Update 30.10.2020 - 14:58 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wie im Oberpfälzer Dialekt Personen beschrieben werden

Wie bezeichnet der Oberpfälzer die Menschen um sich herum? Und warum ist das so? Eine kleine Analyse des Oberpfälzer Dialekts.

"Gscheidhaferl", eine kluge Tasse? Der Oberpfälzer Dialekt hat so seine Tücken.
von Autor SLUProfil

Den Oberpfälzer versteht außerhalb keine Sau. Aber ist das wirklich so? Einige Wörter sind typisch für unsere Region. Andere Begriffe sind aber im ganzen deutschen Sprachraum verbreitet. Hier eine kleine Zusammenstellung über und für „Annagschmeckte“, „Gschaftlhuber“ und „Graousgoscherte“.

„Annagschmeckte“ wissen, wovon die Rede ist

Während einige der Oberpfälzer Wörter Parallelen in der Standardsprache aufweisen, handelt es sich bei anderen um originäre Ausdrücke, das heißt um solche, für die es in der Form keine direkte hochsprachliche Entsprechung gibt. Ein klassisches Beispiel für solche weit verbreiteten Begriffe ist das Wort „Annagschmeckter“. Es steht für eine (männliche) Person, die irgendwo lebt, wo sie nicht (geboren und) aufgewachsen ist, also für einen Zugezogenen beziehungsweise einen Hereingeschmeckten. In diesem Fall ist die Dialektbezeichnung deckungsgleich mit der standardsprachlichen.

Damit können Sie im Freundeskreis so richtig "gschaftlhubern“

Gleiches gilt für „Gschàftlhuwer“ oder „Gschaftlhuber“, also für jemanden, der fast unangenehm betriebsam ist und immer entsprechende Betätigungen sucht, die er dann ganz besonders wichtig nimmt, kurzum für einen Wichtigtuer. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Wörtern besteht darin, dass im Dialekt „w“ statt „b“ steht, das heißt dass die so genannte Spirantisierung stattfindet. Etwas größer ist der Unterschied zwischen „Graousgoscherter“ und „Großsprecher“. Die zweite Komponente der mundartlichen Variante leitet sich ab von Goschn, dem abwertend vor allem in Wendungen wie „Halt dẽi (blede) Goschn!“ gebrauchten Synonym für Mund.

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Schwandorf

Ein herzhafter Schluck Kaffee für den Klugscheißer

Überhaupt kein formaler Bezug zwischen den beiden Sprachvarietäten des Deutschen liegt bei „Gscheidhàferl“ vor. Damit wird im Dialekt ein Besserwisser, ein Klugscheißer, ein Neunmalkluger und ein Klugschwätzer bezeichnet. Während jedoch die standardsprachlichen Wörter sehr nüchtern wirken, hat der mundartliche Ausdruck, ohne in irgendeiner Form anstößig zu wirken, seinen ganz eigenen, ja fast schon verniedlichenden Charme.

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Amberg

Werden Sie als „Hodernfloderer“ bezeichnet, wird es Zeit für eine Shoppingtour

Einen ebenso originellen Fall stellt „Hodernfloderer“ dar. Dieses Wort wird ausschließlich im übertragenen Sinn gebraucht, obwohl es aus zwei konkreten Bestandteilen zusammengesetzt ist: Unter Hodern versteht man im Allgemeinen einen Stofflappen und im Speziellen (abwertend) ein Kleidungsstück; Flodern wiederum bedeutet, Wäsche im Wasser hin- und herzubewegen oder zu schleudern, um sie zu säubern. Wörtlich genommen wäre also ein „Hodernfloderer“ jemand, der die beschriebene Handlung ausführt. In Wirklichkeit ist aber damit – in Bezug auf das Wesen des Betreffenden – eine flatterhafte, wankelmütige männliche Person gemeint, kurzum ein Luftikus. Aber auch in Bezug auf das Aussehen, und zwar konkret auf die (schäbige) Kleidung, wird der Ausdruck verwendet, etwa in dem Satz: „Der kummt daher wej a Hodernfloderer.“ Die erwähnten Beispiele sind repräsentativ für eine umfangreiche Gruppe von Belegen, die einmal mehr Zeugnis geben von der ausgeprägten Metaphorik dialektalen Wortschatzes.

Info:

Die Begriffe im Überblick

  • „Annagschmeckter“: Eine Person, die zugezogen ist und nicht in dem Ort geboren wurde.
  • „Gschaftlhuber“: Im Hochdeutschen würde man so eine Person als Wichtigtuer bezeichnen.
  • „Gscheidhàferl“: Die passende Entsprechung im Deutschen lautet Klugscheißer.
  • „Hodernfloderer“: Jemand, der sich schäbig kleidet.
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