31.01.2021 - 11:22 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Lions-Club Sulzbach-Rosenberg kürt „Corona-Helden“

Im Pflegedienst, im Krankenhaus, im Altenheim: Täglich kämpfen Menschen in sozialen Berufen um die Gesundheit ihrer Mitbürger – und riskieren dabei selbst eine Corona-Infektion. Überfällig, diese „Helden“ zu würdigen, findet der Lions-Club.

Die Mitarbeiter der Ökumenischen Sozialstation in Sulzbach-Rosenberg sind täglich als Pfleger bei den Senioren im Einsatz - und riskieren dabei in der Coronakrise auch ihre eigene Gesundheit. Für den Lions-Club sind sie deshalb Helden.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Schwache, Benachteiligte, Bedürftige - unter dem Motto "We serve" hilft der Lions-Club Menschen, die auf der Schattenseite unserer Gesellschaft stehen. "In der Coronapandemie gilt dies umso mehr", findet Klaus Gebel gegenüber Oberpfalz-Medien. Als Vorsitzender des Lions-Hilfswerks Sulzbach-Rosenberg hat der Psychiater und Neurologe gemeinsam mit Petra Schöllhorn und Jürgen Schleicher deshalb ein Projekt gestartet: Menschen in sozialen Berufen, die sich in der Pandemie tagtäglich für ihre Mitbürger einsetzen und dabei teilweise auch ihre eigene körperliche oder seelische Gesundheit gefährden, sollen öffentlich mehr gewürdigt werden.

Wie hoch das Risiko im Umgang mit dem Virus ist, weiß Gebel aus eigener Erfahrung: "Ich bin seit 40 Jahren Arzt, aber eine so hohe Infektiosität wie bei Corona habe ich bei uns noch nie erlebt - die Influenza ist nichts dagegen." Der 63-Jährige arbeitet täglich im Sulzbach-Rosenberger St.-Anna-Krankenhaus. Die Leistungen des Personals könnten nicht überschätzt werden. "Ich habe in der ersten Welle selbst gesehen, wie angespannt die Situation war. Es geht nicht nur um die Anzahl der Betten. Das größte Problem war, dass das Personal knapp wurde." Wenn die Mitarbeiter selbst krank werden und in manchen Fällen unter Spätfolgen leiden, habe dies Auswirkungen auf die Versorgung.

Egal ob Betreuer in Altenheimen, Pfleger bei ambulanten Diensten, Praxis-Angestellte oder Mitarbeiter im Krankenhaus – die Menschen im Gesundheitswesen sollen mehr Anerkennung erhalten. "Diese Leute versorgen uns und setzen sich dabei täglich einem enormen Risiko aus. Trotzdem werden sie nur stiefmütterlich behandelt", kritisiert Gebel. "Wenn VW hustet, gibt es sofort Milliarden-Zuschüsse, aber das Gesundheitspersonal wird immer nur abgespeist und noch dazu schlecht entlohnt."

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Sulzbach-Rosenberg

Öffentlichkeit sensibilisieren

Der Lions-Club will an dieser Situation etwas verändern und Menschen, die im sozialen Sektor arbeiten, mehr Wertschätzung zukommen lassen. In Kooperation mit Oberpfalz-Medien startet die Vereinigung deshalb eine Zeitungsserie, bei der in losen Abständen Menschen aus dem sozialen Sektor vorgestellt und auf ihre täglichen Herausforderungen, Gefahren und Ängste aufmerksam gemacht werden soll.

Mitarbeiter ausgewählter sozialer Einrichtungen in Sulzbach-Rosenberg (siehe Infokasten) werden in Einzelinterviews von ihrem Arbeitsalltag in der Pandemie berichten. Sorgen und Nöte, von denen Außenstehende wenig wissen (wollen), Stress, veränderte Arbeitsbedingungen und Wünsche – davon sollen die Betroffenen erzählen. "Wir wollen dadurch die Öffentlichkeit für die Belastungen von Pflegern und Medizinern sensibilisieren und den Menschen Rückhalt geben", sagt Gebel.

