17.04.2020 - 12:26 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sulzbach-Rosenberger Brauereien stehen vor großen Problemen

Zuerst die gute Nachricht: Das Bier geht nicht aus. Jetzt die weniger gute: Die Brauereien leiden. Mit dem verlorenen April haben sich Christian Sperber und Armin Ertel schon abgefunden, aber der Mai, "der wird uns dann wirklich wehtun".

Fuchsbeck-Bräu Armin Ertel.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Keine Gaststätte ist offen, kein Stammtisch tagt, kein Verein feiert, das Frühlingsfest ist abgesagt, das Altstadtfest in Gefahr: Es steht nicht gut um die Gastronomie. Im Zentrum liegen die beiden Sulzbach-Rosenberger Brauereien. Sie haben etwas unterschiedliche Ausrichtungen, aber die gleichen Probleme. Wir sprachen mit den beiden Bier-Spezialisten über die Lage der Nation.

Sperber-Bräu

Christian Sperber spricht zuerst die Übernachtungen an: In seinem Flair-Hotel mit 25 Zimmern dürfen keine Touristen mehr absteigen und bewirtet werden. Lediglich zwei, drei Monteure waren in den letzten zwei Wochen zu Gast: "Die dürfen zwar kommen, aber deren Arbeitgeber schicken immer weniger los, weil die Kunden auch keine Fremden im Betrieb haben wollen." Er realisiert eine Auslastung von sage und schreibe zwei Prozent, Tendenz sinkend. Aber nicht nur die sonst schon zum Stadtbild gehörenden Fahrrad-Touristen haben ihre Frühjahrs- und Sommer-Aufenthalte schon storniert, auch die Messen in Nürnberg, die stets viele Übernachtungsgäste in die Stadt brachten, brechen zunehmend weg.

Christian Sperber.

Den Brauerei-Chef plagen große Sorgen: "Wie springt das Ganze irgendwann wieder an? Ist das Altstadtfest überhaupt noch realistisch?" Die staatliche Soforthilfe könne kleinen Betrieben vielleicht einen Monat helfen, dann gehe es aber bergab. Sperber vermutet, dass einigen Gastronomiebetrieben, in denen bald ein Generationenwechsel angestanden wäre, gleich das komplette Aus droht. Auch die erste Brauerei, ein Betrieb in Franken, schließt den Betrieb im Herbst.

Zur Situation der Brauereien in Amberg

Amberg

"Investitionen gibt es heuer praktisch keine", ist sich Sperber sicher. Der Brauerei-Umsatz, die einzige Einnahmequelle, stagniert bei rund 50 Prozent, lediglich Heimdienst und Getränkemärkte sorgen für Absatz. Das zehnköpfige Personal ist mit Urlaub, Überstunden-Abfeiern und Kurzarbeit sowie einigen Ausstellungen betroffen, stehe aber bei einem Neustart selbstverständlich wieder bereit.

Sperbers Fazit: "Ein gewachsenes Geschäft wie das unsere hält schon ein bisschen durch, aber der Mai wird schlimm werden. Ich hoffe nur, dass der innerdeutsche Tourismus bald wieder anspringt."

Brauerei Fuchsbeck

Armin Ertel spürt die Auswirkungen der Beschränkung stark: "Schon bei der letzten Brauereibesichtigung ist nur mehr die Hälfte der Leute gekommen." Der Frühschoppen am Sonntag sah dann auch nur einen Tisch besetzt in der Gaststätte, seit Dienstag, 17. März, ist das Kult-Wirtshaus komplett zu. Nur Heimdienst und Getränkemarkt-Lieferungen laufen wie gewohnt weiter.

Was bleibt? "Der Bier-Umsatz ist seitdem um 70 Prozent gesunken", bilanziert der Brauer. Der Fuchsbeck beliefert Gaststätten und Vereinsheime und ist im Übrigen sehr "Fest-orientiert", wie Armin Ertel klarstellt. Da ist es schon mehr als tragisch, wenn Bockbierfeste, Vereinsveranstaltungen, Jubiläen, Kirwan und sonstige von der Brauerei belieferte Veranstaltungen ausfallen. Den Anfang machte das bei dem herrlichen Wetter sehr attraktive Osterbrunnenfest.

Und es wird noch weitergehen, da ist der Fuchsbeck-Bräu sicher: Maifeiern, Wanderungen, Gartenbetriebe, Grillfeste. "Der April, den haben wir schon abgehakt, aber der Mai wird richtig wehtun", ist sich der Brauerei-Chef sicher. Und das Altstadtfest sieht er auch als Wackelkandidat. Aber er lässt sich den Optimismus nicht nehmen: "In den letzten zwölf Jahren haben wir viele Höhen und Tiefen erlebt und alles überstanden, da wird das auch irgendwie rumgehen. Die Erde dreht sich weiter, und Totgesagte leben bekanntlich länger."

Staatliche Hilfen hat er keine in Anspruch genommen, auch die angebotene Stundung der Biersteuer kommt für ihn nicht infrage. Schwierig werde es aber, wenn er für Investitionen künftig bei der Finanzierung die Bilanz vorlegen müsse: "2020 sieht es da bestimmt nicht rosig aus. Das wird dann spannend." Sein Appell an die Sulzbach-Rosenberger Bürger: "Trinkt regionales Bier, nicht eins von irgendwo her, wir haben hier genug gute Brauereien mit hoher Qualität und akzeptablen Preisen."

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