Es sollte ein besonderer Einsatz für Horst Ott werden, als die Nachricht kam, dass ein acht Jahre altes Mädchen in den Wäldern an der Grenze vermisst wird. Er hat selbst zwei Töchter und habe deswegen eine ganz eigene Betroffenheit gespürt, erzählt er heute. Dazu kam, dass die Suche am Berg Cerchov, ein ehemaliges militärisches Gebiet, das wenig Orientierung bietet, extrem herausfordernd war. Und es war ein Wettlauf mit der Zeit: Je länger die Suche andauerte, desto größer war die Sorge, dass Julia nicht mehr lebend gefunden wird. Am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben ist Ott der Moment, als bei den Suchtrupps die Nachricht einging, dass Julia gefunden wurde.
Wasser in den Augen
„Ich hatte Wasser in den Augen“, erinnert sich Ott. Er war gerade im Bereitstellungsraum und wartete auf die Zuteilung des Gebiets für die zweite Suche seiner Gruppe, als es plötzlich hieß: „Es wurde jemand gefunden.“ Nervös hätten die Einsatzkräfte auf nähere Informationen gewartet, keiner habe hören wollen „tot gefunden“, sagt Ott. Dann kam die zweite Meldung: Es handle sich um Julia und sie lebe. „Da ist eine Riesenanspannung weggefallen, das war ein richtiges Glücksgefühl.“
Otts erster Gedanke: „Was für ein mutiges Mädel, zwei Nächte allein im Wald auszuhalten.“ Besonders habe er sich für die Familie des Mädchens gefreut. Dem Vater der Achtjährigen war er während des ersten Sucheinsatzes der Sulzbach-Rosenberger THW-Hundestaffel einmal im Wald begegnet. Zu diesem Zeitpunkt hätte die Gruppe eigentlich abgelöst werden sollen, war schon auf dem Rückweg. Doch die Begegnung mit dem Vater berührte alle. „Wir sind umgekehrt und haben weitergesucht“, sagt Ott.
Julias Eltern, die aus dem Großraum Berlin stammen, hatten mit ihren zwei Kindern und einem Neffen eine Wanderung auf dem Berg Cerchov angetreten. Während des Familienausflugs gingen dem Polizeibericht zufolge irgendwann die drei Kinder voraus und entfernten sich von den Erwachsenen. Nachdem die Kinder nicht mehr auffindbar waren, wurden Rettungskräfte verständigt. Während der Sohn und der Neffe der Familie wieder auftauchten, blieb die achtjährige Julia verschwunden. Erst zwei Tage und zwei Nächte später fand ein tschechischer Förster das Mädchen, erschöpft und unterkühlt, aber bis auf ein paar Kratzer unversehrt, in einem Gebüsch.
Zusammenhalt beeindruckt
Die Sulzbach-Rosenberger Hundestaffel des THW rückte zwei Mal aus, um bei der Suche nach Julia zu unterstützen. Der eine Teil der zwölfköpfigen Staffel war mit den Suchhunden, die mit GPS-Trackern ausgestattet sind, draußen unterwegs. Die anderen überwachten die Suche in den drei Fahrzeugen per GPS. Zum Einsatz kamen Flächensuchhunde, die in größeren Gebieten allgemein nach Menschen suchen, aber auch Mantrailer, die zuvor den Geruch des vermissten Menschen aufnehmen, etwa mit Hilfe eines getragenen Kleidungsstücks.
Was Ott nachhaltig beeindruckt hat, ist der große Zusammenhalt der verschiedenen Einsatzorganisationen. 1400 Kräfte aus Deutschland und Tschechien waren nach Polizeiangaben insgesamt beteiligt. „Es waren so viele Leute in unterschiedlichen Einsatzfarben, die halfen, alle mit dem gleichen Ziel“, sagt Ott. Mit der erlösenden Nachricht vom Auffinden der Achtjährigen wurden sie alle belohnt.
Horst Ott
- 55 Jahre
- Gruppenführer in der Suchhundestaffel des THW Sulzbach-Rosenberg
- Einsätze in diesem Jahr bei der Suche nach Julia und im Hochwassergebiet im Ahrtal
- Beruflich 1. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg




























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