29.04.2020 - 17:11 Uhr
Theuern bei KümmersbruckOberpfalz

Radlbahnhof Theuern mit neuen Wirten

Wenn es nach Christa Reis ginge, könnte der "neue" Radlbahnhof in Theuern sofort öffnen.Wegen der Corona-Pandemie darf die neue Wirtin des Einkehrstopps am Fünf-Flüsse-Radweg aber noch nicht aufmachen.

Christa Reis und Bernhard Janner-Reis würden am liebsten gleich loslegen: Die beiden sind die neuen Wirte des Radlbahnhofs Theuern, direkt am Fünf-Flüsse-Radweg. Er soll wieder öffnen, sobald es die Corona-Vorschriften zulassen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Etliche Interessenten hatten sich beworben, als die Gemeinde Kümmersbruck einen neuen Pächter für den Radlbahnhof in Theuern suchte. Christa Reis und ihr Mann Bernhard Janner-Reis haben im Januar den Zuschlag bekommen. "Weil sie die längsten Öffnungszeiten angeboten haben", wie Bürgermeister Roland Strehl auf Nachfrage verrät.

Tatsächlich wollen die neuen Wirtsleute das kleine Ausflugslokal direkt am Radweg an sechs Tagen der Woche aufmachen. Einen Ruhetag wird es geben - welcher das sein wird, soll sich noch zeigen. Das Paar plant zudem einen ganzjährigen Betrieb - also auch im Winter, wenn nicht mehr viele Radler und Ausflügler kommen. Dann soll der Radlbahnhof an zwei, drei Tagen die Woche ein weiteres kleines Dorfwirtshaus in Theuern sein, sagt Christa Reis - vielleicht auch zum Sonntagsfrühschoppen nach der Kirche.

Das ist möglich, weil sie und ihr Mann nicht nur einen Freiluft-Betrieb vorhaben, wie es ihn schon bei ihrem Vorgänger gegeben hat: Die beiden möchten ihre Gäste auch drinnen in dem historischen Bau bewirten. Wenn das Wetter mal nicht mitspielt im Sommer. Und eben auch, wenn es im Winter zu kalt wird fürs Draußen-Sitzen.

Die Lok erinnert an die Vergangenheit: Der Radlbahnhof Theuern war einst ein richtiger Bahnhof, auf der Vilstal-Strecke. Auf dieser Trasse verläuft heute der Fünf-Flüsse-Radweg.

Spielplatz und Küche neu

Die Gemeinde hat das kleine Gebäude entsprechend neu hergerichtet. Der gemütliche alte Holzboden wurde freigelegt und aufpoliert: Hier, im kleinen Gastbereich, wird es drei Tische mit etwa 30 Sitzplätzen geben. Die Küche wird komplett erneuert und auch der Lagerraum, in dem Christa Reis Kühlschrank und Eistruhe untergebracht hat, ist hergerichtet worden. Draußen, im Bereich des Biergartens, hat sich ebenfalls etwas getan: Hier gibt es einen neuen Kinderspielplatz mit Sandkasten, einer Wippe und einer Spiel- und Kletter-Eisenbahn: Die erinnert daran, dass der Radweg auf der alten Bahntrasse ins Vilstal verläuft. Die Toiletten im Radlbahnhof sind, wenn dieser geöffnet ist, öffentlich zugänglich: Auch wer nicht einkehrt, darf sie benutzen. Das ist vor allem für die Besucher des nahe gelegenen Friedhofs wichtig.

Auch ein öffentliches WC gibt es Im Radlbahnhof. Wenn er geöffnet ist, kann man es benutzen. Das ist vor allem für Besucher des nahe gelegenen Friedhofs wichtig.

Schon seit etwa einem Jahr gibt es an der Außenseite des kleinen Wirtshauses eine Service-Station für Radler: Diese können hier Luft nachfüllen und auch eine kleine Auswahl an Werkzeugen nutzen. Zwei Steckdosen ermöglichen es, dass E-Biker kostenlos ihre Akkus nachladen können, während sie einkehren.

E-Bikes und Handys auftanken

Eine richtige Ladestation sei wegen der großen Investition momentan nicht geplant, war von der Gemeinde zu hören. Allerdings ist vorgesehen, einen abschließbaren Kasten, ähnlich wie die grauen Stromverteilerkästen an Straßenrändern, aufzustellen. Gäste können sich dafür den Schlüssel bei den Wirten holen und ihre Akkus oder auch Handys zum Laden diebstahlsicher einschließen.

Wenn Christa Reis von ihren Plänen erzählt, merkt man: Sie freut sich, wenn sie endlich loslegen darf. Kein Wunder, die Mendorferbucherin stammt aus einem Wirtshaus, wie sie erzählt. Manche kennen sie aus dem Rouherer in Süß: Vier Jahre lang hat sie das Traditionswirtshaus betrieben. Jetzt will sie neu durchstarten. "Nicht mehr so groß" wie früher, aber doch wieder als Wirtin. "Mir fehlt der Umgang mit den Leuten", verrät sie. Einige werden die beiden auch vom Frohnberg kennen, wo sie früher in der Küche und im Service, er am Ausschank gearbeitet hat.

