03.05.2019 - 20:47 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Funktion gepaart mit Ästhetik

Das neue Feuerwehrgerätehaus der Tirschenreuther Wehr ist mehr als ein Zweckbau. Was auf einer Fläche von 6500 Quadratmetern für 6,5 Millionen Euro entstand, hat Modellcharakter in der nördlichen Oberpfalz.

von Lena Schulze Kontakt Profil

"Es ist eine der größten und bedeutendsten Infrastrukturmaßnahmen in der Geschichte der Stadt Tirschenreuth", erklärt Bürgermeister Franz Stahl. Gemeint ist das neue Feuerwehrgerätehaus der Tirschenreuther Wehr. Nach einer Bauzeit von zwei Jahren konnte der Neubau am Freitagnachmittag eingeweiht werden. Gäste aus Politik, Nachbarfeuerwehren, Polizei und Rettungsdienste und am Bau Beteiligte: Rund 300 Gäste waren zur Feier in das neue Heim der Feuerwehr der Kreisstadt eingeladen.

In seiner Begrüßung blickte Bürgermeister Franz Stahl auf die Entstehung zurück. Das bisherige Gebäude am Lengenfelder Weg, das in den 60er Jahren erbaut wurde, sei stark sanierungsbedürftig, zudem seien die Garagen für die zehn Feuerwehrfahrzeuge zum Teil zu klein. Auch die ungünstige Lage in der Innenstadt und die Nähe zu Grundschule sei bei Einsätzen problematisch. "Ein Neubau war finanziell gesehen die wirtschaftlichste Lösung", betont Stahl.

Rückblick zum Richtfest:

Zwei Jahre Bauzeit

Bereits 2001 gab es erste Überlegungen zu diesem Vorhaben. Den Beschluss zum Neubau fällte der Stadtrat 2012, ein Jahr später wurde der Standort im Norden der Stadt festgelegt. Der Spatenstich erfolgte dann im April 2017. Zu Beginn waren für den Neubau 4,4 Millionen Euro veranschlagt. Diese Summe wuchs schließlich auf 6,5 Millionen Euro an. Die Feuerwehr Tirschenreuth steuerte 40 000 Euro bei, der Freistaat förderte mit 860 000 Euro, der Eigenanteil der Stadt beträgt 5,64 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das alte Feuerwehrhaus kostete 300 000 Euro.

Der Neubau an der Mitterteicher Straße sei mit ausreichend Platz und zwei Ausfahrten ein günstiger Standort. Wichtig war dem Rathauschef, dass mit dem neuen Feuerwehrgerätehaus auch ein städtebaulicher Akzente gesetzt wurde. Ein Glücksgriff seien die Architekten-Brüder Brückner gewesen, die sich Unterstützung bei ihren Kollegen "Schulz & Schulz" holten. Nicht nur die Planungs- auch die Bauphase sei von intensiven Gesprächen mit allen Verantwortlichen geprägt gewesen. Viel blanker Beton, funktionale Technik prägen die Fahrzeughalle, im Sozialtrakt dominieren rote Wände und anthrazit-farbene Heizkörper sowie Türrahmen.

Entstehung im Zeitraffer

Nach einem fünfminütigen Kurzfilm, der die Entstehung des Gebäudes in Zeitraffer zeigte, sprach Landtagsabgeordneter Tobias Reiß. "Dieser Neubau ist eine Investition in die Sicherheit und ins Ehrenamt." Das Feuerwehrgerätehaus sei ein Wahrzeichen am Ortseingang und zeige das Selbstbewusstsein der Stadt. Er überreichte der Feuerwehr eine kleine geschnitzte Floriansfigur.

Der Neubau im Zeitraffer:

Landrat Wolfgang Lippert sprach von einer ästhetischen Besonderheit, die neugierig auf die Stadt mache. "Respekt für den Mut, dieses Projekt anzupacken." Elegant und imposant: Das Gebäude spreche die Brückner-Sprache. "Einen besseren Beweis, hinter der Feuerwehr zu stehen gibt es nicht", lobte er. Lippert überreichte eine 1000-Euro-Spende.

Fredi Weiß, Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbandes Oberpfalz, sprach von vielfältigen Herausforderungen und wachsenden Aufgabe für die Feuerwehr. Kritiker sollten sich vor Augen führen, dass dieser zeitintensive und verantwortungsvoller Einsatz ehrenamtlich geschieht. Dem schloss sich Kreisbrandinspektor Stefan Gleißner an. Ein neues Feuerwehrgerätehaus sei kein Luxusbau, sondern Notwendigkeit. "Nur eine optimal ausgerüstete Feuerwehr kann professionelle Hilfe leisten."

