Die Omikron-Welle hat auch Sulzbach-Rosenberg fest im Griff – noch. Mildere Krankheitsverläufe, Impfungen und der bevorstehende Frühling lassen viele hoffen, dass im noch jungen Jahr 2022 vieles wieder möglich wird. Dass ein drittes Mal in Folge die Programm-Höhepunkte Altstadt- oder Annabergfest als überregionale Besuchermagnete ausfallen, es ist kaum vorstellbar. Auch sonst steht das Leben in der Stadt nicht still.
Manche Themen, wie Probleme mit der Verwaltung oder das Drama um das abgesagte Bierpong-Turnier, regen etliche Menschen auf, andere Projekte wie die Sanierung des Waldbads oder der Bau der Oberpfalz-Arkaden stehen vor dem Abschluss und sorgen für große Vorfreude. Was die Stadt bewegt und wie es weitergeht: Erster Bürgermeister Michael Göth hat Einfluss auf fast alle Entwicklungen. Hier nimmt er Stellung.
Corona und Alltag
Die Pandemie per Verfügung beenden, das kann selbst Michael Göth nicht. Für einen ausgewogenen Blick auf Corona plädieren jedoch schon: „Das Virus wird auch 2022 ein Teil unseres Alltagslebens bleiben. Aber wir müssen schon sehen, was sich seit dem vergangenen Winter alles getan hat“, erinnert das Stadtoberhaupt an schwere Einschränkungen im Januar 2021 wie Kontakt mit nur einer Person oder der geschlossenen Gastronomie.
Göth zollt den Bürgern ausdrücklich Respekt für ihre Disziplin. „Ich danke allen für ihre Geduld und ihr solidarisches Verhalten in diesen schweren Zeiten. Beruflich und privat sei er genauso betroffen. „Ich bin sehr gerne wandern in Südtirol – das letzte Mal war das vor drei Jahren möglich. Bis auf drei Tage in Österreich sind bei mir alle Urlaube ausgefallen.“ Auch für den kommenden Sommer habe er noch keine Pläne.
Schwerfällige Verwaltung?
Immer wieder erreicht unsere Redaktion Kritik an der Stadtverwaltung. Unter Verweis auf Corona war lange nur der telefonische Kontakt mit den Ämtern möglich – selbst dann noch, als andere Kommunen längst wieder geöffnet hatten. Ein Bürger berichtete, dass er seinen Ausweis gar in Hahnbach habe ausstellen lassen, weil er eine mehrere Wochen umfassende Wartezeit in Sulzbach-Rosenberg vermeiden wollte. Corona diene zu oft als „Ausrede“, um Prozesse zu beschleunigen und zu vereinfachen, so die Beschwerde. Und selbst aus Kreisen der Stadträte ist zu hören, dass es kaum möglich sei, sich schnell und einfach auf der verschachtelten Homepage der Stadt zurechtzufinden.
Hier stellt sich der Bürgermeister deutlich vor seine Beamten und Mitarbeiter. Es gebe nun einmal klare Infektionsschutz-Vorgaben, zudem sei im Haus für Bürgerdienste viel geschehen: „Wir haben dort einen eigenen Wartebereich, eine Lüftungsanlage und ein Bürgertelefon eingerichtet.“ Pauschale Homepage-Kritik weist er ebenfalls zurück: „Wem etwas nicht passt, muss schon sagen, was er genau verbessern will. Aus meiner Sicht ist sie durchaus benutzerfreundlich.“ Und zur Verwaltung sagt er: „Wir sind offen für Anregungen und immer bereit, die Qualität unserer Dienstleistungen zu verbessern.“
Märkte und Feste
Weniger klar ist der Bürgermeister, wenn es um das Altstadt- oder Annabergfest geht. Als Höhepunkte im städtischen Programmkalender fielen die beliebten Events bereits 2020 und 2021 aus. Ist das den Bürgern ein drittes Mal in Folge zuzumuten? „Wir haben die Feste nicht aufs Abstellgleis gestellt“, versucht Göth zu beruhigen. „Es ist und bleibt davon abhängig, was die Maßnahmen zum Infektionsschutz zulassen.“ Jedoch bereite sich die Stadt gut vor: „Wir planen vor, für den Fall, dass es geht. Und wir hoffen.“
Was jedoch nicht geht, das sei der Lichtmessmarkt. Während der Martinimarkt im November in abgespeckter Version noch genehmigt wurde, hat die Stadt den Markt am 6. Februar abgesagt. Die aktuelle Landesverordnung untersage Jahrmärkte ausnahmslos. Wie es mit dem Weißen-Sonntag-Markt Ende April ausschaut, sei noch unklar.
