03.01.2021 - 12:15 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Eine Autorin, ein Student, eine Vision: "Erster Amtsarzt" reif für Premiere

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Zwei Monate lang wurde gefilmt, dann waren die großen Szenen vom „Ersten Amtsarzt“ im Kasten. Was in der Zeit alles passiert ist und was als Nacharbeit noch erledigt werden muss, erzählt Helma Koch.

Die perfekte Kulisse für die Szene mit dem Apotheker (links) und dem Amtsarzt bietet das Museum Alte Hofapotheke in Sulzbach-Rosenberg.
von Helga KammProfil

Helma Koch, Apothekerin im Ruhestand, ist nicht nur die Autorin des Regional-Krimis "Der erste Amtsarzt", sie ließ daraus ein erfolgreiches Theaterstück auf die Bühne bringen und schließlich einen Spielfilm darüber drehen. Gewinnen konnte sie dafür als Kameramann Sasan Akbari, der an der OTH Amberg Medienproduktion und Medientechnik studiert. Ein "geduldiger Idealist" fand sich in Kurt Schaffenroth, der stundenlang das Mikrofon zu bedienen hatte.

Ohne Drehbuch ans Werk

"Eine Autorin, ein Student und eine Vision, das war alles", erinnert sich Helma Koch an den Start. Und vor allem, höchst motivierte Schauspieler scharrten mit den Füßen und waren zu allem bereit, "auch dann noch, als das Füße scharren erst einmal dazu dienen musste, Steine und Knüppel aus dem Weg zu räumen". Ein schriftliches Drehbuch wurde durch Besprechung und freie Textvorgabe ersetzt, was den Laien mehr Gestaltungsfreiheit bot, aber auch anstrengend war. "Für Sasan war das abwechselnd eine Feuertaufe mit Sprüngen ins eiskalte Wasser", beschreibt Koch den "man all-in-one" aus dem Iran.

Nicht nur an den Wochenenden standen die Laienschauspieler mit Energie und Begeisterung bereit, um neben ihrer Berufstätigkeit ihre Rollen zu meistern. Wind und Wetter wurden von den Frauen, Männern und Kindern hingenommen, Szenen geduldig oft und oft wiederholt, Kaffeepausen aus Zeitmangel ausgelassen, stundenlang gearbeitet, "manchmal bis zur Erschöpfung", schaut Helma Koch auf diese Zeit zurück. Gefragt war vor allem auch Flexibilität. Die letzte Szene musste zuerst gedreht werden und zwar Hals über Kopf, erzählt sie, da sie in einem Hopfenfeld spielt und der Hopfen in Illschwang schon fast erntereif war. An allen Drehorten wurden penibel Dinge entfernt oder versteckt, die es in der Zeit des Amtsarztes um 1800 nicht gegeben hat. "In den Räumen entdeckte Sasan alles", schmunzelt die Erzählerin, "Lichtschalter, Feuermelder, Heizkörper, Bodenbeläge bis hin zu den Trauringen der Darsteller". Ähnlich war es in der Natur. Waldwege ohne Traktorspuren, Felder der Zeit entsprechend, ein Weiher mit schilffreien Stellen und ohne Straßenlärm - das Suchen erforderte Zeit und Geduld.

Dreharbeiten in Weißenberg und Illschwang

Sulzbach-Rosenberg

Aufregung um ein Blatt Papier

Gedreht wurde an vielen Orten. Im Hopfengarten in Illschwang, im Freilandmuseum Neusath-Perschen, in der Kirche von Weißenberg, im Schulmuseum und im Museum Alte Hofapotheke in Sulzbach-Rosenberg sowie im Goglhof in Eberhardsbühl. Vergnügt erinnert sich Helma Koch an das Blatt Kopierpapier, das ihr in Perschen vom Wind ins Wasser am Mühlrad geweht wurde. "Die Hoffnung, dass es untergehen würde oder die beiden Graugänse sich dafür interessierten, zerschlug sich, beinahe damit auch das Filmen, bevor das Papier von Kurt mit herzhaftem Einsatz entfernt wurde."

Auf dem Goglhof, einem wirklich lebenden Museum, musste lediglich ein Plastikgefäß mit dem Futter der Küken aus dem Sichtfeld genommen werden. Mike, dem Darsteller des Bauern, wurde in einem Crash-Kurs das Sensen-Dengeln beigebracht. "Bald konnte er es so gut, dass er während der folgenden Stunden des Filmens alle Sensen in Eberhardsbühl hätte dengeln können", schildert Helma Koch eine der vielen humorvollen Begebenheiten des Drehs.

Geburtstagsfeier geopfert

Auch dass nach kurzer, heftiger Abwehr die Goglhof-Hausherrin Margarete Jäkel verschwand und kurz darauf 200 Jahre früher wieder zum Vorschein kam und die Frau mit der kurzstieligen Schaufel mimte, gehört dazu. Dass manche der barfuß laufenden Frauen und Kinder sich kalte Füße holten, dass Amtsarzt-Darsteller Alfons Wanninger eine größere Feier zu seinem 65. Geburtstag zugunsten des Filmens ausfallen ließ, dass das Museum Alte Hofapotheke und auch das Gasthaus Zur Landkutsche von den Filmleuten ziemlich auf den Kopf gestellt wurden - all das ist bereits Geschichte. Die Schauspielertruppe hat Blut geleckt und will zusammen weitermachen.

Und Helma Koch hat schon wieder neue Pläne, denkt an ein Theaterstück nach dem Film. Zunächst aber wird noch nachgearbeitet, wird das Filmmaterial zu einem Ganzen zusammengebaut, werden Übergänge eingearbeitet und Szenen neu synchronisiert. "Die angedachte Premiere Ende November war nicht zu halten", bedauert Helma Koch, "und jetzt bringt der Lockdown sowieso alles durcheinander". Aber sie ist sicher: "Die Zeit wird kommen, wo man den Amtsarzt zurückgelehnt und Popcorn kauend auf der Leinwand anschauen kann."

Auf dem Goglhof in Eberhardsbühl konnte Kameramann Sasan Akbari sogar die Hausherrin Margarete Jäkel (Dritte von rechts) für eine kleine Rolle gewinnen.
Helma Koch, unermüdlich im Einsatz an allen Drehtagen.

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