Die künstlerische Gestaltung zeichne das neue Funktionsgebäude aus, sagte Wolfgang Fortelny, Vorsitzender der Patenfeuerwehr aus Waldsassen. "Wer fragt: ,Muss das sein?' Der ist nur neidisch." Er hatte einen Glas-Vase, auf der das neue Feuerwehrgerätehaus zu sehen ist, aus der Glashütte Lamberts als Geschenk dabei.

Bericht über den Baufortschritt:

Tirschenreuth

Langer und steiniger Weg

"Dieses Feuerwehrhaus hat Modellcharakter", weiß Tirschenreuths Feuerwehrvorsitzender Markus Meyer. Nicht nur zehn Jahre Vorgespräche, auch die Planung und Umsetzung sei ein langer und steiniger Weg gewesen, bis ein Optimum an Funktionalität erreicht wurde. Er dankte besonders dem "Vater des Vorhabens", Harald Birner, der sich mit permanentem Nachdruck für diesen richtungsweisenden Bau eingesetzt habe.

"Für uns ist das Leben und die Architektur unweigerlich miteinander verbunden", führte Planer Brückner aus. "Die Länge, Höhe und Breite ist genauso wichtig wie die Tiefe der Gefühle, die in das neue Gebäude fließen." Der Neubau bedeute ihm und seinem Team sehr viel. "Mittlerweile ist es unmöglich sich den Standort ohne das Gebäude vorzustellen. Es ist ein selbstbewusster Teil der Umgebung. Als würde es sagen: ,Ich gehöre hier hin.'" In der nördlichen Oberpfalz sei diese Feuerwehrhalle mit dem Übungstrum beispiellos. Brückner sei stolz, mit wie viel Mut, Vision und Kraft dieser Bau entstanden ist. Er freue sich zu sehen, dass aus dem Entwurf ein außergewöhnliches Gebäude entstanden ist, das nun mit Leben gefüllt werde. Als der Architekt schließlich den "Schlüssel" - ein Bild des Feuerwehrgerätehauses - an Vorsitzenden Markus Meyer und Kommandant Matthias Haulena ertönte das Martinshorn.

Den Segen für das neue Feuerwehrhaus erbaten Stadtpfarrer Georg Flierl und Pfarrerin Stefanie Schön. Beide übergaben eine Figur des heiligen Florian und ein Kreuz an die Feuerwehr.

Das Gebäude sorgt schon während der Bauzeit für Gesprächsstoff:

Tirschenreuth
Das Bauwerk in Zahlen::

Großer Tag für Tirschenreuther Feuerwehr

Riesenfreude bei der Feuerwehr der Kreisstadt: Mit rund 300 geladenen Gästen feierten Stadt und Aktive die Einweihung des neuen Gerätehauses. In zwei Jahren ist auf einer Fläche von 6500 Quadratmetern an der Mitterteicher Straße der ungewöhnliche Bau entstanden. Neben der notwendigen Funktionalität sollte er besonders attraktiv sein. Die Planung oblag dem Architektenbüro „Brückner & Brückner“. Fast 40 Firmen waren am 6,5 Millionen Euro teuren Bau beteiligt. Der Freistaat förderte ihn mit 860 000 Euro. Elf Tore bieten Platz für zehn Feuerwehrfahrzeuge und einen Fahrzeug-Waschraum. Hinter der Fahrzeughalle schließt sich in einem modernen Konzept der ebenerdige Sozialtrakt mit Gemeinschaftsräumen und Lagern an. Im Foyer zur „Floriansstube“ sorgt eine Vitrine mit der Fahne und historischen Fahrzeugen für einen Blickfang. Integriert ist die Atemschutzwerkstatt des Landkreises. Ein Übungsturm ragt mit Antenne 30 Meter in die Höhe, 126 Stufen führen über vier Etagen nach oben. An der Rückseite des Gebäudes stehen den Brandschützern 37 Parkplätze zur Verfügung. Zur Einweihung kamen neben den fünf Ortsfeuerwehren und sieben Nachbarfeuerwehren auch Polizei und Rettungsdienste. Nachdem Architekt Peter Brückner den "Schlüssel" an die Tirschenreuther Wehr übergeben hatte, segneten Regionaldekan und Stadtpfarrer Georg Flierl sowie Pfarrerin Stefanie Schön das Gebäude.

 

 

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