18.12.2020 - 16:34 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Shelter Now-Hilfe aus Rosenberg: Spenden in Trinkwasser verwandelt

Ein Zeichen der Hoffnung in Afghanistan: Mit Spenden aus Sulzbach-Rosenberg und der Conrad-Stiftung konnte ein neuer Brunnen bei Kabul in Betrieb genommen werden. Dieter Drexler vom Shelter-Now-Büro Rosenberg erlebte die Einweihung mit.

Spendengelder aus Sulzbach-Rosenberg und von der Conrad-Stiftung ermöglichten den Bau dieses Trinkwasser-Brunnens im Raum Kabul.
von Autor RLÖProfil

Georg Taubmann, der Leiter von Shelter Now International, berichtet der SRZ von aktuell laufenden Hilfsmaßnahmen seiner Organisation in dem kriegsgeschüttelten Land, die nicht nur durch die grassierende Corona-Epidemie, sondern auch durch den stetigen Machtzuwachs der Taliban massiv erschwert werden.

Es war im November 2019, als das Illschwanger Ensemble „Veeh-Harfen-Klänge“ im Saal des Kettelerhauses Rosenberg ein Benefizkonzert für die Hilfsorganisation Shelter Now gab. Mittlerweile haben sich die Spendengelder dieses Abends in Afghanistan in kristallklar sprudelndes Trinkwasser verwandelt – ein Segen für Hunderte von Familien im Raum Kabul.

Neue Herausforderungen

Dieser Brunnen ist nur ein Mosaikstein im dicht geknüpften Hilfsteppich, den Shelter Now nun seit 35 Jahren über viele Regionen in Afghanistan und Pakistan legt. Das Überleben tausender Menschen konnte damit schon gesichert werden, aber die Herausforderungen durch Krieg, Flüchtlingsbewegungen, Terror und Naturkatastrophen stellen sich tagtäglich neu. Dabei sehen sich die Mitarbeiter von Shelter vor Ort neben der allgegenwärtigen Lebensgefahr durch islamistischen Bombenterror seit diesem Jahr auch der Corona-Bedrohung ausgesetzt. Langjährige Mitglieder der Hilfsorganisation wie die bayerischen Agraringenieure Gudrun und Ewald Göttler, die verschiedene erfolgreich arbeitende Agrar-Projekte in Afghanistan betreiben, haben sich inzwischen infiziert, setzen ihre Tätigkeit jedoch unvermindert fort. Es hat in den Reihen der Shelter-Leute auch schon Corona-Tote gegeben.

Flut und Seuche

Georg Taubmann im SRZ-Gespräch: „Wir haben allen unseren Mitarbeitern die Wahl gelassen, zu gehen oder zu bleiben. Alle sind geblieben, sogar im Corona-Epizentrum Herat, wo die Flut der rund 200 000 afghanischen Seuchen-Flüchtlinge aus dem Iran die Ansteckungsgefahr drastisch erhöht hat. Unsere Leute wissen, dass sie sich mit ihrer Arbeit vor Ort täglich aufs Neue diesen Risiken aussetzen.“

„Wir haben allen unseren Mitarbeitern die Wahl gelassen, zu gehen oder zu bleiben. Alle sind geblieben, sogar im Corona-Epizentrum Herat, wo die Flut der rund 200 000 afghanischen Seuchen-Flüchtlinge aus dem Iran die Ansteckungsgefahr drastisch erhöht hat.“

Georg Taubmann

Georg Taubmann

Mindestens so entsetzlich wie Corona schlug in diesem Sommer in Afghanistan einmal mehr die Natur zu: Verheerende Sturzfluten suchten im August 15 Provinzen heim. Die Wasser- und Schlammwellen machten ganze Dörfer dem Erdboden gleich, vernichteten Menschenleben und Feldkulturen. Offizielle Zahlen redeten von 150 Toten und 300 Verletzten, die Dunkelziffer dürfte darüber liegen. Die Betroffenen hatten keine Chance, sie wurden von der Katastrophe gegen halb vier Uhr morgens im Schlaf überrascht. Die Bergung der Toten aus Schlamm und Trümmern dauerte Wochen. Als Sofortmaßnahme für die obdachlos gewordenen Familien startete Shelter Now (mit maßgeblicher Unterstützung der Conrad-Stiftung und des Unternehmers Klaus Conrad) die Verteilung von fünf Lkw-Ladungen Decken und zwei Lkw-Ladungen Gasflaschen und Küchenzubehör. Diese Hilfe erreichte etwa 400 Familien, die alles verloren hatten bis auf die Kleidung, die sie trugen.

Weitere Projekte von Shelter Now

Sulzbach-Rosenberg

In enger Kooperation mit dem World Food Programm WFP der UNO laufen in diesem Jahr acht Entwicklungs- und Nothilfeprojekte (darunter ein Covid-19-Hilfsprogramm) von Shelter Now alleine in der Provinz Herat. Mit einem Volumen von fast einer halben Million Euro kommen diese Hilfen über 190 000 Personen zugute. Darüber hinaus sind wieder die Winterhilfsprogramme angelaufen, mit denen Shelter völlig verarmten und heimatlosen Flüchtlingen in den vielen Lagern das Überleben sichert. Das sind beispielsweise etwa 950 Jesiden in der kurdischen Sinjar-Region, die Decken und Kerosin-Heizgeräte erhalten sollen, oder auch rund 800 Flüchtlinge in einem Lager bei Kabul. Georg Taubmann: „Wenn wir hier nichts tun, geraten diese Menschen bei Einbruch der ersten Kältewellen in akute Lebensgefahr.“ Der SNI-Chef berichtet in diesem Zusammenhang von schlimmen Erfahrungen im Winter 2018 mit vielen Toten und Opfern mit schweren Erfrierungen.

Zentrale in Sulzbach-Rosenberg

All diese Hilfsmaßnahmen und Entwicklungsprojekte werden zentral vom SNI-Büro in Sulzbach-Rosenberg gesteuert und in Afghanistan von den dortigen Shelter-Büros in Kabul, Herat und Feisabad organisiert. „Wir helfen nur den Ärmsten der Armen“, versichert Georg Taubmann. „Aber in Afghanistan gibt es so viele arme Menschen auch außerhalb der Flüchtlingslager. Sie leben alle am Rand des Existenzminimums. Selbst in Kabul heizt der normale Afghane mit Abfall und Autoreifen, so dass über der Hauptstadt ständig eine giftige, stickige Smogwolke liegt.“

Afghanistan bleibt ein leidendes und blutendes Land, dessen Menschen die Hilfe von Organisationen wie Shelter Now unendlich dankbar aufnehmen. Auch aus der Oberpfalz kann man Lichtsignale der Hoffnung nach Afghanistan senden, indem man Shelter Now International mit Spenden unterstützt: Spendenkonto: Norddeutsche Landesbank, IBAN DE65 2505 0000 0002 5230 58.

Mehr zur Afghanistan-Hilfe von Shelter Now

Sulzbach-Rosenberg
Ersthilfe mit dem Allernötigsten: Decken und Kochgeräte für die Flutopfer in der Provinz Parwan.
Täglich verschafft sich Shelter-Direktor Georg Taubmann im SNI-Büro in Rosenberg einen Überblick über die laufenden Hilfsprojekte.

 

 

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