Streitfall Bierpong-Turnier
Über mehrere Wochen hatte im vergangenen August das Thema Bierpong hohe Wellen geschlagen. Die Stadt musste sich massiver Kritik an ihrer Jugendpolitik erwehren. Nur zwei Tage vor dem geplanten Termin hatte das Ordnungsamt die lange vorbereitete Meisterschaft verboten – und bei den Organisatoren große Enttäuschung wegen der vergeblichen Mühen ausgelöst. Sogar das Angebot, mit Wasser Bierpong zu spielen, wurde abgelehnt. Begründung: Eine fehlende Anmeldung und befürchteter Alkoholmissbrauch mit Verweis auf das Gaststättengesetz.
Das Team von „Bierpong Sulbach“ sagte unserer Zeitung, man plane erneut mit einem öffentlichen Turnier. Jedoch seien die Helfer sehr skeptisch, was die Haltung der Stadt betrifft. Wird es dieses Jahr besser laufen und Stadt und Organisatoren gemeinsam an einer Lösung arbeiten? Der Bürgermeister gibt sich hier sehr reserviert. Es habe vergangenes Jahr ein „gutes Gespräch“ mit den Bierpongern gegeben. „Sie müssen eben ein Konzept vorlegen, das wir mit den Behörden abstimmen können. Es muss rechtlich abgeklopft werden.“ Heißt das, wenn gültiges Recht eingehalten wird, zeigt sich die Stadt aufgeschlossen? „Ich möchte mir hier nichts weiter entlocken lassen“, vermeidet Göth mehrmals eine klare Aussage. Auch, ob er rückblickend der Ansicht sei, dass die Stadt zu streng durchgegriffen habe, will Göth nicht beantworten. Jedoch: „Uns ist sehr daran gelegen, dass auch die Interessen der Jungen berücksichtigt werden.“ Die Jugendpolitik der Stadt dürfe nicht nur mit Blick auf ein Einzelereignis bewertet werden. Dies greife zu kurz.
Arkaden und Waldbad
An Ostern sollen die Oberpfalz-Arkaden eröffnen, doch am Bierhalsberg wird noch am Rohbau gearbeitet. Dass der April-Termin gehalten werden kann – es ist zumindest äußerst fraglich. Zudem hat das künftige Einkaufszentrum bereits zwei Mal den Eigentümer gewechselt. „Ich mache mir deswegen keine Sorgen“, sagt Göth zu möglichen Spekulationen knapp. Zum Zeitplan wolle er sich nicht äußern, weil es kein städtisches Projekt sei.
Anders beim Waldbad. Die Generalsanierung laufe auf Hochtouren. „Ich habe mir erst vor zwei Wochen ein Bild gemacht. Die Wärmehalle ist bereits voll verglast und winterfest. Der Panoramablick über die neue Beckenlandschaft ist beeindruckend.“ Zum Zeitplan: „Wir wollen Ende Mai öffnen. Und im Herbst lässt sich dafür die Saison in den Oktober hinein verlängern. Das könnte auch die Zukunft sein“, deutet er die Möglichkeit auf langfristig längere Öffnungszeiten an. Obwohl er selbst kein regelmäßiger Schwimmer sei, könnten Waldbad-Besucher den Bürgermeister doch einmal in Badehose sehen: „Vielleicht drehe ich ein paar Runden zur Eröffnung.“
Themen in Teil 2
- Wie ist das Arbeitsklima im Stadtrat? Hält die Kooperation zwischen CSU und SPD?
- Sozialwohnungen im Storg-Gebäude
- Parkplatz-Problematik vor der Kita "Sonnenschein"
- Altlasten-Sanierung und die Zukunft des Maxhütten-Areals
„Wem etwas nicht passt, muss schon sagen, was er genau verbessern will.“































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