24.03.2020 - 10:49 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neu im Kreistag: Funda Toy im Interview

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Funda Toy zieht über die Linken-Liste in den Kreistag ein. Aber eigentlich ist sie Mitglied der Satire-Partei Die PARTEI. Die Sulzbach-Rosenbergerin versucht den Spagat zwischen Realpolitik und Satire. Ein Interview.

Funda Toy warb im Vorfeld der Kommunalwahl mit diesem etwas provokativen. Das kam an. Auf Anhieb schaffte sie es in den Kreistag.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Bei dem Plakat mussten viele im Vorfeld der Kommunalwahl 2020 wohl zweimal hinsehen. Unter dem Konterfei der attraktiven 28-jährigen Funda Toy aus Sulzbach-Rosenberg stand doch tatsächlich „Nahverkehr? Du willst es doch auch.“ Was provokativ, zweideutig und etwas anzüglich klang, sollte wohl auch so verstanden werden. Denn die Sulzbach-Rosenbergerin ist Mitglied in Die PARTEI, die für ihre satirischen Ansätze bekannt ist. Dass sie aber für durchaus ernsthafte Politik steht, machte sie in einem Interview mit unserer Zeitung klar. Außerdem positioniert sie sich gegen Rechts sowie Massentierhaltung – und klärt auf, ob Funda Toy nun ihr richtiger oder ihr Künstlername ist.

ONETZ: Sie müssen uns aufklären: Sie sind in den Kreistag über die Liste der Linke eingezogen, wollen aber einen Kreisverband Die PARTEI gründen. Wie geht das zusammen?

Funda Toy: Ich bin über die Linken-Liste gewählt worden und bin auch für die Linke vertreten. Ich persönlich bin aber bei der Partei Die PARTEI. Es ist so, dass wir gemeinsam angetreten sind. Wir begegnen uns auf Augenhöhe. Ich trete quasi für beide Interessen ein.

ONETZ: Wie ist das vereinbar?

Funda Toy: Da wird es noch Gespräche geben. Das ist alles noch am Laufen, auch wenn es gerade wegen der Coronakrise schwierig ist. Aber der Landesvorsitzende der Linken, Max Steininger, und der Landesgeschäftsführer von Die PARTEI, Max Hartl, haben Kontakt miteinander. Ich denke, es wird auf eine Telefonkonferenz hinauslaufen.

ONETZ: Auch wenn die Europaabgeordneten Martin Sonneborn und Nico Semsrott einige kennen dürften: Die PARTEI ist bisher in unserer Region eher weniger in Erscheinung getreten. Warum haben Sie sich gerade dieser Partei angeschlossen?

Funda Toy: Wie Sie schon sagen: Noch nicht in Erscheinung getreten. Das wird jetzt nach und nach kommen. Ich bin in der Partei Die PARTEI Mitglied und bin auch überzeugt von ihr. Es ist so, wie es mal Nico Semsrott gesagt hat: Wenn Politiker Satire machen, dann müssen Satiriker Politik machen.

ONETZ: Sind denn satirische Aktionen im Landkreis geplant?

Funda Toy: Momentan nicht. Aber was bedeutet Satire in der Politik für uns? Für mich ist es ja nicht so, dass wir nur Spaß und Sarkasmus herausheben. Wir nehmen ernste Themen und verpacken sie anders - in Sarkasmus. Das ist einfach nur unser Sprachrohr. Bei vielen kommt das sehr gut an. Gerade bei den jungen Menschen, die sich durch solche Parteien mehr für Politik interessieren.

ONETZ: In Zeiten von Corona stellt sich die Frage: Wie witzig und satirisch darf Politik überhaupt noch sein?

Funda Toy: Es ist so: Es ist eine ernst zunehmende Krise. Ich bin auch vollkommen dafür, was Söder letzten Freitag gesagt hat. Aber trotzdem: Auch in solchen Zeiten sollte man das Lachen nicht verlernen und sich deshalb ab und zu mal ein Späßchen erlauben dürfen.

ONETZ: Was heißt das für Ihre politische Arbeit? Sie haben etwa auf Facebook geschrieben, dass Sie ihren Sitz im Sinne aller Menschen, die auf Sie gesetzt haben, vertreten wollen. Wie wollen Sie das konkret umsetzen?

