Das Auto stehen lassen und CO2 einsparen. Lärm vermeiden und sich an der frischen Luft fit halten. Möglichst viele Kilometer mit dem Rad zurücklegen – beruflich oder privat. Darum geht es bei der internationalen Kampagne Stadtradeln, die 2007 vom Netzwerk Klima-Bündnis ins Leben gerufen wurde und an der sich nun zum ersten Mal auch Sulzbach-Rosenberg beteiligt.
Das Stadtradeln richtet sich an alle Kommunen, ihre Einwohner und die Mitglieder der Kommunalvertretungen (z.B. Stadtrat) und findet an 21 aufeinanderfolgenden Tagen in dem Zeitraum zwischen 1. Mai und 30. September statt. Wann es genau losgeht, entscheidet jede Kommune für sich selbst. Sulzbach-Rosenberg hat sich auf die drei Wochen vom 16. Mai bis 5. Juni festgelegt.
Die Kampagne hat eine übersichtliche Internetseite (www.stadtradeln.de), auf der alle Infos, Regeln und Tipps zusammengefasst sind. Mitmachen kann jeder, der ein Rad besitzt und einem Stadtradeln-Team angehört. Unter stadtradeln.de/registrieren kann man sich einen Namen einfallen lassen und ein eigenes Team gründen (zwei Leute reichen schon) oder einem beitreten.
Alleine oder in der Gruppe
Wer in einem Team ist, kann entweder alleine fahren oder in der Gruppe. Die gefahrenen Kilometer werden mit der kostenlosen Stadtradeln-App dokumentiert oder ins Online-Kilometerbuch eingetragen. Wo gefahren wird, ist egal. Hauptsache, man schwingt sich aufs Rad – am allerbesten, wenn es für Fahrten ist, die sonst mit dem Auto zurückgelegt worden wären. Als Fahrt zählt fast alles: Die Strecke zur Arbeit, zum Einkaufen, ein Ausflug ins Grüne.
Wer auf der Stadtradeln-Homepage nach Sulzbach-Rosenberg sucht, findet eine eigene Seite nur mit lokalen Infos. Zum Beispiel die Anzahl der zurückgelegten Kilometer und Fahrten oder wie viele Tonnen Kohlendioxid die Sulzbach-Rosenberger durch das Radfahren eingespart haben. Und, dass sich in der Stadt schon 93 Radelnde in 27 Teams registriert haben. Natürlich ist auch im Rathaus die Hoffnung groß, dass noch viele weitere hinzukommen. Schließlich sind bis zum Start am 16. Mai noch vier Wochen Zeit.
Bürgermeister Stefan Frank dazu: "Wir wollen das Radfahren mehr ins Bewusstsein der Menschen bringen." Gefragt nach einer Wunschzahl sagt er: "1000 Teilnehmer für Sulzbach-Rosenberg würden mir schon gut gefallen. Jeder Einzelne ist ein Erfolg."
E-Bike verhindert Schwitzen
Das Stadtoberhaupt will mit gutem Beispiel vorangehen. "Ich habe mir selbst auch fest vorgenommen, in der Zeit mehr aufs Rad zu steigen." Bislang tue er das hauptsächlich in der Freizeit, vielleicht klappt es für das Stadtradeln auch im Job. "Es ist immer ungünstig, wenn man als Bürgermeister verschwitzt bei einem Termin ankommt. Aber dank E-Bike ist das ja nicht mehr ganz so schlimm", sagt er und lacht.
Das Stadtradeln ist ein Wettbewerb. Im Team untereinander, aber auch die Teams gegenseitig sollen sich anstacheln und motivieren noch mehr Kilometer zu sammeln. Der Organisator, das "Klima Bündnis Services", zeichnet am Schluss in unterschiedlichen Kategorien die Kommunen mit den meisten Radkilometern aus. Auch in Sulzbach-Rosenberg gibt es eine Auszeichnung für die aktivsten Radler. "Wir werden die drei besten Teams ins Rathaus holen und Preise verteilen", kündigt der Bürgermeister an. Dennoch sei das nur ein Nebenaspekt, denn: "Die Teilnahme an sich steht im Vordergrund."
7.700 Kilometer pro Jahr
Die Teams in Sulzbach-Rosenberg haben Namen wie "Schönwetterradler", "Rentnertreff", "Schlacken e.V.", "SURO2030", "Herzog-Christian-August-Gymnasium" oder "Bergstadtbote". Letzteres hat Franz Beyerlein gegründet, Mitglied im Seniorenbeirat der Stadt und passionierter Radfahrer, der alleine vergangenes Jahr mit dem E-Bike 7.700 Kilometer zurückgelegt hat.
Der 81-Jährige ist jetzt "Team-Captain" und wirbt um möglichst viele Interessierte, die in sein bislang fünfköpfiges Team kommen sollen: "Ich habe meine ganzen Radfreunde per Mail eingeladen. Und ich werde auch beim Siedlerbund Feuerhof Werbung machen."
Beyerlein arbeitet jedes Jahr Routenvorschläge für Radtouren aus, veröffentlicht diese im Bergstadtboten und führt die Touren an. "Es geht immer an der Nepomuk-Statue hinter der Feuerwehr los, es sind meistens 30 bis 50 Kilometer Richtung Hirschau, ins Birgland, zur Vilsquelle oder woanders hin." Während der 21 tägigen Stadtradeln-Phase will er sechs bis sieben Touren machen, um so möglichst viele Kilometer zu sammeln. Seine Teammitglieder – man muss nicht geschlossen unterwegs sein, sondern kann auch alleine fahren – ruft er dazu auf, auch möglichst viel zu strampeln.
Auto- und Radfahrer als "Partner"
In der Stadt sieht er beim Radverkehr übrigens noch viel Luft nach oben. Vor allem die Meisterkreuzung bezeichnet er als Problem: "Wir bräuchten dort eine grüne Welle für Radfahrer und eine größere Verkehrsinsel in der Kreuzungsmitte. Und entlang der Hauptstraße nach Rosenberg runter gibt es so viele querende Einfahrten, das ist für Radler sehr gefährlich. Bei der Shell-Tankstelle hat mich schon mal ein Autofahrer umgefahren."
Schimpfen will Beyerlein aber nicht. Ihm ist es wichtig, dass beide Seiten füreinander Verständnis haben. "Rad- und Autofahrer müssen sich gegenseitig mehr als Partner sehen. Jeder, der mit dem Rad in die Innenstadt fährt, spart zum Beispiel einen Parkplatz für Autofahrer. Autofahrer sollten sich also mehr über Radfahrer freuen."
Infos zu Routen und dem Klima-Bündnis
- Routen: Rund um Sulzbach-Rosenberg gibt es unzählige Möglichkeiten für Radausflüge mit ausgeschilderten Routen wie z.B. die Bayerische Eisenstraße, Paneuropa-Radweg, Fünf-Flüsse-Radweg, Simultankirchen-Radweg. Speziell für das Stadtradeln entwickelte/ausgeschilderte Routen gibt es nicht.
- Klima-Bündnis: 1990 gegründet, Netzwerk von Städten, Gemeinden, Landkreisen in über 25 Ländern weltweit, die den CO2-Ausstoß reduzieren, das Klima schützen wollen und sich auch für den Amazonas-Regenwald einsetzen und dort mit indigenen Völkern zusammenarbeiten
- Klimabündnis Services: Ergänzung des Städtenetzwerkes Klima-Bündnis, bündelt Beratungsangebote, Dienstleistungen und Klimaschutzkampagnen wie das Stadtradeln.
























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