16.06.2020 - 10:02 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Investor startet neuen Vorstoß: Doch ein Autopark an Krötensee-Kreuzung in Sulzbach-Rosenberg?

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An der Krötensee-Kreuzung soll kein Auto-Gewerbepark errichtet werden. Das entschied jüngst der Stadtrat. Sylvia Fibinger, die Eigentümerin der Grünfläche, zeigt sich "geschockt". Gemeinsam mit dem Investor will sie am Projekt festhalten.

Auf dem Wiesenareal zwischen Aldi-Markt (links), B 85 (rechts) und B 14 (unten) will Investor Karim Benali aus Baden-Württemberg einen Auto-Gewerbepark errichten. Der Geltungsbereich des Areals ist 2,38 Hektar groß, die bebaute Fläche würde aber nur 1,03 Hektar umfassen. Die Biotope (links im Bild) sollen erhalten bleiben. Zudem soll an der Abzweigung zur Dieselstraße eine Ampelkreuzung enstehen – und damit auch der Schulweg für Kinder sicherer werden.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Die Entscheidung des noch jungen Stadtrates in Sulzbach-Rosenberg vom 26. Mai hat gehörig Staub aufgewirbelt. Damals entschieden die Räte mit äußerst knapper Mehrheit von 13 Nein- zu 12-Ja-Stimmen, den auf der Grünfläche an der Krötensee-Kreuzung geplanten Auto-Gewerbepark abzulehnen. Nicht nur manche Stadträte selbst waren überrascht. Besonders Sylvia Fibinger, die Inhaberin des Grundstücks, und der Investor des Bauvorhabens, Karim Benali, hat die Entscheidung kalt erwischt.

Die von Benali mit der Projektplanung beauftragte Architektin Ines Azzi gab gegenüber Oberpfalz-Medien bekannt, dass sie an dem Vorhaben festhalten wolle. "Wir bleiben hartnäckig. Auch, weil wir schon viel Vorarbeit reingesteckt haben." Azzi will Bürgermeister Michael Göth schriftlich bitten, das Projekt im Bauauschuss persönlich und detailliert vorstellen zu dürfen. Ziel sei es letztlich, eine erneute Abstimmung im Stadtrat zu erreichen. Denn sowohl Architektin Azzi als auch Grundstücksinhaberin Sylvia Fibinger glauben, dass die Räte vor ihrer Abstimmung unzureichend und über den Gewerbepark informiert waren.

Kritik der Stadträte wiegt schwer

Der Plan von Benali sieht vor, auf dem direkt an der Kreuzung von B 85 und B 14 günstig gelegenem Areal eine Tankstelle mit Auto-Waschanlage, ein Reifengeschäft und eine McDonalds-Filiale anzusiedeln. Daran übten Stadträte aus mehreren Fraktionen Kritik. Der Biotop- und Gehölzbestand müsste zerstört werden (Grüne), ein Fast-Food-Restaurant fördere die ungesunde Ernährung (FDP/FWS) und in einem solchen Auto-Servicepark würden hauptsächlich geringfügig beschäftigte Minijobber arbeiten anstelle "nachhaltige Ausbildungsplätze" zu schaffen (SuRo2030). Zudem sei der Bedarf an Tankstellen in Sulzbach-Rosenberg bereits gedeckt. Wichtiger wäre es, die Energiewende zu fördern und mehr Strom-Ladesäulen zu errichten, so die Einwände.

Wir bringen Arbeitsplätze in die Stadt und zahlen Gewerbesteuer. Deshalb kann ich gerade in wirtschaftlich schweren Corona-Zeiten die Entscheidung des Stadtrates nicht verstehen.

Ines Azzi, Architektin und Projektplanerin des Gewerbeparks

Diese Kritik findet Architektin Ines Azzi ungerechtfertigt. "Ursprünglich lautete die Vereinbarung, dass die Biotope und die Sträucher komplett beseitigt werden. Doch die bleiben jetzt weitgehend erhalten." Die Diplom-Ingenieurin betont auch die Nachhaltigkeit des Vorhabens: "Wir sind im Gespräch mit einem Mineralölbetreiber. Dessen Konzept sieht fest vor, dort E-Ladestellen zu installieren." Es würde sogar die Option geprüft, dort später zusätzlich eine Wasserstofftankstelle zu errichten. "Das ist ökologisch und eine Erweiterung des bisherigen Angebots in der Stadt. Ein Anker-Mieter wie ein großer Mineralölkonzern gibt keine Zusage für einen Standort, ohne vorher genau die Konkurrenzsituation und den Bedarf zu prüfen - und der ist zweifelsohne da."

