08.02.2019 - 16:24 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Pure Lust am Malen

Schräg gegenüber des Oberpfälzer Künstlerhauses entstehen jetzt Bilder. Nicht für den Kunstbetrieb, nicht für die Öffentlichkeit sondern als Selbstzweck. L'art pour l'art eben.

„Ich freue mich über jede Spur“. Irgendwann soll Gabi Diermeiers Malwand in Fronberg so aussehen, wie die Arno Sterns in Paris. Wer im Eifer über das Blatt hinausmalt, hinterlässt Spuren.
von Irma Held Kontakt Profil

(ihl) Die Fronbergerin Gabi Diermeier hat diesen Malort - den ersten in der Oberpfalz nach Arno Stern - eingerichtet, und vor zwei Wochen eröffnet. Sie ist die Hüterin dieses Raumes, mehr nicht. "Ich will nicht, dass er mit einem Kunstkurs verwechselt wird." Genau das ist der Malort nicht. Die Hüterin mischt sich nicht ein, mischt höchstens Farben. Sie stellt den Raum und das Material und lässt die Leute in Ruhe. "Das Denken über Kunst soll an der Garderobe abgeben werden." Wer sich auf dieses Malspiel einlässt, muss wissen, dass es hier weder um Maltechniken geht noch um Kunsttheorie, noch um den Versuch berühmte Werke nach zu malen, sondern ausschließlich um die eigene Kreativität ohne vorgefasste Absichten. (Zweck)freies Malen.

Das schützt schon mal vor Enttäuschungen und Unzufriedenheit über das eigene Tun. Wenn es überhaupt einen therapeutischen Ansatz in der Malzeit gibt, dann den, hingehen, eineinhalb Stunden aus purer Lust mit Farben und Formen spielen und den Alltag hinter sich lassen. Das Blatt Papier, es dürfen auch mehr werden, ist der individuelle Freiraum, mit dem befreienden Aspekt, nichts vorzuweisen und auch nichts zu beweisen müssen.

Das ist der Grund, warum die 48-Jährige mit den Anfängern Gespräche führt. Sie will sie darüber aufklären, dass es keine Bewertungen, keine Vorgaben und keine Interpretationen gibt. Es soll aus jedem heraussprudeln expressiv, in Pastelltönen oder in Schwarzweiß. "Kinder fangen sofort an, das Spiel zu genießen", ist Gabi Diermeier begeistert. Es braucht kein Vorgespräch. Erwachsene haben anfangs Hemmungen, hat sie beobachtet.

Alles, was entsteht, ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht, auch nicht für die familiäre oder freundschaftliche. Schon der mit Packpapier ausgekleidete Malraum, auf dessen Wände die weißen DIN A 3- Blätter mit Reißzwecken gepinnt werden, ist vor fremden Blicken geschützt. Die Werke bleiben im Malort. "Wir sind das Gegenteil von Rampenlicht", erklärt Gabi Diermeier. Die bemalten Blätter versieht die Fronbergerin mit Namen und Datum, um sie griffbereit zu haben, wenn jemand weiterarbeiten oder die Arbeit großflächiger gestalten will. Grenzen oder Scheren im Kopf gibt es nicht,

Der Malort ist eine Erfindung von Arno Stern, einem deutschen Juden aus Kassel, der in Paris lebt. Nach dem Krieg hat er mit Kindern angefangen, sie malen zu lassen, was ihnen durch den Kopf geht oder aus der Hand fließt. Daraus ist ein weltweites Projekt geworden. "Aus der Praxis ist eine Theorie entstanden." Über einen Dokumentarfilm stößt Gabi Diermeier auf Arno Stern und weiß sofort: "Das ist eine wunderbare Sache." In Großstädten sind Malorte längst etabliert. Der nächstgelegene war bisher in Erlangen.

Diermeier verfolgt ihr Vorhaben zielstrebig und macht bei Arno Stern in Paris eine Ausbildung, um die Idee des 94-Jährigen weiterzutragen, Sie stellt aber klar: "Das ist keine Art Franchise." Sie steht voll hinter dieser Form des Malens als zwanglose Freizeitbeschäftigung. Deshalb spricht sie auch von einem Spiel, das keine Eintagsfliege bleiben soll. "Ich wünsche mir Leute, die ein halbes Jahr kommen." Eines hat sie bereits geschafft. Der Malort ist nicht, wie viele Kunstkurse, ausschließlich weiblich. Unter den Malenden im Alter von 4 bis 56 Jahren, sind auch zwei Männer. Weitere Informationen: www.arnostern.com

Pinsel und die verschiedensten Farben warten auf Malspieler. Es gibt ebenso die Möglichkeit Farben individuelle zu mischen.
Hier werden Bilder aufbewahrt.
Malort:

Kreatives Spiel mit Farben

Der Malort nach Arno Stern an der Fronberger Straße 46 ist dienstags, 16.30 bis 18 Uhr, mittwochs, 10 bis 11.30 Uhr und von 17.30 bis 19 Uhr geöffnet. Dazu gibt es einmal im Monat Malzeit freitags von 19 bis 20.30 Uhr und sonntags von 10.30 bis 12 Uhr. Am Sonntag, 10., und Montag, 11. Februar, bietet Gabi Diermeier zwei Tage der offenen Tür an. Diese ist von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 19 Uhr auf. Je nach Interesse weitet Gabi Diermeier auch die Öffnungszeiten aus. Ihr schwebt zum Beispiel Malspiel für Schichtarbeiter vor. An Kindergärten richtet sich das Angebot ebenso wie an Schulen. Ein Malspiel für Teilnehmer ab 6 Jahren kostet 8 Euro (inklusive Farben, Pinsel und Papier). Für Kinder von 4 bis 5 kostet es 6 Euro. Kinder unter 4 sollten von einem Erwachsenen begleitet werden, der sich ebenfalls auf das Spiel einlässt. Ein Eröffnungsangebot (bis 1. Mai) beinhaltet vier Malspiele für 20 Euro. Anmeldung unter Telefon 0171 241 6163 oder gabi[at]malort-schwandorf[dot]de. (ihl) Weitere Infos gabi[at]malort-schwandorf[dot]de oder www.malort-schwandorf.de.

Das ist eine wunderbare Sache, wenn Menschen einen Spielraum haben, wenn sie nicht dem Leistungsdruck unterliegen.

Gabi Diermeier

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