Sulzbach-Rosenberg
24.09.2025 - 10:48 Uhr
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"Total verunsichert": Nach Rohrwerk-Aus Zukunft von knapp 300 Mitarbeitern weiter unklar

Nach der Insolvenz am 1. September werden jetzt Kündigungen für fast 300 Mitarbeiter des Rohrwerks in Rosenberg ausgesprochen. IG-Metall-Mann Udo Fechtner über ihre durchwachsenen Chancen am Arbeitsmarkt und ob Rettung noch realistisch ist.

Ende August hatte das Rohrwerk knapp 300 Mitarbeiter. Als das Sulzbach-Rosenberger Stahlunternehmen am 1. September zum dritten Mal in vier Jahren Insolvenz anmeldete, begann für diese Menschen eine große Phase der Unsicherheit. Wird der Traditionsbetrieb durch einen neuen Investor doch noch gerettet? Findet die Belegschaft neue Arbeitsplätze? Gibt es Abfindungen? Udo Fechtner von der IG Metall Amberg steht in engem Kontakt mit den Mitarbeitern und sagt, es herrsche "totale Verunsicherung". Oberpfalz-Medien schildert der gut vernetzte Gewerkschafter den aktuellen Stand rund um Kündigungen, Rettungs-Hoffnungen und die Suche nach neuen Jobs.

Zunächst berichtet Fechtner, dass von den knapp 300 Mitarbeitern nur noch circa 30 arbeiten würden. Es handelt sich um ein Abwicklungsteam, das die Kläranlage des Rohrwerks am Laufen hält und sich um Maschinen und restliches Material kümmert. Die anderen 270 sind seit mehreren Wochen in der Freistellungsphase – sie waren also noch nicht gekündigt, durften aber auch nicht mehr arbeiten und konnten die Zeit bereits nutzen, sich nach neuen Jobs umzusehen. Diese Freistellungsphase endet nun. "Es werden noch diese Woche die Kündigungen ausgesprochen", sagt Fechtner. "Damit sind die Leute offiziell arbeitslos."

Keine Abfindungen

Mittlerweile sei ein Interessenausgleich zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung abgeschlossen worden – für die Mitarbeiter springt dabei kaum etwas heraus. "Es gibt keinen Sozialplan und damit auch keine Abfindungen", berichtet der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg. Das sei aber nicht ungewöhnlich, bei Insolvenzen gebe es nur selten Abfindungen.

Am Freitag, 19. September, hat die IG Metall eine interne Infoveranstaltung für alle in der Gewerkschaft organisierten Rohrwerker abgehalten. Circa 150 Mitarbeiter seien gekommen, sagt Fechtner. Es ging vor allem darum, Hilfestellung zu geben, Fragen zu beantworten, zu beruhigen. "Wir wollten informieren, was gerade passiert, was Freistellung eigentlich bedeutet. Es gab sehr viele Nachfragen von den Menschen. Weniger ganz konkret, welche Firma neu einstellt. Sondern eher zum Umgang mit der Arbeitsagentur. Wir haben da Leute, die sind seit Jahrzehnten im Rohrwerk, die haben keine Erfahrung mit der Arbeitsagentur."

Wechsel zur Luitpoldhütte

Manche hätten vom Amt Angebote für Stellen bekommen, wo sie weltweit auf Montage geschickt worden wären. Andere hätten dafür ihren Wohnsitz verlegen oder drei Stunden länger zur Arbeit fahren müssen. "Man darf die Leute nicht überfordern, sie müssen nicht sofort alles annehmen, dürfen auch ablehnen. Bestimmte Dinge sind nicht zumutbar", sagt Fechtner. Genau hier seien bei der Info-Veranstaltung Tipps gegeben worden.

