02.03.2020 - 18:39 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Thomas Döhler: Mehr Geld für öffentlichen Nahverkehr

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Die SPD schickt im Landkreis Tirschenreuth Thomas Döhler in das Rennen um das Amt des Landrats. Im Interview verrät der Pechbrunner, wie er den öffentlichen Nahverkehr ausbauen will und was es mit einer "Guti-Karte" auf sich hat.

Thomas Döhler ist ein Verfechter eines Jugendparlaments. Dies würde er als neuer Landrat im Landkreis Tirschenreuth einführen.
von Martin Maier Kontakt Profil

Die Sozialdemokraten haben es schwer im Landkreis: 2008 schnupperte Rainer Fischer als Landratskandidat an der 20-Prozent-Marke. Vor sechs Jahren holte Brigitte Scharf knapp 12 Prozent. Nun hat Thomas Döhler für die SPD seinen Hut in den Ring geworfen. Der 49-Jährige lebt in einer sehr politischen Familie. Schließlich tritt sein Frau Ute für die Grünen in Pechbrunn als Bürgermeisterkandidatin an.

ONETZ: Unsere Zeitung hat Sie als Außenseiter für die Landratswahl tituliert. Sehen Sie das auch so?

Thomas Döhler: Ich mache diese Kandidatur zur Unterstützung der SPD. Als zweitgrößte Partei im Landkreis steht es uns gut zu Gesicht, wenn wir einen Landratskandidaten stellen. Mein Ziel ist es, dass wir als SPD stark im Kreistag vertreten sind und unsere Themen setzen können. Man kann es nie sagen, wie die Gemengelage ist, vor allem bei vier Kandidaten. Ich lasse das auf mich zukommen.  Auch Außenseiter können gewinnen.

ONETZ: Welche Themen wollen Sie mit Ihrer Partei einbringen?

Thomas Döhler: Vorne stehen für mich die erneuerbaren Energien, die ärztliche Versorgung und die Zukunft der Kliniken Nordoberpfalz AG sowie das Vorankommen beim öffentlichen Nahverkehr. Mit dem Baxi haben wir ein erfolgreiches Modell. Aber ich sehe den Nachteil, dass man einen Tag vorher anrufen muss und es keinen festen Takt für Pendler gibt. Das wäre mein großer Wunsch.

ONETZ: Das wird möglicherweise am Geld scheitern.

Thomas Döhler: Für Straßen ist auch Geld da. Und in München funktioniert es auch, wenn man da die Taktdichte sieht. Natürlich muss nicht jede Stunde ein Bus fahren, aber zumindest alle zwei Stunden. Da muss man einfach Geld in die Hand nehmen. Wenn es ein Angebot mit einer festen Taktung gibt, würde es angenommen. Das habe ich selber als Straßenbahn-Fahrer erlebt. Man kann auch mit kleineren Bussen fahren. Zudem ist die Barrierefreiheit in diesem Bereich wichtig.

ONETZ: Für was wollen Sie sich noch einsetzen?

Thomas Döhler: Natürlich für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Da haben wir im Landkreis ein riesiges Potenzial, egal ob Wind, Biomasse oder Photovoltaik. Wir könnten selber viel mehr erzeugen, als wir selber brauchen. Dadurch könnten wir auch Geldeinnahmen generieren.

ONETZ: Sie gelten als Befürworter von Windrädern, auch im Hessenreuther Wald. Warum?

Thomas Döhler: Wenn man im Hessenreuther Wald eine riesige Schneise für die B299 durchschlagen kann, dann stellt sich für mich die Frage, was man gegen Windräder hat, die sauberen Strom erzeugen. Auch bei Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen bin ich mittlerweile zu dem Standpunkt gekommen, dass man solche Sachen genehmigen sollte, wenn die Investoren nicht von außerhalb kommen. Aber zuerst sollte man die ganzen Potenziale auf Hausdächern ausschöpfen.

ONETZ: Seit einiger Zeit sind die Kliniken Nordoberpfalz immer wieder in den Schlagzeilen. Die AG braucht von den drei Trägern noch mehr Geld. Entscheidungen dazu sollen am 23. April veröffentlicht werden. Finden Sie den Zeitpunkt richtig?

Thomas Döhler: Natürlich können die neu gewählten Köpfe an diesem Tag noch keinen Einfluss darauf nehmen. Die jetzigen Aufsichtsratsmitglieder werden aber nichts machen, was den Kliniken schadet. Sie haben den besten Einblick. Ein Wirtschaftsunternehmen hat nicht ewig Zeit für solche Entscheidungen. Neue Leute müssten sich auch erst einarbeiten. Wichtig ist, die Finanzierungsbasis auf neue Füße zu stellen: Entweder jede Gebietskörperschaft (Anmerkung der Redaktion: Landkreise Tirschenreuth, Neustadt/WN sowie Stadt Weiden) trägt ein Drittel der Kosten oder man geht nach den Einwohnerzahlen. Und durch eine neue Unternehmensform muss gewährleistet werden, dass künftig auch alle Kreisräte entsprechende Informationen bekommen. Ziel ist, die wohnortnahe Versorgung zu erhalten. Ob man es schafft, alle Häuser zu erhalten, kann ich nicht beurteilen. Dafür habe ich momentan zu wenig Einblicke.

