22.09.2021 - 13:29 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bergbau- und Montangeschichte liefern Stoff für die Kino-Leinwand

Als Schauplatz von Filmpremieren macht Sulzbach-Rosenberg eher selten von sich reden. Bekannt ist die Stadt dagegen für ihre Erz- und Stahltradition. Warum nicht beides mal unter einen Hut bringen?

Zwei Filme, gedreht und geschnitten von Studierenden der OTH, erleben im Sulzbacher Schlosshof ihre Uraufführung.
von Wolfgang BerndtProfil

Der Schlosshof in Sulzbach-Rosenberg bot die Kulisse für die öffentliche Uraufführung zweier Filme, die sich mit dem Bergbau in Sulzbach-Rosenberg und der Montangeschichte in der Region beschäftigen. Studierende der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) haben daran gearbeitet. Zum Open-Air-Kino kamen sowohl Besucher, die diese Tradition noch aus eigenem Erleben kennen, als auch heimatgeschichtlich Interessierte.

"Die Anstrengungen bei der Umsetzung des Vorhabens und bei der Präsentation haben sich gelohnt", urteilte die Vorsitzende Tanja Weiß von der historischen Gruppe Stiber-Fähnlein, die das Projekt initiiert hatte. Die beiden Filme vermittelten einen guten Einblick in die örtliche Tradition von Bergbau, Eisen- und Stahlerzeugung. Gedacht sind sie unter anderem für Aufführungen im Stadtmuseum und in Schulen.

Während der Aufnahmen galt es allerhand Probleme durch Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie zu lösen. Die Studentengruppe der OTH Amberg habe das Projekt nicht als Semesterarbeit, sondern als Herzensangelegenheit verstanden. Der zuständige Professor Klaus Grüger stand der Idee von Anfang an aufgeschlossen gegenüber.

Kreativ und verschwiegen im Umgang mit Spitznamen

Zu den Mitwirkenden zählten die ehemaligen Bergmänner Georg Schaller, Georg Rubenbauer, Josef Rieder und Fritz Raß, die viele Erinnerungen und Anekdoten aus ihrem Erfahrungsschatz preisgaben. So habe beispielsweise jeder Bergmann einen Spitznamen verpasst bekommen, der aber nur dem "internen Gebrauch" diente und draußen in der Öffentlichkeit wie ein Geheimnis gehütet wurde.

Nachdem ein Film über den Bergbau in Sulzbach-Rosenberg abgeschlossen war, entstand die Idee, sich mit der Montangeschichte zu beschäftigen, die über die Stadt hinaus ging. Drehorte waren unter anderem das Maxhüttengelände, Schloss und Hammer in Theuern sowie das Pflasterzollhaus in Sulzbach-Rosenberg. Zusammen mit der Planung, Drehtermine und Schnitt erforderten pro Film rund 300 Arbeitsstunden.

Eindrücke von den Dreharbeiten in Theuern

Sulzbach-Rosenberg

Für sie habe es sich um ein Heimspiel gehandelt, betonte Sabrina Bauer als Sprecherin der Studierenden. Sie komme aus Sulzbach-Rosenberg und habe sich schon immer für die Geschichte der Stadt interessiert, in der die Maxhütte und der Bergbau einst eine große Rolle spielten. Den Beteiligten sei es nicht nur darum gegangen, für ihre Arbeit eine gute Note zu bekommen, sondern sie wollten die Geschichte der Region aufarbeiten.

Die Zahl der Zeitzeugen nimmt zusehends ab

Unter den Mitgliedern des Bergknappenvereins Sulzbach-Rosenberg sind keine 100 mehr, die noch selbst in die Gruben eingefahren sind. "Es ist abzusehen, dass kaum noch ein Bergmann lebt, der über seine Tätigkeit berichten könnte", konstatierte der Vorsitzende Armin Kraus. Deshalb seien solche Filme unbedingt nötig, um die Eisen- und Bergmannsgeschichte für die Nachwelt zu bewahren. Von den Bergleuten lernen ließe sich beispielsweise die Tugend der Solidarität, ohne die das Arbeiten untertage noch gefährlicher gewesen wäre. Und nach diesen beiden Filmen bliebe sicher noch genug Stoff für einen dritten oder vierten Teil.

Nicht nur als städtischer Heimatpfleger spreche er ein Grußwort, sondern auch als Seelsorger der OTH Amberg-Weiden, sagte Markus Lommer und verwies auf die Verbindung der Bergmänner mit ihrer Schutzpatronin, der Heiligen Barbara. Bei den jährlichen Barbarafeiern werde dies immer wieder kundgetan.

Ein Zukunftsprojekt in Sachen Montan-Vergangenheit

Amberg
Der Schlosshof zeigt seine Eignung für ein Open-Air-Kino.
Stadtheimatpfleger Markus Lommer, an der OTH seelsorgerisch tätig, erinnerte an die Verbindung der Bergleute mit der Heiligen Barbara,
OTH-Studentin Sabrina Bauer, Stiber-Chefin Tanja Weiß und Bergknappen-Vorsitzender Armin Kraus bei der Film-Premiere.

 

 

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