Funda Toy: Die Leute haben uns wegen der Ziele, die wir haben und im Kreistag einbringen möchten, gewählt. Diese versuche ich natürlich mit aller Kraft umzusetzen.

Die Neuen im Kreistag Amberg-Sulzbach

Amberg

ONETZ: Welche Ziele sind das?

Funda Toy: Einmal der öffentliche Nahverkehr, der verstärkt werden und am besten kostenlos gemacht werden sollte. Gerade für Leute mit wenig Geld. Jung und Alt sollten davon profitieren. Vorbild sollte uns Luxemburg sein (als erstes Land hat Luxemburg den kostenlosen Nahverkehr eingeführt, Anm. d. Red.). Außerdem setze ich auf mehr Digitalisierung und den Ausbau des Freizeitangebotes – auch für Alt und Jung.

ONETZ: Klingt jetzt wenig satirisch, sondern durchaus nach ernsthafter Politik ...

Funda Toy: ... natürlich. Wie gesagt: Ich bin ja auch auf Augenhöhe mit der Linken und auch dankbar dafür. Ich denke, dass das eine ganz gute Konstellation ist – die Linke und Die PARTEI. Wobei ich sagen muss, dass es nicht außer Frage steht, dass ich eine Fraktion im Kreistag eingehen würde.

ONETZ: Mit wem?

Funda Toy: Es laufen die Sondierungsgespräche noch. Dazu möchte ich noch nicht zu viel sagen.

ONETZ: Sie wollen einen Kreisverband gründen. Wie soll das konkret ablaufen?

Funda Toy: Ich habe ja einen Aufruf gestartet – via Facebook und mit einer Rundmail an die PARTEI-Mitglieder. Die können sich alle bei uns melden, dann könnten wir einen Kreisverband Amberg-Sulzbach gründen. Einen Amberger Kreisverband gibt es schon. Der ist leider momentan nicht so aktiv. Aber ich würde mich auch noch an die Herrschaften wenden und dahingehend Gespräche führen.

ONETZ: Auch wenn Corona derzeit das allgemein dominierende Thema ist, lassen Sie uns über den Rechtsextremismus reden. Die PARTEI tritt immer wieder lautstark gegen rechts ein. Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung angesichts des Anschlags in Hanau, der noch nicht so lange zurückliegt, oder auch angesichts des Rechtsaußen-Flügels der AfD, über den aktuell berichtet wird?

Funda Toy: Es ist immer wieder wichtig, ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Das kann ernst gesetzt sein, das kann auch mit Sarkasmus gesetzt sein. Aber das Zeichen ist ziemlich klar: Rechte Hetze, egal ob im Internet oder auf der Straße, ist zu stoppen. Mit dem Anschlag in Hanau wurde nochmal eindeutig klar, dass wir in Deutschland noch immer ein rechtes Problem haben. Das geht jetzt leider unter durch die Coronakrise.

ONETZ: Wenn ich Ihren Facebook-Account verfolge, scheint außerdem das Thema Tierschutz eine große Bedeutung für Sie zu haben …

Funda Toy: … genau. Das T in der PARTEI steht ja für Tierschutz. Da setze ich mich auch dafür ein, es ist mir auch wichtig. Ein Slogan von der Partei Die PARTEI ist zum Beispiel: "Massenbierhaltung statt Massentierhaltung." Ich glaube das hört der Bayer gern.

ONETZ: Zum Schluss, eine Frage, die im Wahlkampf immer wieder aufgetaucht ist: Ohne das despektierlich zu meinen - ist Funda Toy Ihr richtiger oder Ihr Künstlername?

Funda Toy: Das ist mein richtiger Name, er steht so im Ausweis drin. Sie sind nicht der erste, der fragt. Ganz witzig: Martin Sonneborn hat auf Facebook gepostet, wer es in Bayern für Die PARTEI in die Gremien geschafft hat. Unter mir steht in dieser Liste Lisa Mc Queen, die künftig im Augsburger Stadtrat sitzt – auch das ist ihr echter Name.

Die PARTEI:

Die PARTEI steht für Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative. Sie ist 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic gegründet worden. 2014 zog der Bundesvorsitzender der PARTEI, Martin Sonneborn, in das Europaparlament ein. Fünf Jahre später kam ein zweiter Sitz bei der Europawahl hinzu. Das Mandat erhielt der Kabarettist, Satiriker und Poetry-Slamer Nico Semsrott. (doz)

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