Erklärvideo zur Wahl:

ONETZ: Sie sind Mitarbeiter im Büro der Landtagsabgeordneten Annette Karl. Mit welchen Sorgen und Nöten wenden sich Kommunen und Bürger an das Büro? Können Sie davon etwas für Ihre Arbeit als Kommunalpolitiker mitnehmen?

Thomas Döhler: Für Kommunen ist die große Problematik: Wie erhalte ich meine Infrastruktur? Das betrifft unter anderem Freibäder, Wasserversorgung/Abwasser, Straßen, Schulen und Leerstände. Bei Leerständen könnte ich mir vorstellen, dass man ein kleines Förderprogramm auflegt, das den Mehraufwand im Gegensatz zu einem Neubau abfedert. Eine Innenstadt, die belebt ist, zieht mehr Leute an. Viele Bürger wenden sich auch an das Büro, weil sie Probleme mit der Bürokratie haben. Da müssen die Behörden viel transparenter werden.

ONETZ: Das führt mich direkt zum Landratsamt: Würden Sie es organisatorisch anders aufstellen?

Thomas Döhler: Es gibt gewisse Zwänge beim Abteilungszuschnitt. Was ich mir vorstellen könnte, wäre ein Bürgerbüro, das einen an die richtigen Stellen verweist.

ONETZ: Die Tourismuszahlen haben sich im Landkreis die vergangenen Jahre positiv entwickelt. Sehen Sie in diesem Bereich trotzdem Verbesserungspotenzial?

Thomas Döhler: Eine Idee wäre, dass Urlauber öffentliche Verkehrsmittel kostenlos nutzen dürfen. Ein Beispiel dafür ist die „Guti“-Karte (Gästeservice-Umwelt-Ticket) im Bayerischen Wald. Die habe ich schon mit meiner Familie selber im Urlaub genutzt. Aber dafür braucht es natürlich einen entsprechenden Nahverkehr. Mit so einer Karte würde man auch Bedarf für die Busse erzeugen. Und Region Stiftland-Steinwald ist ein sehr sperriger Begriff. Wer kann da überregional etwas damit anfangen? Man müsste viel mehr an dieser Marke arbeiten.

ONETZ: In Ihrem Werbeprospekt fordern Sie eine Stabilisierung des Gründerzentrums. Wie ist das zu verstehen?

Thomas Döhler: Das bezieht sich auf den Mietvertrag mit der Kewog und die Auslastung. Natürlich brauchen wir die Räume für neue Unternehmen. Da ist das Gründerzentrum eine gute Basis. Daher sollte diese Einrichtung erhalten werden. Auch bei Neuansiedlung oder Erweiterung von Betrieben setze ich mich dafür ein, dass das möglichst zügig abgewickelt wird, damit die Unternehmen Planungssicherheit haben.

ONETZ: Sie sind ein Verfechter eines Jugendparlaments. Wie stellen Sie sich den Aufbau dieses Gremiums vor?

Thomas Döhler: Da sollten wir an die weiterführenden Schulen und Jugendbeauftragten der Gemeinden ran und über diese die Interessen der Schüler abfragen. Das Jugendparlament bräuchte eine ordentliche Satzung, die ihm garantiert, dass seine Beschlüsse auch im Kreistag behandelt werden. Zudem könnte ich mir ein kleines Budget über 10.000 Euro vorstellen, über das die Jugendlichen selber verfügen. Das gibt es beispielsweise im Landkreis Würzburg. Wichtig ist, den jungen Menschen zu zeigen, wie Demokratie funktioniert.

ONETZ: Ihre Frau ist Bürgermeisterkandidatin der Grünen in Pechbrunn. Zudem treten ihre zwei älteren Töchter dort auf der Gemeinderatsliste der Grünen an. Haben Sie sie nicht von den der SPD überzeugen können?

Thomas Döhler: Bei uns zu Hause wird ständig politisiert. Wir reden viel darüber. Vielleicht kann ich meine zwei jüngeren Töchter noch von der SPD überzeugen. Aber ich bin ja auch ein wenig Grün angehaucht.

Zur Person:

Thomas Döhler ist 49 Jahre. Er ist in Dessau (Sachsen-Anhalt) aufgewachsen. Mit seiner Ehefrau Ute hat er vier Töchter: Ina (20), Jule (18), Karla (14) und Luise (13). Der gelernte Schuhmacher, Trambahnfahrer und kaufmännische Assistent ist seit 2000 in Pechbrunn zu Hause. Nach der Geburt der ersten Tochter ging er in Elternzeit, „damit meine Frau ihr Referendariat als Lehrerin fertig machen konnte. Das war kein Problem. Warum sollte ich das nicht schaffen, was sonst die Frauen machen?“ Seit 2008 arbeitet er im Bürgerbüro der SPD-Landtagsabgeordneten Annette Karl. Zu seinen Hobbys zählt er Orientierungslauf und Spaziergänge mit seinen zwei Mischlingshunden.

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