11.01.2021 - 16:01 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Rekord bei Christbaumsammlung: Sulzbach-Rosenberger Pfadfinder profitieren von Corona

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Frost und Schnee, enge Gassen, versteckte Bäume: Neben strengen Corona-Auflagen hatten die St.-Georgs-Pfadfinder bei ihrer Christbaumsammlung mit zusätzlichen Hürden zu kämpfen. Doch dieses Mal hat sich die Mühe besonders gelohnt.

Ohne die geliehenen Fahrzeuge vom Bauunternehmen Gnan und Köper und der Spenglerei Häckl könnten die Pfadfinder ihre Sammlung nicht durchführen - hier beim Foto am verschneiten Annaberg-Parkplatz.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Rund um Heilig-Dreikönig ist es vorbei mit den Urlaubstagen, zumindest für die St.-Georgs-Pfadfinder (DPSG) in Sulzbach-Rosenberg. Wenn knapp zwei Wochen nach Weihnachten die Christbäume anfangen, die Wohnzimmerböden mit verdorrten Nadeln zu füllen, beginnt bei den Pfadfindern das Telefon zu klingeln. "Alte Christbäume abholen", lautet dann ihre Mission. Mit den 17- bis 21-Jährigen in der Roverstufe organisieren seit fünf Jahren die ältesten im Stamm die Baum-Aktion. Bei ihrer jüngsten Sammlung am Samstag hatten die jungen Erwachsenen nicht nur mit strengen Auflagen zu kämpfen, sondern auch mit dem Winter, Dieben und besonders vielen Aufträgen.

"Wir haben klein angefangen. 2017 sind es nur 46 Bäume gewesen", blickt Gruppenleiter Korbinian Wirth auf das erste Jahr der Sammlung im Stadtgebiet und den zugehörigen Eingemeindungen zurück. "Aber das hat sich rumgesprochen. Die Aufträge werden jährlich mehr." Mit über 120 Bäumen sind die Pfadfinder dieses Jahr förmlich ins Schwitzen gekommen. "Das ist ein neuer Rekord. Mehr als 100 Bäume hatten wir noch nie. Ich bin wirklich positiv überrascht", freut sich der 21-Jährige.

Auftragsflut wegen Pandemie

Die Auftragsflut erklärt sich Wirth vor allem mit der Pandemie. "Man merkt schon, dass die Leute versuchen, unnötige Kontakte möglichst zu vermeiden. Davon haben wir profitiert, weil wir die Bäume direkt von Zuhause abholen." Dies sei aus Gründen des Infektionsschutzes besonders sinnvoll gewesen, weil dadurch verhindert worden sei, dass Hunderte Haushalte ihren Baum selbst zum Wertstoffhof bringen und es dort zu einem Auflauf kommt.

Für die Sammlung mit den drei Pritschenwagen und acht ehrenamtlichen Helfern hatte das Landratsamt den Pfadfindern eine Ausnahmegenehmigung erteilt - mit strengen Auflagen. "Wir mussten permanent FFP-2-Masken tragen und es sollten Transporter mit Doppelkabine sein, damit drei Leute in ein Auto durften", erklärt Wirth. Die kurzen Fahrtstrecken in der Stadt seien für den Infektionsschutz vorteilhaft gewesen: "Wir fahren nur Stop-and-Go bis zum nächsten Haus. Man springt ständig raus, um die Bäume auf die Ladefläche zu werfen." Selbst bei Minusgraden seien die Fenster fast durchgehend zum Lüften offen gewesen. "Die Kälte hat uns gar nichts ausgemacht, im Gegenteil, bei der Arbeit kommt man schnell ins Schwitzen."

