05.03.2020 - 11:33 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Roland Grillmeier: Als Landrat mehr den Takt vorgeben

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Roland Grillmeier will die Ära der Freien-Wähler-Landräte im Landkreis Tirschenreuth durchbrechen. Der CSU-Politiker setzt auf seine Erfahrung als Bürgermeister. Im Interview erklärt er, wie er die Rolle als Landrat interpretieren würde.

Nach 18 Jahren als Bürgermeister von Mitterteich will Roland Grillmeier die nächste Stufe auf der Karriereleiter nehmen und Landrat werden.
von Martin Maier Kontakt Profil

Seit 1991 beißt sich die CSU die Zähne an den Freien Wählern aus: Obwohl die Christsozialen immer die stärkste Fraktion im Kreistag stellten, gelang es ihnen nicht mehr, den Landratsposten zu gewinnen. Vor zwölf Jahren scheiterte Herbert Hahn in der Stichwahl mit knapp 48 Prozent. 2014 musste sich Alfred Scheidler im ersten Wahlgang mit knapp 33 Prozent begnügen. Nun will es Roland Grillmeier wissen. Der Mitterteicher Bürgermeister vermisst bisher in vielen Bereich die koordinierende Hand des Landrats. Das Interview führten Wolfgang Benkhardt und Martin Maier.

ONETZ: Von allen vier Landratskandidaten haben Sie am meisten zu verlieren, da Sie nicht mehr als Bürgermeister antreten können. Die anderen drei können nach einer Niederlage in ihren momentanen Berufen weiterarbeiten. Haben Sie einen Plan B, falls Sie nicht gewählt werden?

Roland Grillmeier: Die Frage kommt immer wieder. Aber was soll ich für einen Plan B haben? Es gibt keine Stelle in München oder sonst irgendetwas. Ich bin seit 18 Jahren Bürgermeister und nun will ich als Landrat mehr überörtlich beeinflussen. Die interkommunale Zusammenarbeit nimmt immer mehr zu. Daher war der Schritt zur Kandidatur eine bewusste Entscheidung. Ich bin seit 30 Jahren in der Politik aktiv und dort werde ich auch weiterhin eine Rolle spielen. Eine Wahl ist immer eine Herausforderung. Es gibt keinen Selbstläufer. Ich war bei jeder Bürgermeisterwahl auch nicht sicher, ob ich wiedergewählt werde.

ONETZ: Die Freien Wähler stellen seit fast 30 Jahren den Landrat im Landkreis. Warum klappt es diesmal mit einem CSU-Kandidaten?

Roland Grillmeier: Die CSU hat in den vergangenen Jahren viele Themen und Probleme direkt in den Städten und Gemeinden sowie mit interkommunalen Allianzen gelöst. Wir hätten uns aber in dem einen oder anderen Bereich eine stärkere Rolle des Landrats gewünscht.

ONETZ: Können Sie das konkretisieren?

Roland Grillmeier: Das betrifft die Themen Bauen, Tourismus, Regionalmanagement, die deutsch-tschechische Zusammenarbeit sowie die Zusammenarbeit mit Neustadt/WN und Weiden. Da ist im Landkreis Tirschenreuth Luft nach oben. Ich glaube, da spreche ich für viele Bürgermeisterkollegen. Auch die Kooperation Richtung München und Berlin ist ausbaufähig. Das bestätigen mir unsere Abgeordneten immer wieder.

ONETZ: Kritik wurde auch immer wieder rund um die Kliniken Nordoberpfalz AG laut. Es hieß, die CSU hätte sich ein stärkeres Auftreten des Landkreises gewünscht.

Roland Grillmeier: Ich glaube, an diesem Thema kann man es schwierig festmachen. Ich sehe schon die komplexe Lage. Da will ich unserem Landrat keinen Vorwurf machen. Es lag vielleicht auch mit an der fehlenden Gesprächsbereitschaft aus Richtung Neustadt/WN und Weiden. Klar ist, dass wir die vier Krankenhaus-Standorte im Landkreis brauchen. Der AG-Gedanke ist bisher offensichtlich nicht richtig gelebt worden. Letztendlich macht es die Konstellation mit drei Trägern nicht einfach.

