04.03.2020 - 12:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Ely Eibisch: Mit dem E-Auto zum Landratsamt

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Seit 1991 stellen die Freien Wähler im Landkreis Tirschenreuth den Landrat. Diese Serie will Ely Eibisch fortsetzen. Im Interview verrät er, wie er die erneuerbaren Energien ausbauen will und woher der Name Ely kommt.

Ely Eibisch will nach Karl Haberkorn und Wolfgang Lippert der dritte Landrat der Freien Wähler im Landkreis Tirschenreuth werden.
von Martin Maier Kontakt Profil

Die letzte Stichwahl beim Kampf um den Landratsposten gab es im Landkreis Tirschenreuth 2008. Damals setzte sich überraschend Wolfgang Lippert (Freie Wähler) gegen Herbert Hahn (CSU) durch. Der Kemnather holte damals etwas über 52 Prozent und wurde Nachfolger seines Parteikollegen Karl Haberkorn. Sechs Jahre später folgte die nächste Überraschung: Lippert setzte sich schon im ersten Wahlgang mit knapp 52 Prozent gegen vier Mitbewerber durch. Diesmal will Ely Eibisch in die Fußstapfen des Kemnathers treten. Und dafür hat der Kaibitzer schon einige Vorbereitungen getroffen.

ONETZ: Sie sind landwirtschaftlicher Unternehmer und Bauern-Kreisobmann. Warum wollen Sie sich das Amt des Landrats antun?

Ely Eibisch: Das Ganze ist bei mir gewachsen durch die letzten sechs Jahre im Kreisausschuss. Da bekommt man viel mehr mit als im Kreistag. Das ist eine ganz andere Nummer. Die Art des Miteinanders im Kreisausschuss begeistert mich. Landrat Wolfgang Lippert versucht immer, alle mitzunehmen und über die Fraktionsgrenzen hinweg keinen auszugrenzen. Das will ich gerne so weiterführen und daher kandidiere ich auch.

ONETZ: Sie setzen also voll auf Sieg?

Ely Eibisch: Ende 2018 waren Landrat Lippert, Kreisvorsitzende Gisela Kastner und unser Fraktionssprecher Hans Klupp bei mir. Sie haben mich damals gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Landrat zu kandidieren. Ich habe dann alles mit meiner Familie abgeklärt. Mein Sohn Daniel ist jetzt im heimischen Betrieb und im Entsorgungsunternehmen mit eingestiegen. Der macht das super. Falls ich gewählt werde, werde ich zudem noch einen weiteren Mitarbeiter für zu Hause einstellen. Wenn ich nicht Landrat werde, weiß ich fast nicht mehr, was ich zu Hause tun soll (lacht). Ich habe alles in die Wege geleitet.

ONETZ: Ist es vorstellbar, als Landrat auch der Kreisobmann zu sein?

Ely Eibisch: Vorerst würde ich Kreisobmann bleiben. Aber das wäre natürlich keine Dauerlösung. Da muss man sich nach der Wahl zusammensetzten. Aber der Bauernverband ist sehr gut aufgestellt.

ONETZ: Sie sind unternehmerisch viel im Sektor der erneuerbaren Energie unterwegs. Sehen Sie in diesem Bereich Nachholbedarf im Landkreis?

Ely Eibisch: Wir sind bei den erneuerbaren Energien sehr gut dabei. Wir müssen aber schauen, wie wir alles optimieren können. Gerade bei den Photovoltaik-Anlagen haben wir noch großes Potenzial. Ich sehe kleinere Freiflächen-Anlagen als Option auf Flächen, die schwer zu bewirtschaften sind. Damit könnte man die Wertschöpfung in der Region halten und eine gute dezentrale Versorgung im Landkreis gewährleisten. Aber das muss natürlich alles mit entsprechenden Speichermöglichkeiten geschehen. Und da sind Power-to-Gas-Anlagen eine gute Lösung. Zwei, drei große Anlagen in der nördlichen Oberpfalz würden ausreichen. Ich kann mir das in einer kommunalen Zusammenarbeit ähnlich wie beim Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) vorstellen.