"Auch wenn es hochgegriffen ist: Für uns sind diese Leute Corona-Helden. Wir wollen sie aktiv unterstützen und ihnen etwas Gutes tun." Nötig sei dies überhaupt, weil der Gesundheitsbereich politisch vernachlässigt werde. "Der soziale Sektor hat keine Lobby. Meines Erachtens werden diese Leute öffentlich zu wenig berücksichtigt. Wenn wir darüber berichten, sieht auch die Politik, dass viele hinter dem Personal im Gesundheitsbereich stehen und es verändert sich vielleicht etwas", beschreibt der Mediziner den Hintergrund der Aktion.

Den Anstoß zur Corona-Helden-Serie hat Petra Schöllhorn gegeben. Die Schriftführerin im Lions-Hilfswerk organisierte in den vergangenen Jahren die Krapfen-Aktion an Fasching. Dabei kaufen örtliche Firmen das süße Hefegebäck und spendieren es Seniorenheimen oder dem Krankenhaus. Weil aber fröhliche Faschingsfeiern in Pandemiezeiten weder möglich noch angebracht sind, soll nun "Helden" der nötige Respekt für ihre wichtige Aufgabe gezollt werden.

"Die Leute im Gesundheitsbereich setzen sich täglich für uns einem enormen Risiko aus und werden trotzdem stiefmütterlich behandelt."

Dr. Klaus Gebel

Dr. Klaus Gebel

Geld-Spenden nicht möglich

Das Lions-Team geht auf die sozialen Einrichtungen zu. Diese wählen besonders verdiente oder stark betroffene Mitarbeiter aus, welche dann wiederum über die Zeitung der Öffentlichkeit von den Bedingungen hier vor Ort in Sulzbach-Rosenberg berichten. "Wichtig ist uns, dass nicht die Einrichtungsleiter aus der Chef-Perspektive erzählen, sondern die normalen Mitarbeiter selbst", erklärt Petra Schöllhorn. Nach welchen Kriterien ausgewählt wurde, ergänzt Gebel: "Das sind Institutionen, die stellvertretend für alle stehen, die in der Krise schwer beansprucht werden und an vorderster Front gegen das Virus kämpfen."

Doch warum spendet der Lions-Club den Betroffenen nicht einfach Geld? Wäre ihnen damit nicht mehr geholfen, als mit öffentlichen Dankesreden, von denen sich niemand etwas kaufen kann? Dies sei im Club natürlich besprochen worden, sagt Gebel, doch aus rechtlichen Gründen leider nicht möglich. "Ursprünglich wollten wir unsere Anerkennung in Form eines Schecks oder Tankgutscheins zum Ausdruck bringen. Doch wir würden als Verein unsere Gemeinnützigkeit verlieren." Das Lions-Hilfswerk kümmert sich für den Lions Club um die Finanzverwaltung und die Verteilung der Spendengelder. Finanzielle Zuwendungen an einzelne Privatpersonen seien nicht möglich, die rechtlichen Vorgaben für einen gemeinnützigen Verein seien hier eindeutig, erklärt der Vorsitzende.

Sommerfest als Dankeschön

Doch bei den Zeitungsinterviews allein wollte es der Lions-Club dann doch nicht belassen und hat sich laut Gebel eine Dankesfeier einfallen lassen, bei der nicht Geld, sondern das Zwischenmenschliche im Vordergrund stehen soll: "Wenn die Pandemie vorbei ist, wollen wir ein großes Sommerfest veranstalten, zu dem wir alle an der Aktion beteiligten einladen und ihnen aufrichtig Danke sagen."

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Hintergrund:

Ausgewählte soziale Einrichtungen mit "Corona-Helden"

  • Caritas Haus St. Barbara (Alten- und Pflegeheim)
  • Krankenhaus St. Anna, besonders die Notaufnahme
  • Ökumenische Sozialstation (Amublanter Pflegedienst)
  • Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantationen (KfH-Dialysezentrum)
  • Diakonisches Werk (Evang.-Luth. Dekanat)

 

 

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