16.09.2021 - 08:47 Uhr
Theuern bei KümmersbruckOberpfalz

Ein Bahnhof für durstige Radler

Warum sich eine Pause am Fünf-Flüsse-Radweg in Theuern besonders lohnt

Der ehemalige Bahnhof in Theuern ist heute ein Kiosk mit Biergarten.
von Evi WagnerProfil

„Ein Helles und eine Currywurst mit Pommes, bitt’schön.“ Es herrschen warme Spätsommertemperaturen, der Biergarten ist voll und Christa Reis hat alle Hände voll zu tun. Seit letztem Jahr ist sie die Radlbahnhof-Wirtin. Zusammen mit ihrem Mann Bernhard, der von allen eigentlich nur Berni genannt wird, sorgt sie für das leibliche Wohl der Gäste. Diese bestehen nicht nur aus Radlfahrern, die auf dem Fünf-Flüsse-Radweg unterwegs sind, und Touristen, sondern auch aus Einheimischen. Einen Stammtisch gibt es ebenfalls, auf dem Holztaferl vor dem Eingang in den ehemaligen Warteraum, der heute als Gaststube genutzt wird, ist es eindeutig zu lesen: „Dahoggandedodeoweidohoggan.“ Für alle, die des Oberpfälzischen nicht mächtig sind, übersetzen die Männer, die es sich hier mit ihrem Bier gemütlich gemacht haben, lachend: „Da sitzen die, die allerweil hier sitzen.“

Und sie sitzen hier nur allzu gerne, die Theuerner. Denn wer kann sonst schon von sich behaupten, dass er einen Bahnhof hat, wo es die beste Currywurst weit und breit gibt? „Die Soße mache ich selber“, sagt die Wirtin. „Und die Wurst hat bei uns stolze 200 Gramm.“ Züge halten hier schon lange keine mehr. Dafür viele Radler, die durstig und hungrig sind und gegen eine Pause nichts einzuwenden haben. Denn schließlich liegt der Radlbahnhof Theuern direkt am Fünf-Flüsse-Radweg, der nicht umsonst als einer der schönsten Radwege Bayerns gilt. Viele, die hier eine Rast einlegen, sind auf der Hirschwald-Runde unterwegs, die auf insgesamt 66 Kilometern das große Forstgebiet des Hirschwaldes umrundet. Die Route startet in Amberg am Landesgartenschaugelände. Auf dem Fünf-Flüsse-Radweg geht es auf einer ehemaligen Bahntrasse schön flach vilsabwärts nach Schmidmühlen.

Christa und Bernhard Reis sind seit letztem Jahr die Radlbahnhof-Wirte.

Auch Katrin, Lukas, Michael und Inge aus Auerbach, die gerade an einem der gemütlichen Tische im Biergarten vom Radlbahnhof sitzen, sind begeistert. „Hier gibt es keine Berge“, sagen sie lachend. „Die Strecke ist leicht zu fahren und die Landschaft hier einfach herrlich.“ Da haben sie wohl absolut recht, denn ab Schmidmühlen führt die ebene Strecke durch das romantische Lauterachtal mitten in die „Bayerische Toskana“ mit ihren Wacholderheiden, verträumten Ortschaften und uralten Kirchen. Ein Traum für jeden Radler. Rund 20 Kilometer des Vilstal-Radwegs, der ein Teil des Fünf-Flüsse-Radwegs ist, verlaufen auf der ehemaligen Bahntrasse von Amberg nach Schmidmühlen. 1988 endete hier der Zugverkehr, einige Jahre später wurde dort, wo früher die Gleise verliefen, ein Radweg ausgebaut. Bahntrassenradeln macht Spaß. Da sind sich alle einig, die hier auf ihrem Drahtesel unterwegs sind.

