06.09.2020 - 11:36 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die Geschichte des Siedlerwegs in Tirscherneuth

Der Siedlerweg in Tirschenreuth ist eng mit der Geschichte von zig Heimatvertriebenen verbunden: Die schwierige Anfangszeit nach dem Zweiten Weltkrieg beleuchtet Autor Rainer Christoph in einem Buch.

„Vor den Toren der Stadt“: Die Luftaufnahme um 1965 zeigt die auch damals noch exponierte Lage des Siedlerwegs (unten rechts), weit vor den östlichen Toren der Stadt. Erst im Laufe der Jahrzehnte wuchs die Siedlung der Heimatvertriebenen ins Stadtbild ein.

Rainer Christoph hatte ab Beginn der 1970er Jahre damit begonnen, für das Buch „Der Siedlerweg – die Geschichte einer Straße in der Kreisstadt Tirschenreuth nach 1945“ zu recherchieren. Darin erzählt er die schwierigen und anstrengenden Vorhaben der meist heimatvertriebenen Siedler, die dort Ende der 40er Jahre damit begannen, sich eine neue Heimat aufzubauen. Der Autor setzte diesen fleißigen und sturmerprobten Leuten ein wunderbares Denkmal.

Autor übergibt Unterlagen fürs Archiv

Für Thomas Sporrer, der über diese Zeit für die neue Tirschenreuther Chronik recherchierte, wäre es eine wahre Fundgrube gewesen, alleine das Buch war nicht mehr aufzutreiben. Lediglich Rainer Christoph hatte noch eine Ausgabe, die er aber nicht weggeben wollte. Für den ehemaligen Tirschenreuther Rainer Christoph, der Kindheit und Jugend im Siedlerweg verbracht hat, war es aber der Anlass, dieses einmalige Zeugnis der Zeitgeschichte wieder neu aufzulegen. Die ersten neugedruckten Bücher übergab er nun an Bürgermeister Franz Stahl. Dazu auch alle Dokumente, Fotos und Pläne, die er damals gesammelt hatte. Sie werden ihren Platz im Tirschenreuther Archiv finden.

Franz Stahl, der von 1989 bis 1994 selbst im Siedlerweg gewohnt hat, war es eine große Freude, die Originalunterlagen und dazu die Neudrucke zu bekommen. Die Erstauflage, in der Rainer Christoph die Lebenswege aller Bewohner recherchierte und alle Unterlagen zusammentrug, war weder im Archiv noch in der Bücherei vorhanden. Offenbar sind sie im Laufe der Jahre verloren gegangen.

Anfangs nur Notlösung

Dieses Buch ist aber auch eine exemplarische Geschichte von der schwierigen Startphase für viele tausend Heimatvertriebener, die sich unter anderem auch in der Kreisstadt eine neue Existenz aufbauen wollten. Der Siedlerweg war eine Notlösung, weil Gemeinden wie Wondreb oder auch Tirschenreuth den Heimatvertriebenen die vorhandenen Bauplätze nicht zuteilen wollten. „Es scheint, als wollten Sie uns nicht“, so resümierte Rainer Christoph die Erfahrungen aus der damaligen, mehr als holprigen Anfangszeit.

Der Siedlerweg wurde ab 1948 bebaut, der Strom kam 1949, die Wasserleitung und der Kanal erst 1962. Bis dahin wurde das Wasser aus dem Brunnen geschöpft und nach Hause getragen. Auch die Ausweisung des Baugebiets erfolgt erst im Jahr 1961, also zwölf Jahre nach dem Beginn der Bebauung.

Diese und viele andere Geschichten von und über die Bewohner des Siedlerwegs können in dem zeitgeschichtlich wertvollen Buch nachgelesen werden. Es ist über die Stadt Tirschenreuth erhältlich. Der Preis beträgt 20 Euro.

Tirschenreuth bekommt eine neue Chronik

Tirschenreuth
Rainer Christoph (rechts) übergibt die Neuauflage des Buches und die gesammelten Dokumente an Bürgermeister Franz Stahl. Sie werden in das Archiv der Stadt eingegliedert.
Das neuaufgelegte Buch von Rainer Christoph „Der Siedlerweg – die Geschichte einer Straße“.
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