Bereits viel Geld investiert

Sowohl an der Tankstelle als auch bei McDonalds würden "nicht nur Minijobber arbeiten, sondern Ausbildungsplätze geschaffen", erläutert Azzi. Die 52-Jährige redet Klartext: "Wir bringen Arbeitsplätze in die Stadt und zahlen Gewerbesteuer. Deshalb kann ich gerade in wirtschaftlich schweren Corona-Zeiten die Entscheidung des Stadtrates nicht verstehen."

Azzi betont, dass Investor Karim Benali auch mit Privatgeldern bereits in Vorleistung gegangen ist. So sei ein Naturschutzgutachten, ein Gutachten für Ausgleichsflächen und ein Bodengrundgutachten bezahlt worden. "Hinzu kommen die Kosten für die ökologischen Ausgleichsflächen und Herr Benali ist bereit, 50 Prozent des Kreuzungsumbaus zu bezahlen."

Der frisch konstituierte Stadtrat hat das Bauvorhaben "Krötensee II" abgelehnt - mit äußerst knapper Mehrheit.

Sulzbach-Rosenberg

Ampelkreuzung hilft Schulkindern

Weil auf Höhe der Abzweigung zum Aldi-Markt (Kreuzung B 14-Dieselstraße) eine Querungshilfe geplant sei, gäbe es für Fußgänger auch einen Sicherheitsgewinn. "Wir errichten dort eine neue Kreuzung mit Ampelanlage. Mit unserer Investition tragen wir zur Sicherheit der Kinder bei, die dort täglich über einen Trampelpfad und die Bundesstraße zur Krötenseeschule laufen."

Die Projektplanerin sagt, dass die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung bisher immer positiv gewesen sei. "Wir hatten einen vertrauensvollen Umgang miteinander. Insbesondere Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn hat viel getan, um konstruktive Lösungen zu erarbeiten." Ursächlich für die überraschende Ablehnung des in der Planung weit fortgeschritten Projekts ist laut Azzi das Stadtparlament mit seinen vielen neuen Mitgliedern. "Der Stadtrat hat gewechselt und jetzt gelten getroffene Beschlüsse nicht mehr. Es wäre besser gewesen, wenn wir in die Sitzung eingeladen worden wären, um Fragen zu beantworten und Details zu schildern." (Siehe Infokasten.)

Ines Azzi leitet für Investor Karim Benali und Grundstücksinhaberin Sylvia Fibinger das geplante Bauprojekt an der Krötensee-Kreuzung. Sie sagt, dass der Vorhabenträger Benali bereit ist, der Stadt in vielen Punkten weit entgegenzukommen. Die Stadträte seien vor ihrer Abstimmung über den Gewerbepark unzureichend informiert worden. Dies würde Azzi bei einer Vor-Ort-Begehung gerne nachholen.

Mit Bürgermeister Michael Göth weiß Ines Azzi einen Befürworter des Autoparks an ihrer Seite. Zur knappen Abstimmung im Stadtrat sagt der Rathauschef: "Die Ablehnung ist aus meiner Sicht zumindest verwunderlich. Wir werden aufarbeiten, wie es dazu gekommen ist." Göth bestätigt, dass der Stadtrat noch im April dem Projekt positiv gegenüberstand und hebt mit Blick auf den geforderten Erhalt des Gehölzbestandes hervor: "Die Forderungen des Stadtrates sind vom Vorhabenträger erfüllt worden."

Göth verteidigt Auto-Park

Das Stadtoberhaupt ist für das Vorhaben und hält dessen Bau für wichtig. "Mir liegt die Stadtentwicklung am Herzen. Auch die autoaffine Nutzung an dieser Stelle ist richtig, denn es handelt sich um einen zentralen Knotenpunkt mit hoher Verkehrsdichte." Zwar leugnet auch Göth nicht, dass ein McDonalds-Restaurant ungesunde Speisen anbietet, aber dies sei die Entscheidung der Bürger: "Seit Jahrzehnten sind wir an einem Fast-Food-Restaurant dran, das war schon beim Liliencenter ein Thema. Wenn jemand einen Burger kaufen will, dann tut er das. Wenn nicht in Sulzbach-Rosenberg, dann eben in Amberg."

Der Gehölz- und Biotopbestand parallel zur Aldi-Auffahrt am linken Grundstücksrand soll weitgehend erhalten werden, um den Umweltschutzgedanken der Stadträte Rechnung zu tragen.

