11.08.2021 - 17:58 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Traurig und enttäuscht": Ärger über abgesagtes Bierpong-Turnier

Weil "Alkoholmissbrauch" befürchtet wurde, hat Sulzbach-Rosenberg das Bierpong-Turnier im Fuchsbeck-Hof verboten. Die Organisatoren fühlen sich ungerecht behandelt und kritisieren die Jugendpolitik der Stadt. Sie bekommen viel Zuspruch.

Für manche ist es Alkoholmissbrauch, für andere ein geselliges Geschicklichkeitsspiel: Bei der ersten Bierpong-Meisterschaft im Fuchsbeck-Hof im vergangenen Jahr 2020 lief noch alles reibungslos: Die Stadt hatte keine Einwände gegen das bei Jüngeren beliebten Spiel.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Sechs Wochen lang haben Alex Pröll (22), David Martynec (23) und Nico Dirschedl (22) die zweite Sulzbach-Rosenberger Bierpong-Meisterschaft vorbereitet. Am 31. Juli hätte der große Wettkampf im Hof der Brauerei Fuchsbeck steigen sollen. Gäste aus ganz Bayern und darüber hinaus wollten kommen, ein eigenes „Turnierseidl“ war gebraut, Corona-Regeln ausgearbeitet. Die Vorfreude bei den Organisatoren und den Teilnehmern war riesig. Nun ist die Enttäuschung umso größer – weil, wie Oberpfalz-Medien berichtete, die Stadtverwaltung das Turnier nur zwei Tage vorher überraschend untersagt hat.

Zwei Wochen sind seitdem vergangen. Die Organisatoren haben sich nach dieser Bedenkzeit entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen und ihre Sicht darzulegen. Sie fühlen sich von der Stadtverwaltung ungerecht behandelt und sehen in dem Verbot ein fatales Signal für die lokale Jugendpolitik und das öffentliche Engagement junger Menschen in der Stadt.

Genehmigung für 250 Gäste

„Wir haben auf Instagram und Facebook sehr viel Zuspruch bekommen“, berichtet David Martynec. Alex Pröll ergänzt: „Viele haben uns gesagt, dass man sich nicht wundern braucht, wenn die Jugend nichts mehr macht und der Stadt den Rücken kehrt.“ 40 Teams à zwei Personen waren angemeldet. Zuschauer wären noch hinzugekommen. Sogar aus Saarbrücken wollten Teilnehmer anreisen. „Die hatten schon ein Zimmer gebucht und mussten extrem kurzfristig stornieren. Wahrscheinlich sind sie sauer.“ Die Brauerei Fuchsbeck habe für ihren Hof eine Genehmigung, um dort 250 Gäste bewirten zu können. Laut Pröll wären alle Corona-Auflagen streng eingehalten worden. Es hätte eine FFP2-Maskenpflicht bestanden, nur Geimpfte, Genesene oder Getestete hätten teilnehmen dürfen, die Daten waren erfasst. Doch das sei gar nicht entscheidend gewesen, denn: „Der Stadt ging es um das Bier“, sagt Dirschedl.

Das Ordnungsamt habe sich auf die fehlende Anmeldung und das Gaststättengesetz berufen. Dort steht unter Paragraf 4, Absatz 3.3: „Alkoholmissbrauch liegt bei Veranstalten von Wetttrinkbewerben vor.“ Und weiter: „Auch die Durchführung von Bierpong-Turnieren, bei denen Tischtennisbälle in Bierbecher geworfen werden, kann dazu führen, von einem Alkoholmissbrauch auszugehen, wenn der Becher ausgetrunken werden muss.“

Die Bierponger fühlen sich zu Unrecht in die Ecke der exzessiven Säufer gestellt. Der sportliche Wettkampfgedanke und die Gemeinschaft nach einer langen Corona-Zwangspause hätte bei ihnen im Fokus gestanden. Um das Turnier doch noch zu retten und den Missbrauch-Vorwurf zu entkräften, sei dem Ordnungsamt in einem persönlichen Gespräch am Freitag davor sogar angeboten worden, nur mit Wasser zu spielen – ohne Erfolg.

Bierpong ist kein Eimer-Saufen

Unterstützung erfährt die in Jugendkreisen sehr beliebte und zahlenmäßig wachsende Bierpong-Gemeinschaft von Hans Lauterbach. Der im Getränkegewerbe tätigte Freiberufler ist empört und findet das Gesetz falsch formuliert. „Die Regelung im Gaststättengesetz zielt auf Flatrate-Saufen und Trinken aus Eimern. Das lehne ich auch ab. Aber Bierpong damit gleichzusetzen, ist Unfug. Wenn die Bierponger der Stadt anbieten, das sogar mit Wasser zu machen, dann ist die Absage absolut zu kritisieren.“ Lauterbach findet die pauschale Diskreditierung von Bierpong falsch. „Wenn ich mit einem Plastikball in einen 0,2-Liter-Becher werfe und ein paar Becher trinke, dann ist das nichts anderes als im Wirtshaus ein paar Halbe zu trinken.“ Der 52-Jährige will bereits mit Mitgliedern aus dem Stadtrat und dem Gastro-Gewerbe über den Fall gesprochen haben – die seien ähnlicher Meinung gewesen. Die Stadt würde junge Menschen verprellen. „Ich halte das für ganz fatal für das jugendliche Engagement in der Stadt. Die bereiten das wochenlang vor und bekommen dann zwei Tage vorher eine Absage. Wenn die Jugend die Lust am Organisieren verliert, dann würde es mich nicht wundern.“ Die Jugendbeauftragte der Stadt, Johanna Graf, wollte sich auf Anfrage nicht zu der Absage äußern.