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Pritschen kommen ins Rutschen

Trotzdem läuft bei der Sammlung nicht immer alles reibungslos. In der Nacht zuvor hatte es geschneit, im Morgengrauen waren viele Straßen in den Wohngebieten noch nicht geräumt und die langen Pritschen mit ihrem Heckantrieb kommen bei Frost leicht ins Rutschen. "Wir haben junge Fahrer und müssen jedes Mal gut aufpassen, dass nichts passiert. Das Rangieren in den engen Wohnstraßen ist immer eine Herausforderung", berichtet Wirth. Weil beim Blick durch den Rückspiegel nur eine grüne Wand mit Christbäumen auf der Ladefläche zu sehen sei, könne beim Zurücksetzen oft auch nur über den Seitenspiegel manövriert werden. "Am schlimmsten ist es in den Gassen der Sulzbacher Innenstadt. Das ist Millimeterarbeit."

Zeitdruck wegen Wertstoffhof

Hinzu kommt der Zeitdruck. Weil der Wertstoffhof samstags nur zwischen 9 und 12 Uhr geöffnet ist, muss auch die Sammlung in diesem Zeitfenster abgeschlossen werden. "Wir haben es gerade so geschafft, unsere letzte Fuhre haben wir um 11.55 Uhr abgeliefert", sagt der Gruppenleiter.

Um das jährlich steigende Pensum zu schaffen, sei gute Organisation ein Muss. "Die Aufträge kommen bei uns telefonisch oder per Mail rein. Anschließend ordnen wir die Straßen und erstellen drei Routen – pro Auto eine." Dem 21-Jährigen zufolge geht immer dann viel Zeit verloren, wenn einzelne Adressen nicht zu finden sind. "Am Annaschacht zum Beispiel ist die Nummerierung der Häuser das reinste Durcheinander, es gibt keine logische Reihenfolge. Manchmal brauchen wir Google Maps, um den Abholort überhaupt zu finden."

Geld aus Briefumschlag gestohlen

Besonders ärgerlich sei auch, wenn die Spende gestohlen wird. "Die meisten Leute hängen das Geld in einem Umschlag an den Baum oder legen es in den Briefkasten. Auf der Pantzerhöhe ist es uns passiert, dass jemand 20 Euro rausgenommen hat. Das ist frech und auch für den Auftraggeber ärgerlich. Wir haben geklingelt, er hat dann noch mal 20 Euro rausgeholt", berichtet Wirth. Trotzdem blieben solche Vorfälle die große Ausnahme. Die Leute seien überaus freundlich, wenn die Pfadfinder an ihrer Tür klingeln. "Schokolade und Sekt, Gummibärchen und Pralinen – Geschenke bekommen wir zuhauf."

Am dankbarsten ist Wirth, der selbst als Zimmerer bei Kohl in Edelsfeld arbeitet, den örtlichen Firmen, die den Pfadfindern jedes Jahr ihre Fahrzeuge kostenlos zur Verfügung stellen. "Ohne diese Hilfe könnten wir die Sammlung nicht machen. Die Autos auszuleihen, würde sich finanziell nicht rentieren."

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Geld sparen für Auslandsfahrt

Und was machen die Rover nun mit ihren Einnahmen? Die genaue Summe will Wirth zwar nicht verraten, er betont aber, dass das Geld direkt in den Sulzbach-Rosenberger Pfadfinderstamm fließt. "Man wird mit einer solchen Sammlung nicht reich. Die Spenden kommen in unsere Gruppenkasse und damit direkt der Jugendarbeit zugute. Im Sommer können wir dann damit unser Zeltlager oder eine Auslandsfahrt teilfinanzieren." Optimismus und Pläne für die Zukunft haben die Pfadfinder also auch in Coronazeiten. Fehlt ihnen nur noch eines – ein pandemiefreier Sommer.

„Am schlimmsten ist es in den Gassen der Sulzbacher Innenstadt. Das Rangieren dort ist Millimeterarbeit.“

Korbinian Wirth, DPSG-Gruppenleiter

Samstags haben die Sulzbach-Rosenberger Wertstoffhöfe nur drei Stunden geöffnet. Für die Christbaumsammlung der Pfadfinder bedeutet das: Es muss schnell gehen.
Auch Frauen haben kräftig mit angepackt.

 

 

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