19.06.2020 - 09:28 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Den "Heiligen Berg" erklimmen

Wer den "Berg der Speinsharter" erklimmen will, wird dabei vom heiligen Nepomuk und der heiligen Katharina begleitet. Doch nicht nur die Skulpturen dieser Heiligen machen das Wandern rund um Speinshart so spannend.

Zwischen einer uralten Kastanienallee laden beim Anstieg zum "Berg der Speinsharter" bebilderte Kreuzweg-Stationen zum stillen Gebet ein
von Robert DotzauerProfil

Die nördliche Oberpfalz gehört mit seiner lieblichen und abwechslungsreichen Landschaft zu den wohl interessantesten Tipps deutscher Wanderfreunde. Diese Höhenzüge zu entdecken oder neu zu erkunden, macht Freude. Ein Geheimtipp für Natur- und Kulturfreunde ist die Klosterregion rund um die Prämonstratenser-Abtei Speinshart. Von der Klosterkirche aus führt der sogenannte alte Wallfahrtsweg auf den „Berg der Speinsharter“. Ein „Kraftberg“, zu dessen Aufstieg der Wanderer auf eine Spezialausrüstung verzichten kann. Mehr als Fitness ist es die innere Bereitschaft, bewusst der Anziehungskraft dieses fast sechs Kilometer langen Wallfahrtsweges mit einem Höhenunterschied von 110 Metern zu erliegen.

Der alte Wallfahrtsweg beginnt direkt vor der Klosteranlage. Der Weg überquert die Staatsstraße, die von Eschenbach nach Neustadt am Kulm führt und verläuft dann durch die Flur von Speinshart und Seitenthal, durch Waldabteilungen und offenes Wiesengelände die Anhöhe hinauf zum Berg. Eine Tour, die fasziniert. Der Pilgerweg zieht seit Jahrhunderten die Menschen in ihren Bann. Die Besucher wissen: Auf dem Barbaraberg warten Sagen, Mythen und Legenden. Ein mächtiger König soll dort oben geherrscht haben. Im Mittelalter haben Slawen dort ihre Toten begraben und seit dem 15. Jahrhundert ist der Berg das Ziel vieler Wallfahrer, die zur Heiligen Barbara pilgern.

Skulpturen am Wegesrand

Im Zeitalter moderner Fortbewegungsmittel schätzen immer noch viele Menschen diesen Weg, um die Schönheit der Natur und die spannende Geschichte dieser sanften Anhöhe zu entdecken. Immer wieder aufs Neue begeistert der Weg vom Kloster mitten durch die abwechslungsreiche Landschaft hinauf auf den „Klosterberg“. Gesäumt wird die Strecke von monumentalen Sandstein-Skulpturen. Sie allen stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der heilige Johannes Nepomuk, die heilige Katharina, die heilige Margarete und die heilige Maria Magdalena erzählen nicht nur ihre eigene Lebensgeschichte, sondern auch die Geschichte des Wallfahrtsweges. Überhaupt ist das kleine Speinshart reich an Denkmälern. Die Bayerische Denkmalliste zählt für den Ort 32 Baudenkmäler auf.

Noch einmal Atem holen heißt es dann nach etwa eineinhalb Stunden Fußmarsch und nach der Bewältigung von 110 Höhenmetern. Die Pilger erwartet der Schlussanstieg zum Berg der Speinsharter. 14 Kreuzwegstationen in Bildern und Texten begleiten die Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel. Der Stationenweg lädt mit seinen in Stein gemeißelten tiefsinnigen Zwei- und Dreizeilern zu einem stillen Gebet ein. Eine uralte Kastanienallee säumt als grüne Seele des Berges die letzten Meter zum Barbaraberg. Der ständige Blickkontakt zu den Zwillingstürmen der Speinsharter Klosterkirche macht die engen Bande zwischen den Prämonstratensern aus Speinshart und dem Barbaraberg deutlich. Die gesunde Luft der Anhöhe wussten die Speinsharter Äbte schon im 18. Jahrhundert zu schätzen. Sie wählten den Berg als Sommersitz.

Wandern am "Weg es Lebens"

Eschenbach

Einladung zur inneren Einkehr

Gleichzeitig staunen die Bergsteiger über das unvergleichliche Landschaftspanorama des „Kulmgaues“. Der Blick reicht weit in das Land und lässt die Schönheit der barocken Kulturlandschaft um das Kloster erkennen. Zum Greifen nahe ist der Energieberg der Nordoberpfalz. Der Rauhe Kulm wurde 2013 als „schönstes Naturwunder Deutschlands“ ausgezeichnet. Jedenfalls gehört der Vulkankegel zu den markantesten Geotopen unter den nationalen Naturschönheiten.

Unsichtbar bleibt der alte karolingische Siedlungsplatz Barbaraberg. Eine Informationstafel des Geoparks Bayern-Böhmen erzählt über die archäologischen Grabungen und den Fund eines slawischen Friedhofs aus dem 8. Jahrhundert. Die Wallfahrer entschädigt ein Blick auf die Wallfahrtskirche. Im 18. Jahrhundert auf den Fundamenten einer christlichen Kirche aus dem 11. Jahrhundert zu Ehren der heiligen Barbara erbaut, steht nach den Stürmen der Zeit allerdings nur noch die mächtige Rokoko-Fassade der Wallfahrtskirche. Die Kapelle ist an Sonn- und Feiertagen geöffnet und lädt zur inneren Einkehr.

Der Weg führt wieder zurück in das historische Klosterdorf mit der berühmten Klosterkirche und dem Klosterhof. Der Klosterhof zählt zu den Baudenkmälern von europäischem Rang und gilt als einer der schönsten Dörfer Süddeutschlands. Zum Gesamtensemble zählen auch die Prämonstratenser-Abtei, die Internationale Begegnungsstätte, die Wieskapelle mit dem Haus der Dorfkultur und, wie es sich für die Erholungsqualität und die Gastkultur der Region gehört, der Klostergasthof. Die Einkehr in einen Sehnsuchtsort für müde Wanderer wird zum abschließenden Genusserlebnis. Ein Video über den Wallfahrtsweg ist im Internet unter www.kloster-speinshart.de/kulturlandschaft/barbaraberg zu finden.

Wandern am Eschenbacher Waldlehrpfad

Eschenbach
Ein unvergleichliches Landschaftspanorama lässt auf der Anhöhe des Barbaraberges die Schönheit der barocken Kulturlandschaft rund um das Kloster Speinshart erkennen.
Der alte Wallfahrtsweg beginnt vor der Klosteranlage und führt mit einer Länge von genau 5,87 Kilometern und einem Höhenunterschied von 110 Metern abwechslungsreich durch die Fluren Speinsharts auf den Barbaraberg.
Nur noch die mächtige Rokoko-Fassade der Kirche und eine Kapelle legen Zeugnis ab von der viel besuchten Wallfahrtsstätte Barbaraberg. In der Kapelle finden noch regelmäßig Gottesdienste und Andachten statt.
Auch der "Brücken-Heilige" Johannes Nepomuk weist den Wanderern den Wallfahrtsweg.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.