Und noch mehr Spaß macht’s, wenn man an so einem Schmuckstück wie dem ehemaligen Theuerner Bahnhof vorbeikommt – und dort auch noch eine kühle Halbe, einen leckeren Cappuccino und deftige Biergartenklassiker wie zum Beispiel Wurstsalat, Obatzdn oder eine Brotzeitplatte genießen kann. Oder eben eine Currywurst. Denn wie ist auf einem anderen Taferl hier zu lesen: „Ein Leben ohne Currywurst ist zwar möglich, aber sinnlos.“ Im Sommer und an warmen Herbsttagen ist der Radlbahnhof jeden Tag von 11 bis 21 Uhr geöffnet. „Länger dürfen wir leider nicht auflassen, weil wir uns hier mitten in einem Wohngebiet befinden“, sagt Christa Reis bedauernd. Vielleicht klappt es ja doch noch irgendwann mit längeren Öffnungszeiten. „Auf der Gemeinde hat man mir gesagt, wenn ich eine Unterschriftenliste bringe, auf der alle Anwohner unterschreiben, dass sie nichts dagegen haben, dann könnte es klappen. Vielleicht gehe ich demnächst mal von Haus zu Haus.“

Im Moment hat die Radlbahnhof-Wirtin jedoch anderes zu tun, denn am Ausgabefenster im Biergarten stehen die Durstigen und Hungrigen schon wieder Schlange und warten darauf, dass sie bestellen dürfen. Nur zu gerne reicht Christa Getränke, Pommes und Brotzeiten durch das Fenster, ein nettes Lachen gibt es immer gratis dazu. „Hier treffe ich jeden Tag neue Leute“, erzählt sie. „Das ist richtig schön. Und wenn man dann immer noch so netten Zuspruch bekommt, dann weiß man: Es kann nicht so verkehrt sein, was man macht.“ Jetzt hoffen Christa und ihr Mann Berni auf einen goldenen Herbst, so dass sie den Biergarten vor dem Radlbahnhof auch weiterhin täglich öffnen können. Schließlich macht das Radeln auch in dieser Jahreszeit richtig Spaß. Und nicht nur das Radeln, auch die Pause. Vor allem die am Radlbahnhof Theuern.

"Wachhund" Gismo passt auf.
Noch ist es ruhig am Stammtisch, aber das wird sich in den nächsten Stunden ändern.
ohne Text, spricht für sich
Radler machen hier im Biergarten gerne eine Pause.
Der Radlerbahnhof liegt direkt am Fünf-Flüsse-Radweg.
Bahntrassenradeln im Vilstal macht so richtig Spaß.
Im lauschigen Biergarten lässt es sich wunderbar aushalten.
Info:

Die Geschichte des Bahnhofs Theuern

Im Jahr 1904 billigte der Bayerische Landtag die Bahnstrecke Amberg – Schmidmühlen, noch im gleichen Jahr wird mit dem Bau der Lokalbahn begonnen. Die erste Teilstrecke von Amberg nach Ensdorf wurde im Jahre 1908 in Betrieb genommen, die restliche Strecke bis nach Schmidmühlen im Jahre 1910.

Bis zur Errichtung des Bahnhofgebäudes im Jahr 1948 gab es in Theuern lediglich einen Unterstand mit Warteraum. Der Kartenverkauf erfolgte bis dahin beim Wohnhaus des Bahnhofvorstehers, dieses wurde zwischenzeitlich durch einen Neubau ersetzt.

Im Jahre 1965 wurde der Bahnhof stillgelegt, im Juli 1996 wurde der Personenverkehr eingestellt. Ab diesem Zeitpunkt erfolgte nur mehr ein vereinfachter Nebenbahnbetrieb.

1988 wurde schließlich auch der Güterzugverkehr auf der Strecke eingestellt.

1991 und 1992 wurde die Bahnstrecke zum Radwanderweg ausgebaut.

Die ehemalige Bahnstation in Theuern besteht seit der Nutzungsänderung im Jahr 1995 aus einem Gastraum mit Theke, einem Lagerraum und zwei Toiletten. Vor dem Gebäude gibt es einen Biergarten und einem kleinen Spielplatz.

Der „Radlbahnhof Theuern“ ist heute ein beliebtes Ausflugsziel und Zwischenstopp für durstige Radler am Fünf-Flüsse-Radweg, der an dieser Ache bis nach Regensburg führt.

(Infos: Gemeinde Kümmersbruck)

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