06.09.2021 - 17:30 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Der Fitness-Influencer, der jetzt Kunst macht

Dominik Scherl ist eine Internet-Berühmtheit, auf Instagram folgen dem Fitnesstrainer 300.000 Menschen. Durch die Coronakrise rettete ihn die Kunst: Der Tremmersdorfer macht jetzt "Fluid Art" – und wird damit zum Youtuber.

Dominik Scherl bei der Arbeit. Der im Internet bekannte Personaltrainer macht jetzt Kunst.
von Julian Trager Kontakt Profil

Dominik Scherl hat versucht, sein Atelier für den Besuch aufzuräumen. Aber es ist halt ein Atelier, die Werkstatt eines Künstlers. In den fünf Räumen überall Bilder, an den Wänden oder auf Staffeleien. Unbenutzte, noch weiße Leinwände stapeln sich in einer Ecke. In Regalen, in Wäschekörben und auf den Tischen stehen Farbfläschchen, Farbdosen. Überhaupt überall Farbe: Spritzer an der hellbeigen Wand, große Kleckse auf dem Tisch, an der Schürze. Und erst auf dem Boden, da ist alles, Spritzer, Tupfer, Kleckse. "Der war vor kurzem noch sauber", sagt Scherl, lacht und schaut auf den Boden, der nun fast ein eigenes Kunstwerk ist.

Dominik Scherl steht vor einem seiner Gemälde, Preis 1000 Euro, und erzählt. Er trägt ein schwarzes Shirt, darüber ein kariertes Hemd, lässig zur Hälfte aufgeknöpft, und trotzdem spannt das Hemd an Schultern und Oberarmen.

Scherl, 31, aus Tremmersdorf (Kreis Neustadt/WN), ist eigentlich Personaltrainer und Instagram-Fitness-Berühmtheit. Seit Corona macht er auch Kunst. "Fluid Art", flüssige Kunst, bei der Acrylfarbe gegossen wird. "Acrylic Pouring", nennt das die Branche. Damit hat er sich nun ein zweites Geschäft aufgebaut – das ebenfalls nur über Social Media läuft. Scherl ist jetzt auch Youtuber. Auf der Videoplattform stellt er Bilder vor, zeigt aber auch, wie man selbst solche Bilder schaffen kann.

Zu Gast im Atelier von Dominik Scherl

Kunst-Studium? "Krachend gescheitert"

Schon als Kind und Jugendlicher hat er gerne gemalt. "Im Kindergarten sind die anderen um mich herum gestanden und haben geschaut, was ich male", erzählt Scherl. Später wollte er Kunst studieren. "Bei der Aufnahmeprüfung bin ich aber krachend gescheitert", sagt er und muss lachen. Die Lust auf Kunst sei dann schnell verschwunden. "Ich habe gedacht, ich bin nicht gut genug." Der Tremmersdorfer konzentrierte sich auf seine zweite große Leidenschaft: Fitness.

Scherl wurde Personaltrainer, vor allem im Internet machte er Karriere. Auf Instagram folgen ihm 300.000 Menschen. Im vergangenen Jahr brachte er seine eigene Fitness-App heraus – dann kam Corona. Die Fitnessstudios, die Gyms, wie er sie nennt, durften lange nicht öffnen. Für ihn brach eine wichtige Einnahmequelle ein. "Ich habe da einen Durchhänger gehabt", gibt der 31-Jährige zu.

Während andere eine neue Sprache oder ein neues Instrument lernten, suchte sich Scherl eine neue Herausforderung in der Kunst. Die habe er zuletzt mehr und mehr vermisst, vor allem als ihn Verletzungen immer öfter am Fußballspielen hinderten. Dann also "Fluid Art", etwas ganz Neues für ihn. Vorher hatte er Porträts gezeichnet, realistisches Zeug. Beigebracht habe er sich die neue Technik selbst, sagt er. Über Youtube-Tutorials, wie er sie jetzt auch macht. "Die Kunst hat mir in der Coronakrise den Arsch gerettet", sagt Scherl. "Finanziell und mental."

Käufer aus Dubai zahlt 1300 Euro

Rund 100 Bilder hat er bisher gemalt. Surfbrettgroße Bilder genau wie Bilder in der Größe eines normalen Esstellers. Durch die Gießtechnik schauen viele Werke so aus, als wären es Satellitenbilder von wunderschönen Ozeanen oder von beeindruckenden Kraterlandschaften auf Island. Das teuerste Bild, das er bisher verkauft hat, kostete 1300 Euro, sagt Scherl. Es sei nach Dubai gegangen. Die kleineren kosteten aber auch mal nur einen Hunderter.

Am Anfang sei es wirklich nur ein Hobby gewesen. "So wie wenn andere X-Box zocken", meint er. "Ich habe nur für mich gemalt." Auf seinen Social-Media-Kanälen präsentierte er die Ergebnisse. Dann seien die ersten Anfragen hereingeflattert. Ob man dieses Bild kaufen kann? Wie viel jenes Bild kostet? "Dann hab ich es einfach versucht." Und es läuft gut, sagt Scherl. "Es fühlt sich nicht wie Arbeit an." Mit der Zeit wurde alles professioneller. Anfangs habe er in der eigenen Wohnung gemalt. "Die Küche hat ausgeschaut wie Sau", meint der Tremmersdorfer und lacht. Er suchte nach einem Atelier und fand es im Klosterhof Speinshart. Es dauerte nicht lange, bis er es erweiterte.

Die Suche nach "dummen Hashtags"

Scherl geht nicht den klassischen Weg der Kunst, sondern den über das Internet. Natürlich versuche er, seinen Fitness-Account auszunutzen, sagt er, dass die Leute von Instagram ihm auch auf Youtube folgen. Aktuell hat Scherl auf der Videoplattform rund 5800 Abonnenten. Für einen wie ihn: ausbaufähig. "Social Media ist ein 24-Stunden-Job", sagt der Tremmersdorfer. Wenn er um zwölf ins Bett geht, arbeite er trotzdem noch drei Stunden. Videos schneiden, Bilder bearbeiten, "nach dummen Hashtags suchen".

Als er Mitte Juli aus dem Griechenland-Urlaub zurückkam, erschrak ihn die Flutkatastrophe im Westen Deutschland. Scherl wollte helfen und überlegte sich eine Spendenaktion. Hundert Prozent der nächsten Bildverkäufe spendete er an die Flutopfer. Es kamen 1500 Euro zusammen.

Mehr über Dominik Scherl

Oberpfalz

Ein Blick hinter die Kulissen von Oberpfälzer Influencer

Sulzbach-Rosenberg
Hintergrund:

Zur Person Dominik Scherl

  • Personaltrainer mit eigener Fitness-App, auf Instagram (@niks_shape_up) folgen ihm 300.000 Menschen.
  • Auf der Fitness-Facebook-Seite hat er mehr als 340.000 Abonnenten.
  • Seit der Coronakrise malt er. Fluid Art. Auf Youtube zeigt er seine Werke und postet Tutorials. Auf dem Kanal hat er etwa 5800 Abonnenten. www.youtube.com/c/DominikScherl/videos

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.