23.12.2020 - 11:25 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Adventsspaziergang durch das Tirschenreuth von 1951

Für Thomas Sporrer ist es eines der schönsten Zeitzeugnisse, das er bei der Arbeit für die Chronik im Volksboten des Jahres 1951 entdeckte. Ein Spaziergang durchs weihnachtliche Tirschenreuth.

von tspProfil

Ein unbekannter Redakteur schlenderte im Dezember durch die weihnachtlich geschmückte Stadt und beschrieb alle Geschäfte, auf die er traf. Damals bestimmt eine (kostenlose?) Aktion des Volksboten für die Geschäftswelt, jetzt aber eine wunderbare Reise zurück in die unmittelbare Nachkriegszeit, in der sich das Wirtschaftswunder so langsam auf den Weg machte. Auf was der Redakteur damals traf, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen: Knapp sechs Jahre nach dem Ende des verheerenden Zweiten Weltkrieges beschrieb er insgesamt 181 Geschäfte. Neben 136 Einzel- und Großhandelsläden waren das 17 Gasthäuser, 11 Bäckereien, 10 Metzgereien, 3 Brauereien und 4 Banken. Rund um den Marktplatz waren über 80 Geschäfte angesiedelt.

Wie aber verschafft man dem Leser einen Überblick über die genaue Lage der Geschäfte? Mit einem selbstgebastelten übergroßen Stadtplan aus der damaligen Zeit und der Geschichte marschierte Thomas Sporrer zu einem Treffen des Historischen Arbeitskreises. In einer durchaus turbulenten Abendsitzung gelang es, die Geschäfte allesamt einem Standort zuzuordnen und in den Plan einzuzeichnen. Der Überblick war da.

An drei Samstagen im Dezember 1951 schilderte der damalige Redakteur die Tirschenreuther Geschäftswelt: wo die Geschäfte ungefähr lagen, was in den Schaufenstern zu sehen war und warum man gerade in genau dieses Geschäft auch gehen sollte. Bei den unglaublich vielen Anlaufstellen eine wahre Mammutaufgabe.

Weiterer Bericht aus der jüngeren Geschichte Tirschenreuths

Tirschenreuth

Los ging der Rundgang an der Redaktion des Volksboten in der Regensburger Straße (1), vorbei am Kino (3) - (es wurde „Der alte Sünder“ gespielt) – in die Dammstraße. Links und rechts brechend voll mit Geschäften. Weiter ging es entlang der Mühlbühlstraße – vorbei an der Fa. Hoyer & Co (13) – (die neue „Sackflickmaschine“ wurde besonders gelobt) -, dann durch die Porzellanfabrik hin zur Einmündung in die Bahnhofsstraße. Im Weissbierstüberl Geier (18) wurde Station gemacht und u. a. darüber nachgedacht, welchen der neuartigen, „kohlesparenden Öfen“ denn man nun beim Hans Bayreuther (14) hätte kaufen können.

Weiter ging es dann Richtung Marktplatz durch die „Hauptverkehrsader“, die Bahnhofstraße, vorbei an der neuerbauten „Verkaufshalle“ (22-25) mit Fachgeschäften für anspruchsvolle Raucher, der Gärtnerei Bopp, dem Uhrmacher Werner und Leckerbissen beim Feinkostladen Strauß. Falls man sich um die Feiertage zu viel zugemutet hatte, konnte man gleich gegenüber in der Marien-Apotheke (26) alle Mittel für einen „verstimmten Magen“ erwerben.

Und so ging es weiter, vorbei am Sport-Tins (28) - (man tut gut daran, sich jetzt mit Wintersportartikel einzudecken) -, weiter dann zum Friseur Sauer (32), vorbei beim Mikisch (31) und beim Elektro-Bayer (33). Kurzer Abstecher in die Schmeller-Straße zwecks dem „wunderbar schmackhaften“ Fellner-Schinken (37). Am Marktplatz dann rein zum Weinmann (48) wegen der Zigarren, oder um ein Bild vom Lawiczka (50) zu kaufen, und dann „rundumadum“ um dem Marktplatz und den angrenzenden Gassen.

Alle Geschäfte aufzuzählen, geht hier gar nicht, Sie finden Sie in der Chronik, aber gegönnt sei uns noch ein Blick in den Bereich weihnachtliches Essen und Trinken im Tirschenreuth des Jahres 1951: Der Redakteur führt aus: „Es versteht sich von selbst, dass die Metzgereien aufs Beste gerüstet sind, um die vielfältigen Wünsche Ihrer Kunden zu befriedigen! Genannt seien hier die beiden Schels (M01, M02), Jäger (M03), Stumpf (M04), Spitzl (M05), Stadler (M06), Scharnagl (M07), Lippert (M08), Mehler (M09) und Landgraf (M10). Unter ihnen ist ein wahrer Wettstreit um das am „schmackhaftesten“ dekorierte Schau­fenster entstanden.

Für den Christstollen bieten sich zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten bei den Bäckereien Götz (Bä 01), Ries (Bä 02) Fallier (Bä 03), Werner (Bä 04), Maschauer (Bä 05), Frost (Bä 06), Maierl (Bä 07), Brunner (Bä 08), Landgraf (Bä 09), Gleißner (Bä 10) und Schwarzbeck (Bä 11). Mit Hochdruck haben auch die Brauereien Schels (Br 01), Baierl (Br 02) und Kühn Br 03) gearbeitet, um die vielen Gastwirtschaften unserer Stadt mit dem edlen Gerstensaft zu versorgen. Wer an den Feiertagen auf seine gemütliche Tischrunde nicht verzichten will, muß sich vorher klar werden, wo er hingehen will. Hier einige Ratschläge: Anker (G 01), Kistenpfennig (G 02), Kühn (G 03), Forster (G 04), Gallitzdörfer (G 05), Pinzer (G 06), Bayer. Hof (G 07), Höflinger (G 08), zum Schwan (G 09), Schels (G 10), Friedl (G 11), Hotel Mehler (G 12), Mittermeier (Schiedeck) (G 13), Ries (G14), Schels Lotte (G15), Schmidkonz (G16) und Reiß Engelbert (Ziegelanganger) (G17).“

Was für eine interessante Zeit, diese 50er Jahre und der Spaziergang: Nostalgie pur! Zu finden ist der Plan und die ganze Geschichte in der neuen Tirschenreuther Chronik.

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