ONETZ: Daran wird sich aber nichts ändern.

Roland Grillmeier: Natürlich nicht. Wir sind aber durch den neuen Vorstand Thomas Egginger und die Einbindung des Beratungsbüros Oberender auf einem guten Weg. Sie müssen jetzt im April ein entsprechendes Konzept vorlegen, mit dem man drei, vier Jahre arbeiten kann. Da muss alles auf den Prüfstand. Und man muss auch mit den Standort-Bürgermeistern reden. Es geht darum, was sie beitragen können, um Häuser zu erhalten.

ONETZ: Sehen Sie die Rechtsform als Problem?

Roland Grillmeier: Das ist für mich momentan kein Thema. Die Grundlagen der AG muss man so anpassen, dass sie die tatsächlichen Verhältnisse abbilden, indem die Anteile entsprechend auf die drei Träger aufgeteilt werden. Die Träger-Konstellation ist nicht entscheidend. Wichtig ist zu definieren, wieviel Geld jedem Träger die Krankenhäuser wert sind.

ONETZ: Wieviel Geld wäre einem Landrat Grillmeier der öffentliche Nahverkehr wert?

Roland Grillmeier: Das Baxi ist ein gutes Modell für das Land. Ich habe aber nicht nur Positives darüber gehört. Es geht um Erreichbarkeit und einfachere Buchungsmöglichkeiten. Auch der Anschluss an den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) ist nötig. Und ohne Individualverkehr wird es bei uns nie gehen. Man muss dieses Thema vielschichtig bearbeiten. Wir werden sicher die gleiche Menge an Geld wie bisher für den öffentlichen Nahverkehr in die Hand nehmen.

Erklärvideo zur Wahl:

ONETZ: Die Diskussionen um Windräder sind immer wieder mit sehr vielen Emotionen verbunden. Sie haben sich gegen Windräder im Hessenreuther Wald positioniert. Warum?

Roland Grillmeier: Ich bin kein Gegner von Windrädern. Aber ich habe weder im Stiftland noch im Steinwald bisher die große Bereitschaft erlebt, Windräder aufzustellen. Daher will ich das keinem überstülpen.

ONETZ: Auch der Süd-Ost-Link wird den Landkreis künftig noch stark beschäftigen.

Roland Grillmeier: Über den Verlauf des Süd-Ost-Links bin ich nicht glücklich. Die Trasse ist in weiten Teilen an der Autobahn A93 möglich. Da bin ich mir nach Gesprächen mit der Autobahndirektion sicher. Im Notfall müssen aber die betroffenen Kommunen den Klageweg beschreiten. Zwar kann der Landkreis nicht selber klagen, er ist aber unsere Speerspitze im „Hamelner Bündnis“. Da erwarte ich von einem Landrat, dass er sich für die Autobahn-Variante einsetzt. Da gibt es sehr wohl Einflussmöglichkeiten, denn ein Landrat findet in München anderes Gehör als ein Bürgermeister.

ONETZ: Zum Thema Energie passt auch ein Klimschutzmanager. Braucht der Landkreis so einen Posten?

Roland Grillmeier: Darüber sprechen wir momentan in der Ikom Stiftland und der Steinwald-Allianz. Vielleicht lässt sich ein Klimaschutzmanager auch in die beiden Öko-Modellregion einbinden. Vom Landkreis fehlt hier aber einfach die Koordinierung. Das will ich als Landrat viel mehr in die Hand nehmen.

ONETZ: Um die Zusammenarbeit mit Tschechien zu verbessern, forderte Ihre Partei eine grenzüberschreitende Koordinierungsstelle. Diese scheiterte an der Finanzierung. Sehen Sie trotzdem Möglichkeiten, diese Stelle zu schaffen?

