14.06.2021 - 17:22 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Wann kommt der Hochwasserschutz für Großalbershof?

Schutz vor Überschwemmungen ihres Dorfes ist den Großalbershofern eine Herzensanliegen. Aber viele Bürger fragen sich dort, wann die Stadt Sulzbach-Rosenberg endlich das Hochwasserschutzkonzept umsetzt?

Überschwemmung in Großalbershof im unteren Dorf am 6. Juni.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Die Einwohner des Sulzbach-Rosenberger Stadtteils Großalbershof wollen nicht länger auf den Hochwasserschutz für ihr Dorf warten. Die letzten Starkregenfälle haben für sie buchstäblich das Fass zum überlaufen gebracht. Wie Vertreter der Dorfgemeinschaft berichten, entstünden durch die Wassermassen immer wieder enorme Schäden bei einem knappen Dutzend Haushalten. Schnell könnten da Tausende Euro zusammenkommen, meint Sprecher Norbert Ertl.

Für die Großalbershofer ist längst die Stadt am Zug, eine erste Vorstellung des Konzeptes zum Hochwasserschutz für Großalbershof im Stadtrat datiert aus dem Jahr 2008. Die Umsetzung ließ aber auf sich warten. Im Jahr 2011 brachen gewaltige Wassermassen über den Stadtteil herein und verursachte enorme Schäden – bei der Umsetzung des Konzeptes herrschte weitgehend Stillstand.

Enorme Schäden

Erst 2016, nachdem Bürger aus Großalbershof immer wieder nachhakten und bei allen Stadtratsfraktionen die Dringlichkeit dieses Schutzprojektes anmahnten, kam wieder mehr Bewegung in die Thematik. Öffentliche Vorstellungen des Hochwasserschutzkonzeptes gab es dann im August 2016 und nochmals im Juni 2019 mit den Betroffenen sowie im November im Bauausschuss.

Was sich dann am Sonntag, 6. Juni, dieses Jahres nach starken Regenfällen in Großalbershof ereignete, kam den dortigen Bürgern dann wie das berühmte „Jahrhundert-Hochwasser“ vor. „Bei uns stand das Wasser 1,70 Meter hoch im Keller, zwei Fenster sind gebrochen, es ist alles verdreckt und verschmutzt und das Mauerwerk ist durchnässt“, schildert Brigitte Werner ihre Schäden gegenüber Oberpfalz-Medien. Auch sie will nicht länger vertröstet werden. Sie fordert die umgehende Umsetzung von Schutzmaßnahmen und verweist auf die immensen nervlichen Belastungen.

Über zwei kaputte Autos klagt Helga Pilhofer, deren Grundstück ebenfalls Anfang Juni völlig überflutet wurde. „Das Wasser lief bei uns auch in den Hühnerstall, wo eine Henne verendete, und in die Holzlege. Auch der Keller lief wieder. Alles war wieder voller Schlamm, der mit viel Aufwand beseitigt werden muss“, so die Betroffene. Sie schlägt eine kurzfristige Aufschüttung im Nordwesten vor, um schnellstens gewappnet zu sein.

Damm soll helfen

Sabine Falk, wie ihre Mutter Mariele Köper selbst Leidtragende, wünscht sich nun eine schnelle Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Hier sieht sie vor allem Kommunalpolitik und Stadtverwaltung in der Pflicht. Ein besonderes Anliegen war ihr zudem, den vielen Helfern auch im Namen der gesamten Dorfgemeinschaft für die unkomplizierte Unterstützung am Katastrophentag zu danken. Sie pumpten Keller aus, legten Heizungen still, überbrückten Elektroverteilungen und halfen bei der Reinigung mit. Wie Norbert Ertl beim Gespräch anführt, bittet die Dorfgemeinschaft die Stadt erneut, dass endlich erste Hochwasserschutzmaßnahmen getroffen werden. „Von besonderer Bedeutung wäre unserer Auffassung nach ein erster Wasserrückhaltedamm bereits vor den ersten Gebäuden am westlichen Ortsrand. In früheren Jahren, bevor diese Flächen vom Bund Naturschutz erworben wurden, bestanden dort Weiherflächen. Hier könnten einfach höhere Dämme wiederhergestellt werden und damit bereits eine Problemlösung“, gibt Ertl die Meinung der Betroffenen wieder, die auch weitergehende Maßnahmen fordern, damit beim nächsten Starkregen das Wasser abfließen kann.

Einen Tag nachdem in Großalbershof das Unwetter Grundstücke, Garagen und Keller überflutet hatte, machte sich Erster Bürgermeister Michael Göth und Bauhofleiter Erwin Thurner ein Bild vom Ausmaß der Schäden und hörten sich die Wünsche der Großalbershofer an, die nach Auskünften von Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn auch ernst genommen werden. Wie auf Nachfrage zu erfahren war, stehe das mehrfach vorgestellte Hochwasserschutzkonzept, das im wesentlichen ein Hochwasserrückhaltebecken nordwestlich des Ortsrandes mit einem Volumen von rund 10000 Kubikmetern sowie von einem neuen „Bypass-Kanal“ geprägt werde. Letzterer soll das Wasser aus dem nordwestlichen Hanggebiet und die gesamte Bahndamm-Entwässerung bündeln, unter dem Bahndamm hindurchführen und in einer neuen 150 Meter langen 800er-Leitung östlich der Bahnlinie in das Bachsystem nach Iber abgeleitet werden.

Erfolgreiche Verhandlungen

Nach Angaben von Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn und Hans-Jürgen Strehl, Leiter des Liegenschaftsreferats, seien nun als Voraussetzung für die Realisierung des Schutzkonzeptes die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn erfolgreich abgeschlossen worden. „Solche Gespräche können sich mitunter auch schon mal über Jahre hinziehen“, weiß die Leiterin des Baureferats. Nachdem aber nun auch die Beratungen mit der Dorfgemeinschaft bei Bürgergesprächen und den betroffenen Grundstückeigentümern für notwendige Verkäufe unter Dach und Fach seien, könne jetzt endgültig das Planfeststellungverfahren für die baulichen Maßnahmen zum neuen Hochwasserschutzkonzept über das Landratsamt anlaufen.

Bürgermeister Michael Göth will nun die Stadtratsfraktionen über die aktuelle Entwicklung und Dringlichkeit informieren. Schließlich müssten bei entsprechender Förderung Mittel für das etwa 1,3 Millionen Euro kostende Vorhaben in den Haushalt eingestellt werden. Sollten sich keine unerwarteten Hürden auftun, könnte sich Stadtbaumeisterin einen Startschuss für das Hochwasserkonzept im Jahr 2022 vorstellen.

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Hintergrund:

Hochwasserschutzkonzept für Großalbershof

  • Erste Vorstellung des Schutzkonzepts im Jahr 2008
  • Jahrhundert-Hochwasser in Großalbershof im Jahr 2011
  • 2016 Erneute Präsentation des Konzeptes im Stadtrat
  • Aktualisierung des Schutzkonzeptes im Jahr 2019
Das gesamte untere Dorf wurde am 6. Juni in Großalbershof überschwemmt.
Ein großer See nach der Überschwemmung Anfang Juni in Großalbershof.

„Bei uns stand das Wasser 1,70 Meter hoch im Keller, zwei Fenster sind gebrochen, es ist alles verdreckt und verschmutzt und das Mauerwerk ist durchnässt.“

Brigitte Werner aus Großalbershof

 

 

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