Ob der Gewerbepark "Krötensee II" endgültig gestorben ist oder doch noch umgesetzt werden kann, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Das Ziel der Architektin Azzi ist, persönlich im Bauauschuss vortragen zu dürfen. "Am besten, wir machen eine Vor-Ort-Begehung mit dem Bauausschuss und allen interessierten Stadtratsmitgliedern", wünscht sie sich. Weil es sich um eine sehr knappe Entscheidung gegen das Vorhaben gehandelt habe, sei denkbar, dass es bei einem neuen Anlauf im Stadtrat zu einem Sinneswandel kommen könnte, hofft auch Sylvia Fibinger.

Die Oberpfalz-Arkaden sind ein weiteres Baugroßprojekt in Sulzbach-Rosenberg - auch hier gibt es Kritik und Widerstand.

Sulzbach-Rosenberg
Familie Fibinger – Eigentumsverhältnisse:

Edeka-Markt gescheitert – Autopark abgelehnt

Der Auto-Gewerbepark soll auf dem dreieckigen Wiesen-Areal zwischen Aldimarkt im Osten, B 14 im Norden und der B 85 im Westen errichtet werden. Das Grundstück wurde vor circa 25 Jahren von Siegfried Fibinger gekauft. Seit dessen Tod im Jahr 2016 befindet sich die Grünfläche im gemeinsamen Besitz von Sylvia Fibinger und ihren Töchtern Alina Michaelis und Larissa Fibinger.

Sylvia Fibinger schildert, dass ihr verstorbener Ehemann lange dafür gekämpft habe, auf dem Gelände einen Edeka-Markt zu realisieren. „Die Wiese ist bis heute im Flächennutzungsplan als Sondergebiet Einkaufszentrum eingetragen. Doch die Stadt hat sich quer gelegt.“ Grund für die Ablehnung des Baus eines Edeka-Marktes ist ein städtisches Einzelhandelsgutachten von 2004. Darin steht laut Fibinger sinngemäß, dass an der Krötensee-Kreuzung kein weiteres Lebensmittelgeschäft gebaut werden soll, um eine ungewollte Konkurrenzsituation mit den bereits in der Stadt existierenden Märkten zu verhindern. Anstelle dessen solle dort – so das Gutachten der Stadt – ein autoaffines Gewerbe entstehen. Als Sylvia Fibinger 2016 das Grundstück erbte, fügte sie sich mit ihren Töchtern den Wünschen der Stadt. „Die Stadt selbst wollte dort ein autoaffines Gewerbe, also haben wir dem nachgegeben und einen Autopark geplant.“

Bei der Eigentümerin ist nun die Überraschung über die Ablehnung des Projekts im Stadtrat umso größer: „Als wir von dieser Entscheidung über die Presse erfahren haben, hat es uns vom Stuhl gehoben. Wir haben zuvor alles gemacht, was die Stadt wollte und sind ihr weit entgegengekommen. Dass nun das Gegenteil früherer Absprachen beschlossen wird, schockiert uns schon.“ (tgf)

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Kommentare

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Thomas Leicht

Wo bitte ist hier nachhaltige Stadtentwicklung, wenn eine Brachfläche bebaut wird und in der Stadt immer mehr Leerstand herrscht?
Mit dem geplanten Autopark hat man nur einen weiteren, beliebigen Autohof wie überall in Deutschland. Und soll ein Autopark wirklich ein tolle Visitenkarte für Su-Ro sein, die man als erstes sieht, wenn man in die Stadt kommt?
Ausserdem: hat sich der Stadtrat schon mal die Mühe gemacht und den Investor Karim Benali im Internet recherchiert? Ausser Lärm, Dreck und Gestank bringt der Investor nichts Nachhaltiges nach Sulzbach. Und wieviel Jobs ausserhalb des Niedriglohnsektors sind zu erwarten?
Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat momentan 3,0% Arbeitslosigkeit, da werden die paar 420€-Jobs sicherlich nicht viel daran ändern, die durch den Autohof möglicherweise geschaffen werden.

Wer profitiert eigentlich am meisten von dem Verkauf eines Grundstückes? Die Sulzbach-Rosenberger Bürger? Wohl kaum! Am meisten von dem Verkauf profitiert wohl die Eigentümerin, die ihr – sonst unverkäufliches – Grundstück an den Mann bringt.
Profitieren von einem möglichen Autohof tun auch noch diejenigen, die an Sulzbach auf der B85 vorbeifahren. Aber die wenigsten von denen, die kurz anhalten um zu tanken oder in’s FastFood gehen, werden wohl von einem weiteren beliebigen Autohof in die Stadt „gelockt“.

