23.02.2021 - 15:12 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Trotz Corona eng am Dialyse-Patienten: Mehr Lohn und Wertschätzung gefordert

Patienten, die ins Nierenzentrum in Sulzbach-Rosenberg kommen, bleiben meist Stunden. Zum Personal, das die chronisch Kranken auch in der Pandemie betreut, gehören Gerti Högner und Hans-Jürgen Hüttner. Teil 2 der Serie „Corona-Helden“.

"Corona-Helden" im KfH-Nierenzentrum in Rosenberg: Gerti Högner und Hans-Jürgen Hüttner.
von Helga KammProfil

Corona macht ihre Arbeit nicht einfacher. Gerti Högner, die Fachkrankenschwester für Dialyse und Nephrologie, und Pflege-Stationsleiter Hans-Jürgen Hüttner arbeiten beide seit mehr als 20 Jahren im Nierenzentrum an der Lobenhofstraße in Sulzbach-Rosenberg. Unter ihren Patienten, die regelmäßig zur Hämodialyse oder Bauchfell-Dialyse kommen, waren im vergangenen Jahr auch an Covid-19-Erkrankte, was besondere Hygienemaßnahmen, Isolation und Quarantäne zur Folge hatte. Überstunden, Verwaltungsaufgaben, eine nicht zu üppige Bezahlung und auch nicht immer die erhoffte Wertschätzung machen ihre Arbeit nicht unbedingt attraktiv. Jedoch der Umgang mit den ihnen anvertrauten Menschen und die familiäre Atmosphäre im Haus entschädigen für manche Unbill.

ONETZ: Frau Högner, bitte beschreiben Sie uns Ihren Berufsalltag.

Gerti Högner: Das geht los mit dem Vorbereiten der Dialyse-Maschinen, dann werden die Patienten punktiert und angeschlossen. Während der Dialyse, also vier bis fünf Stunden lang, werden die Patienten überwacht, teilweise, weil es sich meist um Schwerkranke handelt, auch pflegerisch betreut. Meist sind es sechs Patienten pro Pflegekraft, die wir am Tag an den Maschinen haben. Insgesamt betreuen wir ungefähr sechzig. Nach der Dialyse müssen die Maschinen abgerüstet und desinfiziert werden, auch das Bett und alles, was verwendet oder berührt worden ist. Und das nicht nur einmal am Tag, sondern nach jedem Patienten. Dazu kommen viele Verwaltungsaufgaben.

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ONETZ: Herr Hüttner, was hat sich durch Corona verändert?

Hans-Jürgen Hüttner: Im vergangen Jahr überfiel uns die erste Welle mit mehreren Corona-positiven Patienten. Nicht nur fehlende Schutzausrüstung, sondern auch organisatorische Hindernisse machten uns Sorgen. Wir mussten eine „Corona-Schicht“ einlegen, das hieß: diese Kranken isoliert unterbringen mit extra Personal versorgen und besonders strenge Hygienemaßnahmen beachten. Zum Glück hatten wir bei der zweiten Welle nur einen Corona-Fall. Allerdings haben sich auch unsere Arbeitszeiten geändert, da die Schichten, um weniger Patientenkontakt zu haben, zeitlich voreinander getrennt werden mussten. Natürlich ist es belastender und zeitintensiver mit Schutzkleidung zu arbeiten, mit einem besonderen Augenschutz, Gesichtsschild und FFP2-Maske, aber das geht vielen anderen ja auch so.

ONETZ: Frau Högner, was fällt momentan besonders schwer?

Gerti Högner: Die Patienten haben mehr Angst. Davor, dass sie sich infizieren, das Virus nach Hause tragen, die Familie anstecken. Auch uns geht das so, der Stressfaktor ist nach oben gegangen. Es sollte halt mit dem Impfen schneller gehen, das würde die Situation deutlich entschärfen. Viel geholfen wäre uns mit zusätzlichen Hilfskräften, die zum Beispiel die Wisch-Desinfektion übernehmen würden.

ONETZ: Herr Hüttner, Sie sind 60 Jahre alt, würden Sie heute noch einmal diesen Beruf ergreifen?

