21.10.2021 - 18:45 Uhr
Theuern bei KümmersbruckOberpfalz

Rodung für die Kümmersbrucker Westumgehung läuft

Die ersten Bäume sind gefällt. Im Ortsteil Theuern haben jetzt die Vorbereitungen zum Bau der Westumgehung von Kümmersbruck begonnen. Tatsächlich "gebaut" wird dann erst Anfang nächsten Jahres.

Daniel Thurner (links) und Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach erklären auf der Baustelle nahe dem Vilstalradweg in Theuern den Einstieg in den Bau der Kümmersbrucker Westumgehung. Momentan laufen hier Rodungen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Es ist überraschend ruhig beim Treffen mit Stefan Noll, dem zuständigen Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach, Donnerstagmittag beim Vilstalradweg nahe des ehemaligen Steinbruchs bei Theuern: Die schweren Maschinen, mit denen hier gerade Rodungen angefangen haben, mussten kurzfristig auf einer anderen Baustelle aushelfen, weil dort Geräte ausgefallen sind. Die ersten Baumstämme liegen in Theuern aber schon. Daraus werden Hackschnitzel für die Gemeinde Kümmersbruck. "Was wir hier roden, ist die Baufeld-Freimachung", erklärt Noll und betont, dass man dabei ausschließlich auf öffentlichem Grund arbeite.

Nachdem in der vergangenen Woche überraschend öffentlich wurde, dass es jetzt tatsächlich losgeht mit dem Bau der Kümmersbrucker Umgehung, haben ihn besorgte Nachfragen erreicht: Wie kann das Bauamt jetzt schon an der Umgehungsstraße arbeiten, wenn es noch gar keine Grundstücksverhandlungen gegeben hat? Noll winkt ab: Momentan agiere man ausschließlich auf Grund, der der Gemeinde Kümmersbruck gehört. Hier soll im nächsten Frühjahr die erste von insgesamt acht Brücken entstehen, die man für die Umgehung braucht. Und die nötigen Rodungen dürfen laut Noll nur bis Ende Februar laufen, das ist auch in der Planfeststellung so festgeschrieben. Die angekündigte Umleitung für Radler und Fußgänger, die den Vilstalradweg nutzen, sei derzeit noch nicht nötig. Die Firma, die die Bäume fällt, beginnt in den Bereichen, in denen der Radweg nicht tangiert ist.

Brückenbau im Frühjahr

Die Experten schaffen Platz für die künftige Brücke und auch für zwei Regenrückhaltebecken, die später das Oberflächenwasser der neuen Umgehung "reinigen, abpuffern und dann in gedrosselter Art an die Vils abgeben", erläutert Noll. "Der Brückenbau beginnt dann nächstes Jahr im zeitigen Frühjahr, wir sind grade am Ausschreiben." Die Vorbereitungen für die Verhandlungen zum nötigen Grunderwerb laufen auch schon, berichtet Noll. Vorab, und zwar möglichst bald, will die Behörde die Betroffenen zu einer Versammlung einladen, in der man sie über das Projekt informieren will. Das sei bei "mehreren Dutzend betroffenen Grundstückseigentümern und Erbengemeinschaften" wichtig. Die eigentlichen Kaufverhandlungen führe man dann natürlich einzeln.

"Wenn wir die Straße bauen wollen, brauchen wir diese Grundstücke, das ist keine Frage. Da müssen wir verhandeln." Dabei sei man "in der glücklichen Lage, dass wir einige Grundstücke haben, die wir den aktiven Landwirten im Tausch anbieten können. Auch in der Hoffnung, dass der Grunderwerb dann etwas einfacher geht." Ziel der Behörde sei es, sich gütlich mit den Betroffenen zu einigen, unterstreicht Noll – und ist zuversichtlich: "Ich habe da mittlerweile auch 15 Jahre Erfahrung – und fast keinen Fall, wo das nicht gelungen wäre."

"Ein sehr großes Bauvorhaben"

Dass es jetzt gefühlt plötzlich sehr schnell ging mit der Umsetzung, erklärt der Behördenvertreter so: Da sich Kümmersbruck nach seinem Bürgervotum nicht an den Kosten der Umgehung beteiligt, aber durch die Planfeststellung inzwischen Baurecht besteht, hätten das zuständige Ministerium, die Regierung der Oberpfalz und das Bauamt jetzt entschieden, loszulegen. "Und jetzt muss man halt Gas geben" – auch, weil die Planfeststellung nicht zeitlich unbegrenzt gilt: "Mitte nächsten Jahres muss mit dem Bau begonnen sein."