ONETZ: Wie ist Ihre Position zu Windrädern? Ein möglicher Standort im Hessenreuther Wald sorgt immer wieder für Gesprächsstoff.

Ely Eibisch: Windräder haben einen großen Nachteil: Durch ihre Größe beeinflussen sie ein sehr weites Gebiet. Wichtig ist, die Bürger vor Ort bei solchen Sachen mit einzubinden. Wenn ich bei mir in Kaibitz Richtung Landkreis Bayreuth schaue, sehe ich zig Windräder. Damit habe ich persönlich kein Problem. Ich denke, es gibt schon Flächen bei uns im Landkreis, wo Windräder möglich wären. Den Hessenreuther Wald sehe ich aber als nicht geeignet, da er ein wichtiges Naherholungsgebiet ist.

ONETZ: Ein heiß diskutiertes Thema ist auch der Süd-Ost-Link. Braucht es diese Gleichstromtrasse?

Ely Eibisch: Einigen Kommunen wären durch die Trasse ihre Entwicklungsmöglichkeit komplett genommen. Das können wir nicht hinnehmen. Eine Klage müssen wir entsprechend gemeinsam mit den betroffenen Kommunen organisieren. Ich gehe davon aus, dass wir den Süd-Ost-Link nicht brauchen. Wenn wir unsere erneuerbaren Energien berücksichtigen, haben wir unser Netz stabil.

Erklärvideo zur Wahl:

ONETZ: Ein weiteres dickes Brett, das Sie als Landrat bohren müssten, ist die Kliniken Nordoberpfalz AG. Lassen sich alle vier Krankenhäuser im Landkreis Tirschenreuth erhalten?

Ely Eibisch: Klar ist, dass sich bei der Anteilsverteilung der drei Aktionäre Tirschenreuth, Neustadt/WN und Weiden etwas ändern muss. Grundsätzlich ist die AG die richtige Form für unsere Krankenhäuser. Eine GmbH als juristische Person zur Sicherung unseres Versorgungsauftrages passt nicht. Bei der jetzigen Ausrichtung der Erstattungen der Krankenkassen erwirtschaften wir keinen Gewinn. Dem Kreistag Tirschenreuth ist bewusst, dass unsere Krankenhäuser dem Landkreis Geld kosten, wenn wir die kleinen Häuser aufrecht erhalten wollen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das auch im Landkreis Neustadt/WN und der Stadt Weiden der Fall ist. Ich glaube nicht, dass es zu einer Schließung eines Standorts im Landkreis Tirschenreuth kommt. Vielleicht müssen andere Schwerpunkt gesetzt werden, aber wir brauchen die vier Häuser.

ONETZ: Sie propagieren immer wieder die Etablierung von Runden Tischen. In welchen Bereichen können Sie sich dieses Format vorstellen? Besteht nicht die Gefahr, dass man mit der Zeit alles zerredet?

Ely Eibisch: Einen Runden Tisch sollte es im Bereich Landwirtschaft und Naturschutz geben. Es geht darum, gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Bisher wird sich in keinster Weise zusammengesetzt. Auch im Bereich erneuerbare Energien sind Runde Tische wichtig. Beispielsweise muss man bei Windrädern alle Akteure zusammenholen, um abwägen zu können. Als Landrat würde ich mich an jeden dieser Tische als Moderator setzen. Ein Jugendparlament ist auch eine Art Runder Tisch. So ein Gremium will ich haben. Aber da brauche ich nicht extra eine Wahl, sondern würde es über die Schulen, Vereins- und Organisationsvertreter besetzten. Wichtig ist, dass diese Institution ihr eigenes Budget hat.

ONETZ: Was versprechen Sie sich von einem Beitritt zum Innovationsring des Bayerischen Landkreistages?

Ely Eibisch: Ich will ein bürgerfreundliches Landratsamt. Der Innovationsring hilft beim Ausbau der digitalen Behörde. Es geht darum, Verwaltungsabläufe zu digitalisieren und zu vereinfachen. Damit können wir die Mitarbeiter entlasten und schaffen es, dass die Bürger mehr von zu Hause aus erledigen können.

