15.07.2021 - 12:53 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Pfarrer Saju Thomas von Herz Jesu Rosenberg seit 25 Jahren Priester

Das Jubiläum seiner Priesterweihe konnte der Rosenberger Pfarrer Saju Thomas nicht termingerecht feiern. Wenn es nun am 18. Juli nachgeholt wird, denkt er besonders an seine Familie in Indien, erzählt er im Interview.

Am Weihetag feiern mit dem Neupriester Saju Thomas (Mitte) seine Geschwister, Neffen und Nichten.
von Helga KammProfil

ONETZ: Herr Pfarrer, Sie feiern am Sonntag, 18.Juli, in Rosenberg ihr 25-jähriges Priesterjubiläum. Mit Verspätung und im kleineren Rahmen?



Saju Thomas: Meine Priesterweihe in der St. Mary's Church in Murickassery im Bezirk Idukki im südindischen Kerala war am 16. April 1996. Die 25-jährige Wiederkehr dieses Ereignisses zu feiern, war coronabedingt im April nicht möglich, also haben wir sie auf den 18. Juli verschoben. Vor unserer Pfarrkirche Herz Jesu werde ich abends um 18 Uhr in einem Festgottesdienst im Freien Danke sagen.

ONETZ: Ist auch eine weltliche Feier vorgesehen?

Saju Thomas: Nein, das ist corona-bedingt nicht möglich. Es dürfen etwa 150 Gläubige am Gottesdienst teilnehmen, natürlich der Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung, die Vereine und Verbände mit ihren Abordnungen.Dekan Dr. Christian Schulz wird predigen, der Kirchenchor Herz Jesu und der Spontanchor werden den musikalischen Teil gestalten, Der Landrat und der Bürgermeister haben Grußworte angekündigt, und als besondere Freude für mich: eine Reihe von Priestern wird mit mir feiern, darunter einige indische Mitbrüder.

ONETZ: Sie sind nun seit 15 Jahren hier Pfarrer in Rosenberg?

Saju Thomas: Ja, und das sehr gern. Mein erster Wirkungsort war von 1996 bis 2001 die Pfarrei Maria Dham in Kuwakhera in Nordindien. Die zweite Station war Wien, da habe ich an der Uni das zweite Magisterstudium in Religionswissenschaft absolviert und war zugleich Aushilfsseelsorger für die indische Gemeinde in Wien. Dann, 2006, kam ich als Pfarrer nach Rosenberg, zunächst nur als Vertretung, aber dann bat der Pfarrgemeinderat bei der Diözese darum, mich behalten zu dürfen.

ONETZ: Sie erinnern sich an den Tag Ihrer Priesterweihe?

Saju Thomas: Wer würde so etwas vergessen! Der Bischof kam in meine Heimatpfarrei, um mich im orientalischen Ritus zum Priester zu weihen, es war ein großes Ereignis. Ungefähr 2000 Menschen waren dabei, meine Familie und alle Mitglieder der Pfarrei. Rund 800 Leute wurden nach der Weihe bewirtet. Ich war der erste Priester aus der Heimatpfarrei und auch der erste in meiner Familie.



ONETZ: Was ist im orientalischen Ritus anders als im lateinischen?

Saju Thomas: Der Ritus stammt aus Syrien. Die Liturgie dauert ein wenig länger, und es wird nur gesungen, vom Priester und vom Volk. Der Altarraum ist mit einem Vorhang verhüllt, der Priester spricht teilweise im Verborgenen, Weihrauchduft erfüllt die Kirche, es werden alle Sinne angesprochen. Die einzelnen Teile meines sehr farbenfrohen Messgewandes wurden begleitet von Gebeten vor der Gemeinde angezogen. Der Bischof schnitt mir symbolisch ein paar Haare ab, das bedeutet: Du bist ausgewählt für Gott und sein Reich, gehörst nicht mehr zum Volk, sondern bist berufen für das Reich Gottes.

ONETZ: Und diese Berufung haben Sie schon sehr früh verspürt?

Saju Thomas: Bereits mit elf oder zwölf Jahren, als ich einem Missionar zuhörte, der von seiner Arbeit berichtete. Eine Herausforderung, die auch ich annehmen wollte. „Den Armen dienen“ wurde zum zentralen Thema meines Lebens. Mit vielen Projekten unterstütze ich heute Bedürftige in meinem Heimatland. Mit Hilfe zahlreicher Spender auch hier in Deutschland fördere ich die Ausbildung von Krankenschwestern und Sanitätern und organisiere Mahlzeiten für Slum-Kinder.

ONETZ: Sie mussten bei einem Heimaturlaub Anfang 2020 fünf Monate in Kerala verbringen, durften corona-bedingt nicht ausreisen. Wie ist die Situation heute in Indien?

Saju Thomas: Die Neuinfektionen sind deutlich gesunken, aber noch immer sterben viele Menschen, der totale Lockdown besteht weiterhin. Wir haben in Indien bisher mehr als 400 000 Corona-Tote, darunter fast 600 Priester, vier Bischöfe und über 500 Ordensschwestern. Es starben etwa 700 Ärzte, und noch immer infizieren sich 6000 Menschen innerhalb von 24 Stunden. Nach Mumbai wurde meine Heimat Kerala besonders von der Pandemie heimgesucht.

ONETZ: Ist Ihre Familie auch betroffen?

Saju Thomas: Wir haben zwei Tote zu beklagen. Meine Eltern sind bisher verschont geblieben, konnten aber mangels Serum nicht geimpft werden. Da Ein- und Ausreisen nach wie vor verboten sind, kann aus meiner Familie auch niemand zu meinem Priesterweihe-Jubiläum kommen.

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Bischof Dr. Mar George Punnakkottil aus der Diözese Kothamangalam in Kerala weiht Saju Thomas zum Priester.
Pfarrer Saju Thomas (links) mit seinen Eltern, Brüdern und weiteren Familienangehörigen in seinem Heimatort Murickassery im indischen Bundesstaat Kerala.
Hintergrund:

Pfarrer Saju Thomas

  • Geboren 1968 in der Gemeinde Murickassery im südindischen Bundesstaat Kerala
  • 1984 Eintritt ins Priesterseminar der Ordensgemeinschaft Indian Missionary Society
    (IMS)
  • 1996 Priesterweihe in der Heimatgemeinde
  • 1996 bis 2001 Priester in einer nordindischen Gemeinde
  • 2001 bis 2005 Studium und Aushilfsseelsorge in Wien
  • Seit 2006 Pfarrer der Pfarrei Herz Jesu in Rosenberg

„,Den Armen dienen‘ ist das zentrale Thema meines Lebens. Mit vielen Projekten unterstütze ich heute Bedürftige in meinem Heimatland."



Pfarrer Saju Thomas

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