Witzig ist auch die Aussage von der diplomierten Architektin, die unseren Schulkindern etwas Gutes tun möchte und einen sicheren Schulweg bieten möchte. Wie kommt jemand – der im Großraum Hockenheim wohnt – darauf, daß hier täglich Massen von Schulkindern über die Wiese laufen?
Und auch ihr Argument, daß sich die Stadt in Corona-Zeiten Gewerbesteuern entgehen läßt, ist auch etwas kurzgesprungen. Weil: Gewerbesteuern fliessen erst, wenn auch ein Gewerbe vorhanden ist. Und bis das kommt, ist selbst Corona vergessen!

Die Kosten, die der Investor für den notwendigen Ausbau der Kreuzung übernimmt, sind wahrscheinlich ein Bruchteil von den Kosten, die notwendig sind, das Grundstück so anzupassen, daß auch ein Autohof „gerade“ steht und nicht – so wie jetzt – „nach hinten abfällt“. Wer übernimmt den die Kosten dafür? Der Tankstellen- oder Fastfoodpächter? Oder die Stadt (und somit die Bürger der Stadt)?
Auch schön, daß der Investor ein Umweltgutachten in Auftrag gegeben hat, das ihm bescheinigt, daß keine Umweltbeeinträchtigungen zu erwarten sind. Aber wieso wundert das nicht, wenn einem, der das Gutachten bezahlt, auch alles prima bestätigt wird? Objektivität sieht anders aus! Mich würde es interessieren, wie so ein Gutachten ausfällt, wenn ein Umweltverband dergleichen bezahlen würde.

30.06.2020
Thomas Leicht

Wo bitte ist hier nachhaltige Stadtentwicklung, wenn eine Brachfläche bebaut wird und in der Stadt immer mehr Leerstand herrscht?
Mit dem geplanten Autopark hat man nur einen weiteren, beliebigen Autohof wie überall in Deutschland. Und soll ein Autopark wirklich ein tolle Visitenkarte für Su-Ro sein, die man als erstes sieht, wenn man in die Stadt kommt?
Ausserdem: hat sich der Stadtrat schon mal die Mühe gemacht und den Investor Karim Benali im Internet recherchiert? Ausser Lärm, Dreck und Gestank bringt der Investor nichts Nachhaltiges nach Sulzbach. Und wieviel Jobs ausserhalb des Niedriglohnsektors sind zu erwarten?
Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat momentan 3,0% Arbeitslosigkeit, da werden die paar 420€-Jobs sicherlich nicht viel daran ändern, die durch den Autohof möglicherweise geschaffen werden.

Wer profitiert eigentlich am meisten von dem Verkauf eines Grundstückes? Die Sulzbach-Rosenberger Bürger? Wohl kaum! Am meisten von dem Verkauf profitiert wohl die Eigentümerin, die ihr – sonst unverkäufliches – Grundstück an den Mann bringt.
Profitieren von einem möglichen Autohof tun auch noch diejenigen, die an Sulzbach auf der B85 vorbeifahren. Aber die wenigsten von denen, die kurz anhalten um zu tanken oder in’s FastFood gehen, werden wohl von einem weiteren beliebigen Autohof in die Stadt „gelockt“.

Witzig ist auch die Aussage von der diplomierten Architektin, die unseren Schulkindern etwas Gutes tun möchte und einen sicheren Schulweg bieten möchte. Wie kommt jemand – der im Großraum Hockenheim wohnt – darauf, daß hier täglich Massen von Schulkindern über die Wiese laufen?
Und auch ihr Argument, daß sich die Stadt in Corona-Zeiten Gewerbesteuern entgehen läßt, ist auch etwas kurzgesprungen. Weil: Gewerbesteuern fliessen erst, wenn auch ein Gewerbe vorhanden ist. Und bis das kommt, ist selbst Corona vergessen!

Die Kosten, die der Investor für den notwendigen Ausbau der Kreuzung übernimmt, sind wahrscheinlich ein Bruchteil von den Kosten, die notwendig sind, das Grundstück so anzupassen, daß auch ein Autohof „gerade“ steht und nicht – so wie jetzt – „nach hinten abfällt“. Wer übernimmt den die Kosten dafür? Der Tankstellen- oder Fastfoodpächter? Oder die Stadt (und somit die Bürger der Stadt)?
Auch schön, daß der Investor ein Umweltgutachten in Auftrag gegeben hat, das ihm bescheinigt, daß keine Umweltbeeinträchtigungen zu erwarten sind. Aber wieso wundert das nicht, wenn einem, der das Gutachten bezahlt, auch alles prima bestätigt wird? Objektivität sieht anders aus! Mich würde es interessieren, wie so ein Gutachten ausfällt, wenn ein Umweltverband dergleichen bezahlen würde.

30.06.2020