Darüber hinaus sagt der 60-Jährige: "Einzelne haben mittlerweile schon neue Arbeitsverträge bei anderen Firmen. Es haben sich Unternehmen bei uns gemeldet und ihren Bedarf angemeldet – zum Beispiel die Luitpoldhütte in Amberg. Aber alle können die natürlich auch nicht aufnehmen. Die allermeisten haben noch nichts." Dass die Leute kurzerhand und ohne große Probleme neue Stellen finden würden, sei sowieso illusorisch. "Die Chancen sind durchwachsen. Gerade die Älteren wissen, dass es schwierig wird."

Das Alter ist ein Problem

Das verwundert. Schließlich handelt es sich um qualifizierte Fachkräfte mit oft jahrelanger Berufserfahrung. Fechtner dämpft die Hoffnungen: "Es wird zwar gern gejammert wegen Fachkräftemangel, aber der Wille, Ältere einzustellen, ist dann bei vielen Firmen eben doch nicht ausgeprägt. Es spielt die Qualifikation eine Rolle – und auch das Alter. Ab Ende 40 ist es oft kompliziert."

Gerade deshalb, sagt der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, gebe es bei den meisten Rohrwerkern nach wie vor eine gewisse Hoffnung, dass das Unternehmen trotz aller Widrigkeiten, trotz Insolvenz, Freistellungsphase und Kündigungen doch noch gerettet wird. Es ist ja auch nicht so, dass es das nicht schon gegeben hätte. Als im Sommer 2024 Edwin Eichler als neuer Investor einstieg und damit das Rohrwerk rettete, war es eigentlich auch schon zu spät, Kündigungen teils schon ausgesprochen.

Unzufrieden mit Bürgermeister

Doch dass sich das wiederholt, dafür sind die Chancen maximal gering. Zwar laufen im Hintergrund weiter Gespräche unter anderem mit dem britischen Unternehmer Jas Kohli, dem zwei von drei Rohrwerk-Gesellschaften gehören, ob er nicht doch auch die dritte Rohrwerk-Gesellschaft übernimmt. Dann würde er alle Unternehmensbestandteile in einer Hand halten und könnte reibungslos produzieren. Politiker von lokaler, Landes- und Bundesebene versuchen zu unterstützen, zu vermitteln. Doch all das ist nur bedingt öffentlich – und vor allem ist der Ausgang völlig ungewiss.

Mehr Unterstützung hätte sich die IG Metall auch von Stefan Frank gewünscht. Der Sulzbach-Rosenberger Bürgermeister habe sich zwar in der Zeitung schon geschockt von der Insolvenz-Botschaft gezeigt, doch dann sei nichts mehr gekommen. "Er hat nie bei uns nachgefragt, ob er helfen kann, nicht bei der Gewerkschaft, nicht bei den Mitarbeitern, nicht beim Betriebsrat. Es ist klar, dass er nicht das Rohrwerk einfach retten kann, aber es geht um Gesten der Wertschätzung", sagt Fechtner. Schließlich bedeute das Rohrwerk-Aus auch massive Einnahmeverluste für die Stadt durch die fehlende Gewerbesteuer.

Vertrauensverlust bei Kunden

Doch unabhängig davon: Darauf zu warten, ob Gespräche und Verhandlungen im Hintergrund womöglich, unter Umständen, vielleicht doch noch zu einem Erfolg führen, ist für die Mitarbeiter, die nun gekündigt werden, nicht praktikabel. Bei ihnen tickt die Zeit, sie brauchen neue Jobs, können nicht warten. Udo Fechtner, der sich natürlich auch eine Rohrwerk-Zukunft wünscht, ist da realistisch: "Je länger es dauert, je länger der Betrieb still steht, umso schwieriger wird eine Rettung."

Zum einen, weil etliche Mitarbeiter dann bereits anderweitig untergekommen sein dürften. Zum anderen, weil das Wiederaufnehmen der Produktion immer teurer wird. "Selbst wenn es weitergehen sollte, dann ist das Vertrauen bei den Kunden beschädigt. Jeder Kunde, der beim Rohrwerk bestellt, wird dann sagen, ist ja schön, dass ihr wieder da seid, aber ihr wart in vier Jahren dreimal insolvent, ich gebe euch erstmal nur einen Teil meiner Aufträge."

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