Es geht um 5,7 Kilometer Umgehungsstraße. "Ein sehr großes Straßenbauvorhaben", gibt der Fachmann gern zu: Das sei auch für seine Behörde "nicht Tagesgeschäft." Ein Mammut-Projekt also. Kosten: Rund 40 Millionen Euro. Bauzeit: "Mindestens fünf, eher sieben Jahre." Die Planfeststellung und ein ergänzender Beschluss umfassen laut Noll in den Aktenordnern "weit über 1000 Seiten". Darin sei jedes Detail abgehandelt. "Ein Wesensmerkmal der Planfeststellung ist, dass alles, was damit zusammenhängt, geregelt wird. Und zwar abschließend." Deshalb werde es nun auch keine Überraschungen mehr geben. Das geht laut Noll so weit, dass mehrere Freiflächen-Photovoltaik (PV)-Anlagen, die in Kümmersbruck in Planung sind, auf die Umgehung Rücksicht nehmen müssen: "Im rechtlichen Sinne ist die Straße schon existent, auch wenn sie noch gar nicht da ist."

Lkw auf eigenen Wegen

Die Verkehrsteilnehmer werden übrigens vom Bau der Umgehung wenig mitbekommen. Weil vor der eigentlichen neuen Straße daneben auch schon Feld- und Waldwege angelegt werden, wird der Baustellenverkehr hier unterwegs sein und nicht durch Kümmersbruck rollen. Das, so weiß Noll sehr wohl, wäre mit einer Belästigung verbunden. Und auch für die Bauarbeiten nicht hilfreich: Müssten die Lkw durch Ortschaften fahren, stünden sie dort im Stau oder an roten Ampeln, während sie eigentlich Material transportieren sollten.

Abgesehen davon könnten die Lkw gar nicht auf normalen Straßen fahren, weil sie dafür nicht zugelassen sind: Die "Dumper", die hier eingesetzt werden, sind sehr geländegängige, aber auch besonders schwere und breite Spezial-Lastwagen, wie man sie aus dem Tagebau kennt – und die dürfen außerhalb der Baustelle gar nicht fahren. Dafür können sie Tonnagen bewegen, die man einem normalen Lastwagen nicht aufladen darf: "So ein Dumper kriegt mit einer Fuhre gleich mal 50 Prozent mehr Material weg", erklärt Noll – eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

Umleitung erst am Ende

Wenn der nötige Grunderwerb erledigt ist, werden zuerst die acht Brücken entstehen, danach die Straße dazwischen, erklärt Noll. Gebaut wird von Süden aus in Richtung Norden. Das Gelände sei keine Herausforderung, meint Noll, sieht aber einen klaren Vorteil: Man habe "durchaus bewusst" so geplant, dass die neue Straße in großen Teilen "im Gelände verschwindet. Dann hört man sie zwar, aber man wird sie nicht sehen". Nachteil für das Bauamt: "Das sind natürlich relativ große Erdbewegungen." Das gilt übrigens auch für die künftige Anbindung der Kreisstraße von Ebermannsdorf an die Staatsstraße 2165, die mit der Umgehung vollzogen wird. Das geschieht über einen Kreisverkehr im Bereich der aktuellen Einmündung, die dabei deutlich "tiefer gelegt" wird, wodurch die oft kritisierte "Rampe", die steile provisorische Zufahrt, wegfällt.

Momentan laufen nur vorbereitende Rodungen im Bereich von Theuern. Die eigentlichen Bauarbeiten an der künftigen Brücke werden im nächsten Jahr beginnen. April/Mai, schätzt Noll – "das hängt von der Witterung ab". Der "Riesenvorteil" dieses Projekt sei es, dass man davon "in den ersten Jahren gar nicht viel merken" werde: "Die erste nennenswerte Umleitung wird es geben, wenn die neue Straße in Betrieb ist und wir dann die alte Ortsdurchfahrt in Haselmühl sanieren".

Bau der Westumgehung beginnt im Frühjahr 2022

Kümmersbruck

 

 

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