08.04.2021 - 17:54 Uhr
ThansteinOberpfalz

Spurensuche im Netz der Kulzer Ortskanäle

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Fast 60 Jahre alt sind manche Abschnitte des Kanalnetzes in Kulz. Die Gemeinde Thanstein plant, die Leitungen zu sanieren. Im Vorfeld werden Schäden im Untergrund mit digitaler Kamera-Technik aufgespürt.

Bauhofarbeiter Tobias Müller hält in der Hand die Schiebekamera zur Untersuchung des Kanalnetzes. Über eine 70 Meter lange Kabelverbindung können Schächte und Rohre erkundet werden.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Die Planung für die Kanalsanierung in Kulz liegt in den Händen des Neunburger Ingenieurbüros Weiß Beraten und Planen GmbH. Ein Schwerpunkt des Vorhabens ist die Reduzierung sogenannter Fremdwässer. "An manchen Stellen haben wir starke Grundwasser-Zuflüsse", schildert der Thansteiner Bürgermeister Walter Schauer. "Das ist ja eigentlich sauberes Wasser, das wir in der Kläranlage nicht haben wollen."

"An manchen Stellen haben wir starke Grundwasser-Zuflüsse."

Bürgermeister Walter Schauer

Bürgermeister Walter Schauer

Um solche "unerwünschten Zuflüsse in das Entwässerungssystem", wie sie Bauingenieur Anton Ziereis (Büro Weiß) nennt, zu lokalisieren, kommt bei einem Ortstermin in Kulz in der vergangenen Woche eine digitale Schiebekamera zum Einsatz. Der Kamera-Kopf befindet sich am Ende eines 70 Meter langen Kabels, das Bauhofarbeiter Tobias Müller Stück für Stück in einen Kanalschacht gleiten lässt. Ein Leuchtmodul umgibt die Kamera, und über einen Bildschirm kann die Reise in den Untergrund mitverfolgt und aufgezeichnet werden.

Außerdem können Planer und Gemeinde bei der Spurensuche auf Alois Schwendner zählen: Obwohl seit vergangenem September in Ruhestand, hat sich der frühere Gemeindearbeiter bereiterklärt, seine Erfahrungen aus 30 Jahren Dienstjahren und sein Wissen vom Verlauf der Kanäle zu teilen. Denn: "Viele der alten Leitungen sind in den Kanalplänen nur ungenügend dokumentiert", gibt der Bürgermeister zu verstehen. Das betrifft beispielsweise Kanäle über die das Oberflächenwasser direkt in den Kulzer Bach eingeleitet wird. Fast 60 Jahre alt sind manche dieser Entsorgungsanlagen: "Mitte der 1960er Jahren sind die offenen Gräben bei der Straßenasphaltierung geschlossen worden", berichtet Walter Schauer. Ab Ende der 1970er Jahren ergänzten Schmutzwasserkanäle die Entsorgung.

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"Das Kanalsystem in Kulz ist sehr komplex", ergänzt beim Ortstermin Christina Blommer, die bei der Verwaltungsgemeinschaft Neunburg mit dem Förderwesen im Abwasserbereich betraut ist. Unter anderem treffen hier offene Gräben und Verrohrungen auf die Mischwasserkanäle aus der Zeit der Ersterschließung. Hinzu kommt, bedingt durch die Berg-Lage, noch ein großer Anfall an Quellwasserzuflüssen. "Die haben früher den Dorfweiher gespeist", erinnerte der Bürgermeister.

Mehrere Kanalschächte im Verlauf der Kirchstraße und auf einem Verbindungsweg zur Bergstraße werden an diesem Tag untersucht. Trotz moderner Technik: In einem Fall müssen Klopfgeräusche dienen, um den Verlauf einer Leitung bestimmen zu können: Die eingewachsene Wurzel eines alten Baums stoppt den Einsatz der Kameralinse. Lokalisiert werden auch verschiedene überdeckte Schächte, die demnächst wieder freigelegt werden.

Die Schmutz- und Mischwasserkanäle im Ort sind ebenfalls bereits unter die Lupe genommen. Ein erster Abschnitt in Kulz (1760 Meter) war bereits im Juni 2019 untersucht worden. Eine Inspektion der übrigen 3170 Meter Leitungsnetz folgte, außerdem sind noch 140 Schächte begutachtet worden. Mit der Videobefahrung der Kanalleitungen und -schächte wird laut Anton Ziereis der bautechnische Zustand des gesamten Abwassersystems beurteilt. Die Ergebnisse werden im Kanal-Informations-System in einer Datenbank abgespeichert und stehen digital zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung.

Das Kanalnetz wird dann in Zustandsklassen eingeteilt, die den jeweiligen Sanierungsbedarf dokumentieren. Letzter Baustein wird dann das Erstellen eine Sanierungskonzepts. "Ziel ist es, die dringend sanierungsbedürftigen Schäden zu beseitigen und die Fremdwässer durch eine Reparatur oder geeignete Ableitung zu reduzieren", so Planer Anton Ziereis. Für die Umsetzung des Projekts rechnet die Gemeinde mit Kosten von 200 000 Euro, ein Teil soll über die Rücklagen finanziert werden.

Über einen Bildschirm folgen (von links) Bauingenieur Anton Ziereis, der frühere Gemeindearbeiter Alois Schwendner und Bürgermeister Walter Schauer der Schiebekamera.
Dieses Bild aus einer Kamerabefahrung zeigt einen schadhaften Kanalanschluss im Kulzer Leitungsnetz.

Als größte Investition in Thanstein stehen die weiteren Arbeiten am Bürgerhaus im Etat

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