Hans-Jürgen Hüttner: Ich war in jungen Jahren Bezirksleiter einer großen Lebensmittel-Discount-Kette, hatte viel Stress und eine 70-Stunden-Woche. Nach meiner Umschulung habe ich im Jahr 2000 hier angefangen, habe den Wechsel nie bereut. Natürlich hat sich einiges geändert. Der Verwaltungsaufwand ist immer mehr geworden, ganz besonders natürlich für mich als Stationsleiter. Er nimmt heute schon rund 30 Prozent meiner Arbeitszeit in Anspruch. Das geht zu Lasten der Patientenbetreuung und das ist nicht gut.

ONETZ: Wie sieht das bei Ihnen aus, Frau Högner?

Gerti Högner: Dieser Beruf ist schwer mit Kindern und Familie zu vereinbaren. Aber heute bin ich 56 Jahre alt, die Kinder sind groß. Ich war und bin fasziniert von meinem Beruf, er ist vielseitig und interessant. Trotzdem weiß ich nicht, ob ich ihn noch einmal wählen würde. Es ist alles schwieriger geworden, man hat viel weniger Zeit für die Patienten. Aus diesem Grund geben auch viele Kolleginnen und Kollegen auf.

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ONETZ: Schlechte Bezahlung und wenig Wertschätzung. Sehen Sie das auch so, Herr Hüttner?

Hans-Jürgen Hüttner: Wir in unserem Haus haben keine Fluktuation. Unsere 15 Mitarbeiter, Schwestern, Pfleger, Arzthelferinnen, das Assistenzpersonal und der Azubi, bilden ein erfahrenes, überaus motiviertes und meist langjähriges Team. Natürlich nehmen alle die erforderlichen Überstunden in Kauf, anders geht es ja gar nicht. Alle Mitarbeiter empfinden es als sehr ungerecht, dass wir den vom Ministerpräsidenten zugesagten Corona-Pflegebonus nicht erhalten haben. Etwas mehr finanzielle Anerkennung und Wertschätzung würde sicher allen sehr gut tun, zumal stets qualitativ hochwertige Pflege am Patienten ausgeübt wird.
Ich bin froh und stolz, dass wir so ein super Personal haben. Wir sind ein Ausbildungsbetrieb und bieten auch in diesem Jahr eine Lehrstelle für den Beruf eines oder einer medizinischen Fachangestellten an.

ONETZ: Bestimmt gibt es auch die besonderen Erlebnisse in ihrem Berufsalltag?

Gerti Högner: Es ist nicht übertrieben wenn ich sage: Mit unseren Patienten sind wir eine große Familie. Viele kommen schon mehr als 20 Jahre zu uns, da baut man eine Beziehung auf. Man kennt sich gut, man duzt sich, es herrscht eine lockere Atmosphäre, die es beiden Seiten einfacher macht. Natürlich sind wir traurig, wenn es einem unserer Patienten schlechter geht oder wir ihn verlieren. Auf der anderen Seite gibt es auch Freude, wenn zum Beispiel eine Nierentransplantation erfolgreich verlaufen und der Patient gesund geworden ist.

Start der Serie "Corona-Helden"

Sulzbach-Rosenberg
Serie:

Oberpfalz-Medien und Lions-Club küren „Corona-Helden“

Menschen in sozialen Berufen, die sich tagtäglich für ihre Mitbürger einsetzen und in der Pandemie dabei teils auch ihre eigene körperliche oder seelische Gesundheit gefährden: Solche „Corona-Helden“ gibt es auch in Sulzbach-Rosenberg. Der Lions-Club will sie aus der Anonymität holen, ihnen ein Gesicht geben und schlägt dafür ausgewählte Mitarbeiter für ein Zeitungsinterview vor.

Die Serie mit Oberpfalz-Medien soll ihnen öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Sorgen und Nöte bringen, aber auch Respekt zollen für den Dienst an Menschen und Gesellschaft – gerade in Pandemiezeiten. In den folgenden Wochen kommen in losen Abständen weitere „Helden“ aus diesen sozialen Einrichtungen in Sulzbach-Rosenberg zu Wort.

„Viele kommen schon mehr als zwanzig Jahre zu uns, da baut man eine Beziehung auf. Man kennt sich gut, man duzt sich, es herrscht eine lockere Atmosphäre. “

Gerti Högner, Fachkrankenschwester für Dialyse

Schutzkleidung ist belastend aber notwendig im achtsamen Umgang mit den Patienten.

 

 

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