Sulzbach-Rosenberg
17.11.2021 - 16:45 Uhr
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Sulzbach-Rosenberg: Großer Ärger über das Rathaus – FWU darf Stadtlauf doch nicht organisieren

Die Freien Wähler Umland (FWU) wollen den traditionsreichen Stadtlauf in Sulzbach-Rosenberg organisieren – dürfen aber nicht. Nun ist die FWU sauer auf das Rathaus. Ihr Chef Stefan Thar fühlt sich gezielt ausgebremst und redet Klartext.

Wenn die Läufer beim Sulzbach-Rosenberger Stadtlauf (hier ein Bild von 2018) an den Start gehen, sind viele von ihnen aufgeregt. Das trifft momentan auch auf die FWU zu. Sie wollten den Lauf organisieren - dürfen jetzt aber nicht. Archivbild: Hubert Ziegler
Wenn die Läufer beim Sulzbach-Rosenberger Stadtlauf (hier ein Bild von 2018) an den Start gehen, sind viele von ihnen aufgeregt. Das trifft momentan auch auf die FWU zu. Sie wollten den Lauf organisieren - dürfen jetzt aber nicht.

Die Freien Wähler Umland (FWU) in Sulzbach-Rosenberg sind verärgert. Grund für den Unmut ist die Entscheidung des Rathauses, dass sie den traditionsreichen Stadtlauf im Jahr 2022 doch nicht organisieren dürfen. Obwohl sie das bereits Ende 2019 fest zugesagt bekommen haben und seitdem viel Zeit und Mühe in die Organisation und das Akquirieren von Spendengeldern investiert haben. Den Stadtlauf soll nun anstelle der FWU Sven Hindl mit seiner Firma Wechselszene GmbH übernehmen. Der örtliche FWU-Chef und Stadtrat Stefan Thar hat dafür kein Verständnis – und nimmt den Vorgang zum Anlass, klare Worte zu sprechen.

Zur Vorgeschichte: Der Stadtlauf findet immer am Sonntag während des Altstadtfestes statt. Jahrzehntelang hat die Organisation die Post-Betriebssportgruppe übernommen, diese Aufgabe aber 2018 abgegeben. Im Folgejahr haben den Lauf einmalig Schüler eines P-Seminars des HCA-Gymnasiums ausgerichtet. Dann jedoch drohte das Aus, weil sich keine Organisatoren mehr fanden. Hier kam nun die FWU ins Spiel. "Wir haben gesagt, das nehmen wir in die Hand, um die Tradition aufrechtzuerhalten", berichtet Stefan Thar. Ende 2019 habe die Stadt der FWU die Genehmigung erteilt, den Lauf für 2020 zu organisieren. Wegen Corona musste er zwar in den vergangenen zwei Sommern ausfallen, doch 2022 soll es wieder soweit sein.

Die ganze Vorbereitung war umsonst

Die FWU hat sich darauf mit einem Team von Ehrenamtlichen gut vorbereitet. "Wir haben Streckenposten und die Versorgung organisiert, T-Shirts bei Elasto Form in Auftrag gegeben und bereits Spendengelder akquiriert", berichtet Thar. In Kooperation mit dem Staatsforst sollten Bäume gepflanzt und damit auch etwas für die Umwelt getan werden: Je mehr Laufkilometer, desto mehr Bäume sollte es geben.

Umso mehr sind die FWU-ler verärgert, dass dies alles umsonst war. Fred Tischler, der Leiter des Kulturamtes, habe Thars Parteikollegin Alexandra Ottmann am Telefon abgesagt: "Wir hätten uns nicht mehr gemeldet, deswegen habe der Bürgermeister den Auftrag an Sven Hindl neu vergeben", berichtet die Stadträtin über die Begründung der Verwaltung. "Für uns ist klar, wenn wir ja sagen, dann stehen wir auch dazu."

Stefan Thar hat dafür kein Verständnis. "Wir haben die Schlackenmärsche organisiert, um zu zeigen, dass wir so ein Event stemmen können. Auch den Rats-Runners-Hindernislauf haben wir gemacht. Das sind große Events, im Vergleich dazu ist der Stadtlauf eine kleine Sache." Zudem gehe es ums Geld. "Die FWU hätte das ehrenamtlich gemacht. Eine externe Firma kostet Geld. Die finanzielle Lage der Stadt ist nicht so rosig, dass man sagen könnte, da achten wir nicht drauf."