Roland Grillmeier: Das ist leider etwas im Sand verlaufen. Wir brauchen aber diesen Posten. Es gibt beispielsweise beim Beratungsbüro bayerisch-tschechischer Grenzraum eine Stelle in Weiden. Die nutzen wir offenbar überhaupt nicht. Möglicherweise gibt es hier Potenzial. Bei der Schaffung einer Koordinierungsstelle haben wir eine schwierige Gemengelage. Da müssen wir mehr Energie hineinstecken. Vielleicht ist es sinnvoll, auf Nordoberpfälzer Ebene etwas zu schaffen. Möglicherweise könnte es auch mit Wirtschaftsförderung und Regionalmarketing eine gemeinsame Agentur werden. Da gibt es schöne Beispiele in Bayern.

ONETZ: Beim Bauamt haben Sie und einige Bürgermeisterkollegen schon öfter mehr Flexibilität angemahnt. Wie ist das zu verstehen?

Roland Grillmeier: Was wir als Bürgermeister vermisst haben: mehr Einbindung der Rathauschefs bei Bausachen. Da hat es zwei, drei Schreiben gegeben. Es geht einfach darum, wie Bauanträge schneller die Behörde durchlaufen können. Es kann nicht eine Anfrage über sechs Monate liegen bleiben, weil eine Fachstelle unterbesetzt ist. Da habe ich vor kurzem selber einen Fall gehabt. Man muss Mut haben, notfalls selber Entscheidungen zu treffen. Es läuft aber vieles auch gut. Ich will nicht alles verurteilen, denn die gesetzlichen Auflagen steigen immer mehr. Es geht nicht um Pauschalvorwürfe. Ich will, dass die kommunalen Bauämter besser eingebunden werden und wir zu einer intelligenten Ortsplanung kommen. Die Grundlagen dafür haben wir schon. Denn die Ikom Stiftland und die Steinwald-Allianz haben all ihre Kommunen einem Vitalitätscheck 2.0 unterzogen. Diesen besser zu nutzen, dazu hat es auch Gespräche auf Landkreisebene gegeben. Nur nutzen wir diese Erkenntnisse nicht. Ich will die koordinierte Planung als Landrat voranbringen, mit den Bürgermeistern.

ONETZ: Und was würden Sie ändern, um die negative Bevölkerungsentwicklung zu stoppen?

Roland Grillmeier: Die Stimmung im Landkreis ist wesentlich besser als Anfang der 2000er Jahre. Land hat neuen Wert. Zwei Hauptfelder sind sicherlich das Schaffen von neuem Wohnraum und das Erhalten des Gesellschaftslebens. Dazu sind funktionierende Vereine wichtig. Daher kann ich mir vorstellen, einen Ehrenamts- oder Bürgerschaftspreis auszuschreiben.

ONETZ: Ein funktionierendes Gesellschaftsleben ist auch für den Tourismus wichtig. Sehen Sie in diesem Bereich noch Verbesserungspotenzial im Landkreis?

Roland Grillmeier: Das war für mich schon immer ein Thema. Das Problem ist: Uns fehlen mehr Investitionen in Gastronomie und Betten. Es gibt positive Beispiele, aber ich sehe schon noch Potenzial. Steinwald-Allianz und Ikom Stiftland machen hier viel. Zudem vernetzt sich der Landkreis immer mehr Richtung Oberpfälzer Wald. Das finde ich richtig. Es ist aber noch mehr Abstimmung nötig. Da müssen wir an der Dachmarke Oberpfälzer Wald arbeiten. Wir werden aber nie von Touristen überrannt werden. Das Naturtourismus-Thema müssen wir natürlich weiterspielen. Das Entscheidende ist die Qualität.

Zur Person:

Roland Grillmeier ist seit 2002 Bürgermeister von Mitterteich. Der 48-Jährige hat mit seiner Frau Claudia zwei Kinder (Jonas und Lara-Marie). Schon als 24-Jähriger saß er im Kreistag. Seit 2008 ist er einer der Stellvertreter des Landrats. Zudem ist Grillmeier Vorsitzender der Ikom Stiftland. Als Hobbys gibt er Radfahren, Freizeitsport und Zeit mit Familie verbringen an.

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