14.05.2021 - 18:19 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Luftsportgruppe Sulzbach-Rosenberg wird 70 Jahre alt

Natürlich würden die Mitglieder der Luftsportgruppe zum 70-jährigen Bestehen des Vereins gerne ein großes Fest feiern. Geht aber nun mal nicht. Doch sie versprechen: Wenn die Feier wieder möglich ist, dann gibt es einige Überraschungen.

von Heidi FranitzaProfil

Es war genau vor 70 Jahren, am 16. Mai 1951. Dicht gedrängt saßen 74 Luftsportbegeisterte aus Sulzbach-Rosenberg, vornehmlich Jugendliche und ehemalige Segel- und Motorflieger, in der Gaststätte Bastei. Sepp Wensauer hatte mit einem Ausschuss die Gründung der Luftsportgruppe in die Wege geleitet.

Zur Begrüßung hob er hervor, dass keiner für den nächsten Sommer schon den ersten Flug zu erwarten habe. Im Gegenteil, es werde viel Arbeit und Opfer kosten, bis man wieder einmal vom Boden frei sei und fliegen könne. Trotz dieser ernsten Ermahnung trugen sich 63 Personen in die Mitgliederliste ein. Zum Vorsitzenden wurde Schorsch Kohler gewählt, sein Stellvertreter wurde Paul Strobel.

1953 erster Flugtag

Knapp ein Jahr lang widmete man sich dem Bau von Modellen. Aber im April 1952 wurde bereits damit begonnen, aus einem Bausatz einen flugfertigen Doppelraab als Schulungsflugzeug aufzubauen. Über ein Jahr wurde daran gearbeitet. Im September 1953 schwebte Wolfgang Biesen mit dem Doppelraab zum ersten Mal durch die Lüfte. Ende September lud die Luftsportgruppe zum ersten Flugtag ein.

Zum Start des Segelflugzeugs wurde immer eine Winde benötigt. Bis 1955 wurden die Starts an unterschiedlichen Plätzen vollzogen. Im Juli 1955 wurde beim bayerischen Wirtschaftsministerium für das Segelfluggelände in Fichtelbrunn eine Zulassung beantragt. Bis heute ist Fichtelbrunn die Heimat der Luftsportgruppe geblieben. 1958 wurde mit dem Grunau Baby II ein weiterer Segler angeschafft. 1961 wurde mit dem Bau der ersten Halle in Fichtelbrunn die Grundlage für das jährliche Hallenfest gelegt.

Die Saison 1964 begann für den neuen Doppelsitzer „Ka4 Rhönlerche II" am 15. Mai vor dem Rathaus mit der offiziellen Taufe durch den Arbeitsdirektor der Maxhütte, Schmidt. Mit 800 Starts wurde der neue Doppelsitzer zum meist genutzten Flugzeug der Luftsportgruppe des Jahres 1964.

Name des ersten Motorseglers: "Hosen Hiltl"

Hans Ostermann, der 1956 seinen Flugschein machte, erinnert sich noch genau an die 60er und 70er Jahre. „Auch die Luftsportgruppe profitierte vom Wirtschaftswunder. Neue Flugzeuge wurden gekauft. Bereits 1961 bauten wir in Eigenleistung die erste Flugzeughalle in Fichtelbrunn. Im August 1973 kam der erste Motorsegler nach Fichtelbrunn. Er wurde auf den Namen Hosen Hiltl getauft.“

1980 war kein gutes Jahr für die Flugsportbegeisterten. Im Rahmen der Flurbereinigung wurde der Flughafen aufgelöst. Die Hallenfeste fanden ohne Flugbetrieb, jedoch mit Unterstützung der Modellflug-Piloten statt.

Erst 1988 sollte sich das Blatt wieder wenden. Mit immenser Eigenleistung entstand der jetzige Flugplatz. Nach dreijähriger Bauzeit wurde die 500 Meter lange und 30 Meter breite Start- und Landebahn vom Luftamt zur Erprobung freigegeben. Auf dieser Start- und Landebahn war es nicht mehr möglich, die Segelflugzeuge mit einer Seilwinde auf Höhe zu bringen. Deshalb wurde entschieden, den Segelflug einzustellen und nur noch mit Motorseglern zu fliegen. Die endgültige Betriebsgenehmigung wurde nach einer dreijährigen Erprobungszeit vom Luftamt Nordbayern erteilt. Nun war es auch wieder möglich, Flugschüler auszubilden.

2002 Neubau der Flugzeughalle

Schon lange war die ursprüngliche Flugzeughalle zu eng geworden, und so entstand im Jahr 2002 ein großer Neubau. 2008 wurde die Landebahn auf eine Breite von sechs Metern geteert. So konnte die Flugsaison eher aufgenommen werden. Die ursprüngliche reine Grasbahn war im Frühjahr oft noch durchweicht und Starts und Landungen noch nicht möglich. Im Frühjahr wurde mit einer TL-96 Star ein zweites Ultraleicht-Flugzeug für den Verein angeschafft.

In den Jahren 2015 und 2016 entstand eine dritte Flugzeughalle. Und 2019 wurde mit einer VL3 Evolution ein modernes Ultraleichtflugzeug angeschafft. Die im Vereinsjargon nur als „Alpha-Alpha“ betitelte Maschine erreicht die beachtliche Reisegeschwindigkeit von rund 300 km/h.

Es waren begeisterte Flugsportler, die in der Funktion als Vorsitzender den Verein in all den Jahren durch alle Höhen und Tiefen geführt haben: Schorsch Kohler, Paul Strobel, Wolfgang Biesen, Karl Rößner, Herbert Lausch, Hans Kiesel und Alois Gräml. Aktuell hat Gerhard Pirner als Vereinsvorsitzender alle Fäden in der Hand.

Für Zukunft zuversichtlich

Den aktuellen Vereinsstatus fasst er so zusammen: „Bei uns fliegen derzeit zwei Motorsegler, zwei Segelflugzeuge und zwei Ultraleichtflugzeuge. Außerdem sind noch ein Motorsegler, zwei Segelflugzeuge sowie drei Ultraleichtflugzeuge von Vereinsmitgliedern privat untergestellt. Die Luftsportgruppe hat 33 Mitglieder bzw. Piloten und die, die es werden wollen. Die 2020 gegründete Modellfluggruppe besteht aus sechs Mitgliedern. Einige Fördermitglieder unterstützen den Verein. Die Ausbildung von Nachwuchspiloten nimmt derzeit Fahrt auf. So blicken wir doch recht zuversichtlich in die Zukunft.“

„Ob und wie wir unser Jubiläum feiern werden, steht im Moment noch nicht fest“, sagte Peter Ostermann, der Pressereferent und Jugendleiter der Flugsportgruppe. „Aber egal ob dieses oder nächstes Jahr, es wird ein Fest mit einigen Überraschungen werden, soviel ist versprochen.“

2019 konnte sich die Luftsportgruppe noch beim Fliegerfest in Fichtelbrunn präsentieren

Sulzbach-Rosenberg

Im August 1973 kam der erste Motorsegler nach Fichtelbrunn. Er wurde auf den Namen Hosen Hiltl getauft.

Hans Ostermann

 

 

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