02.09.2021 - 17:04 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Nikolaus Gradl will im Alleingang für den Wahlkreis Amberg in den Bundestag einziehen

Von Laternenmasten und Plakatwänden schauen sie auf die Passanten herab und werben für sich und ihre Partei: die Kandidaten, die in den nächsten Bundestag einziehen wollen. Einer macht es anders, unabhängig und direkt.

Zur Entspannung nimmt Nikolaus Gradl im Wahlkampfmobil ab und zu eine Prise Schnupftabak.
von Helga KammProfil

"Mein Name ist Gradl, nicht Biegerl. Das heißt, ich bin gradlinig, verbiege mich nicht", stellt sich Nikolaus Gradl vor. Wer ihn mit Vollbart und zünftiger Kleidung sieht, meint vielleicht, einen Förster vor sich zu haben. In seinen 64 Lebensjahren hat er schon in mehreren Berufen gearbeitet, jetzt ist er einziger unabhängiger Direktkandidat für die Bundestagswahl im Wahlkreis Amberg. Die Oberpfalz-Medien haben ihn auf einem Stopp in Sulzbach-Rosenberg getroffen.

"Sie finden mich ganz unten auf der Liste", schreibt er in seinem Flyer, den er verteilt. Dieses DIN-A 4-Blatt ist bisher seine einzige Wahlkampfhilfe. Von Plakaten, Inseraten oder Werbegeschenken hält er nicht viel.

Mit Wohnmobil, Smart und Hänger auf Achse

Was ihn besonders von anderen Wahlkämpfern unterscheidet, ist sein Fuhrpark: Ein geräumiges Wohnmobil mit der Aufschrift "Wahlkampfmobil Nikolaus Gradl", ein kleiner Smart und der Hänger, auf dem der Smart vom Wohnmobil gezogen wird. Die Fahrzeuge stehen meist auf großen Parkplätzen oder auch in Bauernhöfen. Mit dem Smart macht Gradl seine Touren, bevorzugt zu Einkaufszentren, wo er mit der Kundschaft ins Gespräch kommt. "Es ist höchste Zeit, endlich richtig zu handeln", beschwört er die Passanten und fordert "ehrliche, anständige, gemeinwohl-orientierte und von den etablierten Parteien unabhängige Abgeordnete". Denn die Mehrzahl, so sagt er, lasse keine Anzeichen von Ehrlichkeit, Ethik, Moral, Anstand oder verfassungsmäßigem Verhalten erkennen.

Als unabhängiger Direktkandidat ist der Beratzhausener nun seit Wochen unterwegs, um für sich und seine Vorstellungen zu werben. Er verteilt seine Flyer und hat – wie er sagt - großen Zuspruch bekommen. Er hat ausgerechnet, dass er 60 000 Stimmen für ein Mandat bräuchte, „vielleicht weniger, wenn es gutgeht“. Dass er das schafft, davon ist Nikolaus Gradl überzeugt. „Ich bin kein Querdenker“, betont er. "Einige der höchstumstrittenen Maßnahmen der Regierung darf man jedoch kritisch hinterfragen."

Kritik an etablierten Parteien

Für Gradl sind Nachrichten im Fernsehen und in der Presse zensiert. Er beklagt, dass es seit 20 Jahren kaum noch Menschenrechte gebe, dass Gesetze nicht mehr umgesetzt würden und dass unter dem Deckmantel einer epidemischen Lage persönliche Freiheits- und Bürgerrechte beschränkt worden seien wie nie zuvor. "Die Parteien haben hier eine rote Linie im Auftrag der Pharmalobby überschritten, die das größte Geschäft aller Zeiten wittert", behauptet er.

Nikolaus Gradl musste in seinem Leben schon viele schwere Schicksalsschläge einstecken. "Ich bin immer wieder aufgestanden und auch beruflich sehr erfolgreich gewesen." Er habe unmenschliche Dinge erlebt, erzählt er Oberpfalz-Medien, sei dabei aber selber Mensch geblieben. Selbst sein erfolgreiches spirituelles Heilen mit starker Energie und der Kraft der Gedanken sei nach öffentlichen Vortragsveranstaltungen durch bösartige Presseberichte sabotiert worden. Jetzt sei zwar seine Lebensaufgabe weitgehend abgeschlossen, aber "wenn es sein soll, habe ich die Energie und werde nochmals anpacken". Er habe die Kompetenz, in der Politik mitzuwirken, davon ist der unabhängige Direktkandidat überzeugt. "Ich heiße nicht umsonst Nikolaus, ich bin der, der den Menschen gute Gaben bringen kann", erklärt er selbstbewusst.

Alternativen, wenn es nicht klappt

Und wenn es nun nicht gelingen sollte mit dem Einzug in den Bundestag? Dann wird er mit seinem Wohnmobil reisen, sich wie bisher an der Natur erfreuen, trotz eines überstandenen schweren Unfalls begeistert Motorrad fahren und sich wieder intensiv mit alternativen Heilmethoden befassen.

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Nikolaus Gradl ist naturverbunden, wandert gern und bezeichnet sich als spirituellen Heiler.
Mit dem Smart macht Nikolaus Gradl seine Wahlkampf-Tagestouren.
Hintergrund:

Zur Person: Nikolaus Gradl

  • Aufgewachsen in der Gemeinde Velburg mit fünf Geschwistern auf einem Bauernhof
  • Ausbildung zum Industriekaufmann, anschließend Polizeidienst, schied aber nach zehn Jahren auf eigenen Wunsch wieder aus, "weil damals schon Menschenrechte von der Polizei nicht mehr umgesetzt wurden"
  • Generalvertreter bei einer Versicherung, selbständiger Immobilien- und Versicherungsmakler
  • Ausbildung zum Spirituellen Heiler und Heilpraktiker der Psychotherapie.

 

 

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