26.02.2019 - 16:46 Uhr
Steinberg am SeeOberpfalz

Eine Brandstiftung ohne Anlass

Es ist schwer zu begreifen, dass dieser sympathisch wirkende Mann mit einem Verbrechen in Verbindung gebracht wird. Doch es steht fest: In einer April-Nacht 2018 legte der 29-Jährige Feuer am Gastronomiegebäude der Holzkugel-Attraktion.

27. April 2018: Das Betriebsgebäude bei der Holzkugel am Steinberger See stand in Flammen. Das Landgericht in Amberg verhandelt nun wegen Brandstiftung.
von Autor HWOProfil

Eine Videokamera hatte auf die Spur des Täters geführt. Seither sitzt der Mann in U-Haft. Was jetzt vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts zur Debatte steht, ist nahezu unglaublich: Da drückt einer die Anklagebank, der aus sehr geordneten Verhältnissen stammt, nie vorher mit dem Gesetz kollidierte, nach eigenen Angaben nur gelegentlich sehr mäßig dem Alkohol zusprach. Ein unauffälliges Leben, mit Freundin, Kumpels, fester Anstellung.

Dann kam dieser Freitag, 27. April, letzten Jahres. Mit zwei engen Freunden hielt sich der 29-Jährige erst in seinem Steinberger Haus auf, dann besuchten alle drei ein Clubheim bei Nittenau. Eine Whiskyflasche soll gekreist sein. Zu weit vorgerückter Stunde waren die jungen Leute wieder zurück im Anwesen des 29-Jährigen, offenbar stark angetrunken. Eigentlich Zeit zur Ruhe.

Mit Kanister zum See

Was dann passierte, gab Anlass zu Kopfschütteln bei vielen Prozessbeobachtern. Offenbar völlig ansatzlos ging der Hausherr hinaus und holte einen Plastikkanister, in dem sich fünf Liter eines Spritgemischs befanden. Gedacht eigentlich für den Tank der Kettensäge und nun zweckentfremdet für ein Verbrechen, das sich nach gut halbstündigem Fußmarsch von Steinberg aus hinüber in die Gemarkung Oder ereignete.

Millionen-Schaden nach Brand

Am Ufer des Steinberger Sees war zu dieser Zeit bereits das Verwaltungs- und Gastronomiegebäude zu einer gleich nebenan geplanten Holzkugel-Touristenattraktion nahezu fertiggestellt worden. "Ich kann mich an nichts mehr erinnern", sagte nun der 29-Jährige. Nur das: "Ich stand neben dem brennenden Gebäude. Plötzlich war ich mit den Beinen im Wasser und habe den Kanister in den See geworfen." Dazwischen lagen ein paar Minuten, in denen er das brennbare Gemisch mit einem Feuerzeug angezündet hatte. Zwei zufällig vorbeikommende Mitarbeiter des Roten Kreuzes entdeckten weit nach Mitternacht den Brand und schlugen Alarm. Doch das lodernde Gebäude war nicht zu retten. 650 000 Euro Schaden waren entstanden, als sich am Morgen die Rauchschwaden verzogen hatten.

Zu keiner Zeit hatten die Behörden vorher bekannt gegeben, dass der 29-Jährige offenbar noch einen Begleiter hatte. Einer seiner beiden Freunde ("Ich kenne ihn seit dem Kindergarten") soll mitgegangen sein und die Brandstiftung beobachtet haben. Das gegen den 28-Jährigen eingeleitete Verfahren hat die Staatsanwaltschaft unterdessen eingestellt. Er selbst machte nun als Zeuge von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Sein auf der Anklagebank sitzender Kumpel ließ anklingen: "Ich weiß wirklich nicht, ob er mitgegangen ist." Doch es deutet einiges darauf hin, dass er zumindest einen Teil des Weges mit zurücklegte.

Mist gebaut

Ein Verbrechen, das möglicherweise in exzessivem Alkoholgenuss seinen Auslöser hatte: Auf der Suche nach dem Motiv kamen die Richter zu keinem plausiblen Ergebnis. Frust vielleicht. Aber worüber? Eines machte der junge Mann sehr deutlich: "Es geschah keinesfalls, weil ich eine weitere Ausweitung des Tourismus am Steinberger See nicht wollte." Aber warum dann? Eine sinnlose Tat, deren eigentlicher Triebfeder man wohl in diesem Verfahren nicht auf die Spur kommen dürfte. Völlig schleierhaft und mit der Frage verbunden: Was treibt jemanden zu einem solchen Verhalten?

Sein vom Vater geerbtes Haus hat der 29-Jährige unterdessen verkauft. Den Job als Angestellter ist er los. Vor ihm liegt eine Zukunft, in deren Verlauf eine Versicherung Regressforderungen schicken wird. In einer Verhandlungspause sagte sein Anwalt Jürgen Mühl (Amberg): "Er weiß, dass er Mist gebaut hat und will für den Schaden aufkommen." Gewiss ist, dass sein familiäres Umfeld dabei zu ihm stehen wird.

Urteil im Prozess

Steinberg am See

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