ONETZ: Zudem haben Sie Bürgersprechstunden angekündigt.

Ely Eibisch: Der Wahlkampf hat mir gezeigt, dass den Bürgern der direkte Kontakt sehr wichtig ist. Das muss man aufrechterhalten. Ich stelle mir eine monatliche Sprechstunde des Landrats an einem Freitagnachmittag oder -abend vor. Damit will ich die Nähe zur Basis aufrechterhalten.

ONETZ: Wie sehen Sie den Landkreis im Tourismus aufgestellt?

Ely Eibisch: Da haben wir ein Riesenpotenzial. Da sehe ich uns erst am Anfang. Da hat uns der Bayerische Wald einiges voraus, die dortige touristische Entwicklung der vergangenen zehn Jahre ist bewundernswert. Aber was bietet der Bayerische Wald, was wir nicht haben? Nichts. Wir müssen uns aber viel besser vermarkten. Es braucht eine zentrale Stelle, die alles organisiert.

ONETZ: Der öffentliche Personennahverkehr ist ein Dauerthema. Mit dem Baxi hat der Landkreis einen Exportschlager gelandet. Trotzdem gibt es auch immer wieder Kritik.

Ely Eibisch: Unser Vorteil ist, dass der Landkreis mit den Baxi etwas Wegweisendes geschaffen hat. Das muss man weiter ausbauen. Die Landkreisgrenzen sind für den Bürger vor Ort aber nicht entscheidend. Da müssen wir uns mehr Richtung Marktredwitz, Eger, Bayreuth, Nürnberg, Weiden und Neustadt/WN öffnen. Dabei sind auch die Verkehrsverbünde wichtig.

ONETZ: Auch wenn sich der Rückgang verlangsamt hat: Die Einwohnerzahlen im Landkreis gehen weiter zurück. Wie wollen Sie dem entgegenwirken?

Ely Eibisch: Es stellt sich immer die Frage, wie ich meinen Landkreis stabilisieren kann. Das geht nur über Zuzug. Und dafür brauchen wir die entsprechenden Arbeitsplätze, die wir auch bieten können. Wir brauchen auch ein Rückholmanagement, um die Leute, die hier groß geworden sind, zurückzuholen.

ONETZ: Wenn der neue Landrat Ely Eibisch heißt, wird es dann ein Motorrad als Dienstfahrzeug geben?

Ely Eibisch: Ich bin ein Maschinen-Freak. Ich habe schon immer ein Motorrad. Aber wenn ich Landrat werde, kaufe ich mir ein E-Auto. Mit dem fahre ich dann jeden Tag zur Arbeit ins Landratsamt nach Tirschenreuth.

ONETZ: Zum Abschluss eine Frage, die Sie wohl öfter hören: Woher kommt der Name Ely?

Ely Eibisch: Der Name kommt von meinem Opa, der auch Ely geheißen hat. Er wurde am Elisabeth-Tag (Anmerkung der Redaktion: 19. November) geboren. Daher wurde aus Elisabeth ein Ely gemacht. Ich habe nachgeschaut, das ist in Deutschland ein normaler männlicher Vorname. Aber bei uns in der Region ist der Name natürlich sehr unüblich. Da bin ich wohl der Einzige.

Zur Person:

Ely Eibisch ist 51 Jahre. Mit seiner Frau Martina hat er drei erwachsene Söhne (Benjamin, Daniel und Elia). Er lebt in Kaibitz, bewirtschaftet dort mit seiner Familie eine 90 Hektar große Landwirtschaft. Zudem gehört ihm auch eine Vererdungsanlage. Eibisch ist Diplomingenieur (FH) im Fachbereich Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt Agrarökonomie. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) ist seit 2018 auch stellvertretender BBV-Präsident der Oberpfalz. Seine Leidenschaft sind Jagdhornblasen und Motorradfahren.

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