sei eigentlich nicht gefragt worden. "Aber ich habe mich schon älter gemacht, als ich wirklich war." Heute, so die junge Frau, sei sie weg vom Drogenkonsum.

Das Schöffengericht will sich ein vollständiges Bild verschaffen und mochte von daher ungern auf zwei nicht erschienene Zeuginnen verzichten. Sie sollen nun an einem weiteren Prozesstermin Mitte Mai vernommen und dazu notfalls von der Polizei vorgeführt werden.

Bei dem Angeklagten steht die Einweisung zur geschlossenen Drogentherapie im Raum. Dazu wird ein Sachverständiger aussagen.

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