Kein Verbot in Amberg

Die Bierponger sind nun auf gekauften Bällen, Bechern, Tischen, Pokalen mit Gravur, Einlassarmbändern und bedruckten T-Shirts sitzen geblieben – Hunderte Euro Ausgaben. „Hätten wir Turnier-Einnahmen gehabt, hätte es sich amortisiert, so nicht“, sagt Martynec enttäuscht. Sie hätten sich vom Ordnungsamt eine weniger restriktive Auslegung des Gesetzes gewünscht. Eine solche Möglichkeit eröffnet der Paragraf: „Als milderes Mittel anstelle eines Erlaubniswiderrufs ist es aber möglich, Auflagen nach §5 GastG zu treffen“, steht dort.

Dass dies jederzeit machbar ist, zeige laut Pröll der Blick in andere Städte – wie zum Beispiel Amberg. Im September 2019 habe dort in den Bars Blaues Haus und UNS5 ein Bierpong-Turnier stattgefunden. „Das waren 100 Teams, insgesamt 200 Teilnehmer, und Zuschauer sind ohne Ende dabei gewesen, es gab null Probleme“, berichtet Pröll. „Da frage ich mich schon: Warum geht das in Amberg, aber in Sulzbach ist es exzessiver Alkoholkonsum?“ Dirschedl erinnert zudem daran, dass bereits 2020 ein Bierpong-Turnier – noch dazu während Corona und ohne Impfauflage – beim Fuchsbeck lief. „Damals gab es keine Reaktion der Stadt. In der Zeitung wurde eine ganze Seite gedruckt und in der Überschrift Sulzbach als die neue ‚Bierpong-Hauptstadt‘ gekürt“, sagt der 22-Jährige.

Turnier 2020 ohne Probleme

Was das mit Hinblick auf weitere Turniere bedeutet, wissen die Freunde nicht. „So, wie die Stadt es begründet hat, haben sie uns die Hoffnung genommen, dass wir überhaupt jemals wieder ein Turnier machen können“, sagt Dirschedl. Dennoch hätten sie es sich zum Ziel gesetzt, noch dieses Jahr ein weiteres Turnier zu veranstalten – allein schon bloß, um die ungenutzten Materialien loszuwerden. „Ob das aber öffentlich ist oder ein privates Turnier wird, ist unklar“, sagt Pröll. „Ich weiß auch nicht, ob wir nach diesem Rückschlag noch mal die Energie aufbringen können, das alleine auf die Beine zu stellen.“

Das Turnierverbot ist übertrieben. Auf jeder Kirwa wird mehr getrunken, kommentiert Tobias Gräf

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Auch Frauen können begeisterte Bierponger sein, wie dieses Foto vom Turnier 2020 beweist: Immer zwei Teams treten gegeneinander an und müssen den Ball in den Becher des Gegners befördern.
Info:

Originalzitate von Instagram-Nutzern zur Turnierabsage

  • _vinz92: "Hey Jungs, ich bin sprachlos (...) es wird halt alles getan, dass die Stadt eben ausgestorben bleibt."
  • wolfwagner2: "Kein Grund zum Traurig sein! Was gut war kommt wieder!! Bleibt am Ball."
  • tim_916: "@suro.city ihr legt jeden Steine in den Weg der Sulzbach wenigstens ein bisschen am Leben halten will. Schämt euch!!! (...) in anderen Städten geht so viel mehr."
  • realjakobwolf: "Wettstricken im Altenheim wird bestimmt genehmigt...Die Stadt verbockt sich´s einfach bei den Jugendlichen."
  • julia.hierstetter: "Kaum verwunderlich dass in Sulzbach niemand mehr etwas für junges Publikum veranstaltet und Leute in unserem Alter lieber in andere Städte fahren statt hier zu bleiben. (...) Statt auch der jüngeren Generation mal ein wenig Spaß zu gönnen wird sie eher vertrieben."
  • thommyw.ei: "Jungs stark bleiben und weiter kämpfen!! Ihr macht das super und könnt definitiv nichts dafür. Die Stadt schmückt sich selbst lieber mit Spinnweben anstatt mal leben hier einzubringen."
  • marleenplchtk: "In meinen Augen sehr schwach von der Stadt, dass so kurzfristig abzusagen und hier auch wieder null auf uns junge Menschen zu achten. Wir haben dieses Jahr wirklich viel zurück gesteckt und diese Veranstaltung ist einfach auch mal wieder wichtig um Normalität zu bekommen (...)."
Info:

Was ist Bierpong?

  • Bierpong, englisch Beer Pong, ist ein Trink- und Geschicklichkeitsspiel, ursprünglich aus den USA. Als Zubehör werden Becher für Bier oder Spirituosen, zwei Tischtennisbälle und ein Tisch benötigt
  • Die Becher sind in Dreiecksformation an beiden Tischenden aufgestellt. Die gegnerischen Teams versuchen, mit dem Ball die Becher der anderen Mannschaft zu treffen. Wird ein Becher getroffen und der Ball bleibt darin liegen, muss der Gegner den Inhalt austrinken.
  • Gewonnen hat die Mannschaft, die zuerst alle gegnerischen Becher getroffen hat.

„Ich halte das für ganz fatal für das jugendliche Engagement in der Stadt."

Hans Lauterbach über das Verbot des Bierpong-Turniers durch das Ordnungsamt

Hans Lauterbach über das Verbot des Bierpong-Turniers durch das Ordnungsamt

„So, wie die Stadt es begründet hat, haben sie uns die Hoffnung genommen, dass wir überhaupt jemals wieder ein Turnier machen können.“

Nico Dirschedl, Mitorganisator des Bierpong-Turniers

Nico Dirschedl, Mitorganisator des Bierpong-Turniers

 

 

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