24.11.2021 - 16:43 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sanierungsbedarf liegt im Sulzbacher Bachviertel bei 80 Prozent

Die Beseitigung von Leerständen ist auch in Sulzbach-Rosenberg ein großes Problem. Jetzt gibt es aber einen wichtigen Anreiz, um Eigentümer zur Sanierung zu bewegen.

Der gelbumrandete Bereich umfasst nahezu exakt das neue Sanierungsgebiet "Altstadt Sulzbach II". Im Süden begrenzt der Rosenbach das Gebiet, im Westen die Neumarkter Straße beim Bochbeck, nördlich der untere Teil des Kugelplatzes und die Bühlgasse sowie im Osten etwa das Lagerhaus Kopp.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Hinweise auf Beseitigung des Leerstandes in der Altstadt oder Vorschläge zur dortigen Verkehrsführung tauchen im Sulzbach-Rosenberger Stadtrat nahezu periodisch auf. Die Kommunalpolitik hat damit oft ihre liebe Not, denn es liegen nicht alle betroffenen Bereiche im direkten Zugriff der Kommune, sondern überwiegend im privaten Bereich. Und dort gibt es vielerlei Gründe, um beispielsweise ein Wohnhaus nicht zu sanieren oder nicht zu veräußern. Daraus resultieren dann Lücken vor allem auch in Stadtkernen mit alter Bausubstanz. Ein Instrument zum Gegensteuern bietet den Städten und Gemeinden die Ausweisung von Sanierungsgebieten.

Mit ihnen sollen besonders auch Privateigentümer die Möglichkeit erhalten, Leerstandsbeseitigung oder -belebung mit Steuerermäßigungen in Angriff zu nehmen. So könne also nach Ansicht einiger Bau- und Sanierungsexperten zukünftig auch im vom Stadtrat am Dienstag verabschiedeten „Sanierungsgebiet Altstadt Sulzbach II“ Geld gespart werden, da die Kosten dafür als Abschreibung von der Steuer abgesetzt werden können – mindestens acht Jahre lang. Im Sanierungsgebiet hätten Eigentümer zudem die Möglichkeit, einen Zuschuss für Modernisierung und Instandhaltungsmaßnahmen zu stellen oder könnten bauliche Veränderungen im Sinne der Sanierungssatzung beantragen. Der Stadt selbst könnte durch Sanierungsgebiete mehr Kompetenz in Bodenfragen an die Hand gegeben und Maßnahmen im öffentlichen Raum beschleunigt werden.

Isek als Grundlage

Im Februar 2020 beschloss der Stadtrat den Start der Voruntersuchung der Sanierungsgebiete, für Teile des Bachviertels lagen jetzt die Ergebnisse der Untersuchung vor. Diese übernahm die UMS GmbH Stadtstrategien aus Leipzig, die in Sulzbach-Rosenberg auch durch die Ausarbeitung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (Isek) bekannt wurde. Letzteres diente auch als Grundlage für die aktuelle Untersuchung. Wie die Fachstelle informiert, betrachtete sie ein Gebiet von etwa 2,2 Hektar mit insgesamt 87 Grundstücken der Gemarkung Sulzbach, das überwiegend durch Wohnnutzung geprägt ist. Im Norden bilden der Kugelplatz und der Mühlberg, im Westen die Berg- und Neumarkter Straße, im Süden der Rosenbach und im Osten die Bühlgasse die Grenzen. Zur Ermittlung von Daten verschickte UMS auch Fragebögen an Mieter, Pächter (Rücklaufquote 6,5 Prozent) und Eigentümer (Rücklaufquote 25 Prozent).

Bei Begehungen stellten die Leipziger Experten erheblichen Sanierungsbedarf im Untersuchungsgebiet fest. Allein bei knapp 30 Gebäuden sei eine Sanierung des Daches notwendig, bei den Fassaden deutlich weniger Fälle. Alte Fenster mit Einfachverglasungen und das Alter vieler Gebäude ließen darauf schließen, dass auch energetische Sanierungen notwendig seien. „Insgesamt sind nur wenige Gebäudehüllen in gutem Zustand. Bei lediglich 20 Prozent der Gebäude ist kein Sanierungsbedarf abzulesen“, so die UMS-Fachstelle. Zudem flossen Aspekte des Denkmalschutzes in die Analyse mit ein, was unter anderem auf die Brauhausgasse 10 (Ehemaliges Ackerbürgerhaus) und dem früheren Gasthof „Bochbeck“ zutreffe.

Zeitraum von 15 Jahren

UMS benennt unter „Verkehr und Mobilität“ eine Reduzierung und Steuerung des ruhenden sowie fließenden Verkehrs, empfiehlt die Entwicklung eines attraktiven Fuß- und Radwegenetzes und regt die Aufwertung von Straßenräumen und -belägen sowie des Kugelplatzes an. Die Stadt Sulzbach-Rosenberg hat nun mit der UMS-Untersuchung ein Instrument zur Verfügung, das neuralgische Punkte benennt und Lösungsansätze bietet. UMS verweist zudem auf die Durchführung der Sanierungen in einem Zeitraum von 15 Jahren. Allein für eine mögliche städtebauliche Gesamtmaßnahme im neuen Sanierungsgebiet veranschlagt die Fachstelle Ausgaben in Höhe von etwa 1,5 bis 3 Millionen Euro in Abhängigkeit der öffentlichen Möglichkeiten. „Flankierend müssten hier Mittel aus der Städtebauförderung zum Einsatz kommen“, so die UMS-Experten.

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Auch die Untere Bachgasse gehört zum am Dienstag im Stadtrat auf den Weg gebrachten Sanierungsgebiet "Altstadt Sulzbach II".

„Flankierend müssten hier Mittel aus der Städtebauförderung zum Einsatz kommen.“

Ansicht der UMS-Experten zu Sanierungen im öffentlichen Bereich

 

 

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