Inszeniert sich Stefan Thar selbst

Thar ist sich sicher, dass die Neuvergabe des Auftrags durch Bürgermeister Michael Göth in Wirklichkeit politisch motiviert ist. Der 39-Jährige ist seit 2020 neu im Stadtrat, er fällt dort regelmäßig mit Anfragen und Anträgen auf. Als Vater von vier Kindern engagiert sich der Bauunternehmer gesellschaftlich stark und ist auch in den sozialen Medien viel präsent. Manchem ist das wohl zu viel - der Vorwurf der öffentlichen Profilierung ist ihm nicht neu: "Ich muss mir immer anhören, dass ich mich bloß selber in Szene setze. Aber Entschuldigung, ich bin als Stadtrat angetreten, um etwas zu bewegen." Wegen der sowieso geringen Aufwandsentschädigung mache er das nicht.

"Es geht nichts voran in der Stadt"

Wenn nun der FWU, die viel ehrenamtliches Engagement in den Stadtlauf gesteckt habe, die Organisation wieder entzogen wird, findet das Thar ernüchternd – er fühlt sich ausgebremst und spricht Klartext: "Man zieht seine Schlüsse. Ich will hier eigentlich frischen Wind reinbringen. Aber es geht fast nichts voran in der Stadt." Und weiter: "Die Stadt lebt vom Engagement ihrer Bürger. Wenn das als politische Profilierung abgetan wird, dann ist das ihr Todesurteil." Den Vorwurf der Selbstinszenierung bezeichnet er als "albern", er lasse ihn an sich "abprallen". Fatal sei aber das Signal, das die Verwaltung mit solchen Entscheidungen aussende: "Es ist schade für alle, die etwas voranbringen wollen."

In der jüngsten Stadtratssitzung vor drei Wochen fragte Thar Bürgermeister Michael Göth nach einer Begründung für die Neuvergabe der Stadtlauf-Organisation. "Bis jetzt habe ich keine Antwort auf meine Frage bekommen", berichtet er ernüchtert.

Oberpfalz-Medien hat deshalb bei Fred Tischler nachgefragt. Der Leiter des Kulturamts hat eine andere Sicht. "Nein, es gibt im Rathaus keine Vorbehalte gegen Herrn Thar." Von einem schlechten Stil im Umgang könne keine Rede sein. "Der Bürgermeister hat ihm eine Beantwortung seiner Anfrage zugesichert, und er wird sie in den nächsten zwei Wochen auch auf jeden Fall bekommen." Aus Zeitgründen sei er nur noch nicht dazu gekommen.

Stadtlauf soll unpolitisch bleiben

Tischler nimmt auch vorweg, was in der schriftlichen Antwort drin steht. Es solle verhindert werden, dass Parteien den Stadtlauf für sich vereinnahmen. "Es war immer schon ein städtischer Lauf und wir wollen, dass es ein städtischer Lauf bleibt. Es soll kein politischer Lauf werden." Der FWU habe man zwar 2020 tatsächlich die Organisation zugesagt, aber nur, weil sich sonst niemand gefunden habe. Weil die FWU in der langen Corona-Zeit dazu nichts von sich habe hören lassen, "ist der Bürgermeister davon ausgegangen, dass es für die FWU auch erledigt ist", sagt Tischler. Zudem sei Herr Thar als Unterstützer – nicht aber als Organisator – jederzeit willkommen: "Wir sind immer froh, wenn wir ehrenamtliche Unterstützer haben, wir brauchen dringend Helfer, das ist sehr willkommen." Dass es nie eine Nachfrage vonseiten der Stadt bei der FWU gegeben habe, ob die Partei tatsächlich nicht mehr interessiert ist, dieses Versäumnis gesteht Tischler aber ein: "Ja, man hätte mal telefonieren können."

Ob sich Stefan Thar damit zufrieden gibt, ist fraglich. Er sagt: "Politische Parteien sind dafür da, im Ehrenamt etwas für die Bürger zu tun. Wenn wir nichts tun, wer soll denn dann etwas anschieben?"

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"Ich muss mir immer anhören, ich würde mich bloß selbst inszenieren. Aber Entschuldigung, ich bin hier angetreten, um etwas zu bewegen. Die Stadt lebt vom Engagement. Aber wenn niemand etwas tut, wird nichts passieren.

FWU-Stadtrat Stefan Thar

FWU-Stadtrat Stefan Thar

"Es war immer schon ein städtischer Lauf und wir wollen, dass es ein städtischer Lauf bleibt. Es soll kein politischer Lauf werden."

Kulturamtsleiter Fred Tischler

Kulturamtsleiter Fred Tischler

"Für uns ist klar, wenn wir Ja sagen, dann stehen wir auch dazu."

FWU-Stadträtin Alexandra Ottmann

FWU-Stadträtin Alexandra Ottmann

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