Die Küche ist noch nicht da, es gab Lieferschwierigkeiten wegen der Corona-Krise.

Dass die Coronakrise die beiden momentan noch ausbremst, nehmen Christa und ihr Mann gelassen, obwohl sie schon einiges in "ihre" Wirtschaft investiert haben. Beide arbeiten, Christa geht vormittags putzen, ihr Mann arbeitet bei Grammer in der Frühschicht. Beides lasse sich gut mit dem Betrieb des Radlbahnhofs verbinden, sind sich die Eheleute sicher: Das kleine Ausflugslokal soll von Mittag bis 21 Uhr geöffnet sein. Getränke und Brotzeiten wollen die Wirtsleute anbieten. Wahrscheinlich werden sie auch Hilfskräfte engagieren. "Wenn die Hütte voll ist, schaffst du es zu zweit nicht", meint Bernhard Janner-Reis.

Öffnung: Möglichst bald

Das klingt nach viel Arbeit. Doch die scheuen die beiden nicht. "Wir sind jetzt 16 Jahre verheiratet und waren seitdem erst einmal im Urlaub: Das war unsere Hochzeitsreise", erzählt Christa Reis und lacht. Sie würde am liebsten gleich loslegen. Aber bis dahin muss noch einiges erledigt werden. Vor allem die Küche fehlt noch: Wegen der Coronakrise gab es Lieferprobleme beim Edelstahl. Sobald die Einrichtung komplett ist und die Corona-Vorgaben es erlauben, soll der Radlbahnhof in Betrieb gehen.

Der Theuerner Bahnhof:

Chronologie

1835: erste Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth

1859: Eröffnung der Strecke Amberg-Schwandorf (läuft durch Gemeindegebiet Kümmersbruck, jedoch ohne Haltestelle)

18. Februar 1899: Antrag der Gemeindebevollmächtigten des Vilstals und des Stadtmagristates von Amberg an das Königliches Staatsministerium des Könglichen Hauses und des Äußern auf Errichtung einer Eisenbahnstrecke von Amberg nach Schmidmühlen

14. Juni 1904: Bayerischer Landtag billigt den Bau der Strecke "Amberg-Schmidmühlen" mit voraussichtlichen Kosten von 1310800 Mark

10. August 1904: Königlich Bayerisches Staatsministerium für Verkehrsangelegenheiten genehmigt den Bau der Lokalbahn

24. September 1904: Generaldirektion der Bayerischen Staatseisenbahnen überträgt die Durchführung des Baues der Eisenbahndirektion Nürnberg

23. Februar 1907: Entwurf der Eisenbahndirektion Nürnberg über die Linienführung

1. Mai 1910: Inbetriebnahme Teilstrecke Amberg-Ensdorf (unter anderem mit Stationen in Haselmühl, Lengenfeld, Theuern)

Bis zur Errichtung des Bahnhofgebäudes (1948) gab es in Theuern nur einen Unterstand mit Warteraum. Der Kartenverkauf erfolgte beim Wohnhaus des Bahnhofvorstehers (Kartenverkauf beim Holzerker des Wohnhauses; das Wohnhaus wurde zwischenzeitlich durch einen Neubau erstetzt)

18. Dezember 1910: Inbetriebnahme Teilstrecke zwischen Ensdorf und Schmidmühlen

1948: Bau des jetzigen Bahnhofsgebäudes

1952: Ausbau mit Signalen und Stellwerk, Bau einer Waage (erforderlich aufgrund des Werksverkehrs des Theuerner Steinbruchs)

1960: Bahnhof Theuern erhält Streckenfernsprechanschluss (nach damaligen Stand der Technik)

1965: Stilllegung Bahnhof Theuern

1. Juli 1966: Einstellung des Personenverkehrs, nur mehr vereinfachter Nebenbahnbetrieb

1967: Abbau der Signale

1968 bis 1978: Bahnhof Theuern vermietet als Lagerraum für Propan- und Butangasflaschen (Gloria-Gas)

27. Mai 1988: Einstellung Güterzugverkehr

1990: Landkreis Amberg-Sulzbach erwirbt die Bahnstrecke (inklusive des zugehörigen Bahngebäudes)

1991/1992: Ausbau zum Radwanderweg (Landkreis Amberg-Sulzbach/Sonderbaulast)

24. November 1994: Verkauf Bahnhofsgebäude mit Umgriffsfläche von Landkreis Amberg-Sulzbach an die Gemeinde Kümmersbruck

31. Juli 1995: Baugenehmigung Landratsamt Amberg-Sulzbach, Nutzungsänderung ehemaliger Bahnhof in Gaststätte

Seit 1. Juli 1995: Gastronomische Bewirtschaftung des Gebäudes als Kiosk und Radlerbahnhof am Fünf-Flüsse-Radweg.

(Quelle: Gemeinde Kümmersbruck)

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