18.10.2021 - 17:10 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Ein superschönes Hobby": Ballerinas bringen Leben zurück in Rosenberger Heldrich-Saal

Der Heldrich-Saal in Rosenberg war jahrzehntelang ein Ort für Bälle, für Musik und Tanz. Die Ära ging zu Ende, der Saal blieb dunkel für lange Zeit. Seit drei Jahren erklingt dort wieder Musik und es wird getanzt – im Ballett.

Funkelnde Kronleuchter, Boogie-Woogie, Blues: Der Heldrich-Saal in Rosenberg mit seinen 200 Quadratmetern Fläche ist der perfekte Ort für kleine und große Tänzer. Der Nachmittag ist in der Tanzschule Walter für die Früherziehung der Vorschulkinder reserviert.
von Helga KammProfil

Es ist Nachmittag. Schräge Sonnenstrahlen fallen durch die Fenster in den Saal und lassen die Kronleuchter funkeln. Musik erklingt, und zehn kleine Mädchen in bunten Tanzkleidern bewegen rhythmisch Arme und Beine, folgen den Anweisungen von Melissa Walter. Die 29-Jährige ist Tanzpädagogin und Chefin ihrer Tanzschule in Rosenberg.

Nach umfassender Sanierung und etlichen Umbauten pulsiert inzwischen neues Leben im ehemaligen Heldrich-Haus gegenüber dem Rosenberger Bahnhof. Junge Mieter haben unter anderem mit einem Fitness-Studio und einem Bistro-Café erfolgreiche Unternehmen etabliert, die Tanzschule von Melissa Walter gehört dazu. Im Herbst 2018 eröffnet, werden seitdem dort Kinder, Jugendliche und Erwachsene in verschiedenen Tanzformen unterrichtet, „haben einen Ausgleich zum Alltag und ein superschönes Hobby“, wie Melissa Walter schwärmt.

Tanzen in Schulen und Kindergärten

Die junge Besitzerin und ihr vierköpfiges Team unterrichten aber nicht nur im 200 Quadratmeter großen, schicken Tanzsaal, sie besuchen regelmäßig Kindergärten und Schulen, bieten Mädchen und Jungen Schnuppermöglichkeiten an. „Sie müssen nicht zu uns kommen, wir bringen den Tanz zu ihnen“, erklärt die Sulzbach-Rosenbergerin dieses Angebot, das nach Schulschluss in der Aula oder in der Turnhalle der jeweiligen Schule stattfindet. Die Schulen in der Stadt gehören dazu, einige in Amberg, die örtlichen Kindergärten und die in Edelsfeld, Gailoh und Ammerthal.

Einmal im Jahr gibt es zum Beispiel beim Sommerfest einen Auftritt in den Schulen und Kindergärten. „Dabei stellen wir aus unserem reichhaltigen Fundus die Tanz-Kostüme für jedes Kind zur Verfügung“, beschreibt die Chefin diese Events. Es sei besonders für die kleinen Mädchen im Kindergarten ein Traum, einmal ein „Tutu“ aus Tüll tragen zu dürfen. Den Kindern und Jugendlichen damit eine Freude zu machen, ist das eine, sie für diese Art der Bewegung zu gewinnen, das andere. „Denn natürlich wünschen wir uns, dass es nicht beim Schnuppern bleibt, sondern, dass auch unsere Kurse besucht werden“, gibt Melissa Walter offen zu.

Bälle mit 440 Personen

13 Monate lang gab es Kurse wegen der Pandemie nur online. Dass jetzt wieder getanzt werden darf, freut besonders die Schulklassen, die für ihren Abschlussball trainieren. Dieser findet entweder im ACC in Amberg statt oder auch in der Tanzschule Walter. „Durchschnittlich 90 Schüler aus einer Schule, dazu Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde“, rechnet Walter vor, „da kommen rund 440 Personen auf jeden Ball“. Für ihre monatlichen Tanznächte am Samstagabend und einen Wintermärchen-Ball in ihrer Tanzschule bucht sie Live-Bands und bietet auch Essen von einem Catering-Service an.

„Wir arbeiten täglich von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends“, beschreibt die Tanzlehrerin ihren Arbeitstag, „und unsere Angebote werden sehr gut angenommen“. Die umfassen tänzerische Früherziehung für Vorschulkinder und Ballettunterricht in drei Altersgruppen für Sechs- bis Zehnjährige und Teenager. Hip-Hop Kids, Jazz-Dance-Kids und Zumba-Kids heißen weitere Kursangebote, die es auch wieder für Jugendliche gibt. Die Tanzausbildung oder Weiterbildung für Erwachsene findet ausschließlich am Abend statt.

Lange Ausbildung

Dass es sinnvoll ist, frühzeitig das Tanzen zu erlernen, beweist der Werdegang Melissas. Sie hat schon mit fünf Jahren Ballettunterricht bekommen, ist über die Jahre dabei geblieben und hat das Tanzen auch zu ihrem Beruf gemacht. Insgesamt sechs Jahre dauerte ihre Ausbildung zur Tanzpädagogin, den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie nicht bereut. „Wir verstehen uns mit jedem, freuen uns auf jeden“, beschreibt sie ihre und die Arbeit ihres Teams. Das Tanzen in welcher Form und mit welchen Altersgruppen auch immer sei ein Ausgleich für den Alltag, stärke die Konzentration, mache fit durch Bewegung, fördere das soziale Miteinander und sei einfach „ein superschönes Hobby, vor allem zusammen mit einem Partner“.

Und wenn an den samstäglichen Tanzabenden Musik erklingt, der raumhohe Wandspiegel den Saal vergrößert und sich die Paare unter den funkelnden Kronleuchtern je nach Rhythmus im Boogie-Woogie oder Blues bewegen, dann erinnert absolut nichts mehr an den alten Heldrich-Saal. Die Zeit der Bälle, der langen Kleider und der Tanzorchester gehören längst der Vergangenheit an.

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Wie diese kleinen Mädchen hat auch Melissa Walter bereits mit fünf Jahren mit ihrer Tanzausbildung begonnen.
Info:

Wichtige Formen beim Tanzen

  • Ballett ist der von Musik begleitete klassische und künstlerische Bühnentanz
  • Jazztanz ist der moderne, lebhafte und energiegeladene Bühnentanz
  • Hip Hop ist kein eigener Tanzstil, sondern setzt sich aus vielen „Styles“ zusammen. Er ist sehr technisch mit bestimmten Schritten und besonderer Körperhaltung.

„Sie müssen nicht zu uns kommen, wir bringen den Tanz zu ihnen.“

Tanzlehrerin Melissa Walter über ihre Besuche in Schulen und Kindergärten

 

 

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