21.04.2020 - 12:27 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde

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Es gibt auch ein Leben nach der Corona-Krise. Und dafür haben wir interessante Freizeittipps, wie etwa beim Reitverein Tirschenreuth.

Vorsitzende Sandra Dietl hat auch ein eigenes Pferd. „Tosia“, ihre Stute, wollte sie eigentlich als Schulpferd für den Verein kaufen. „Dann habe ich mich so an sie gewöhnt, dass ich sie behalten wollte“, sagt sie.
von Ulla Britta BaumerProfil

Sandra Dietl sitzt vor der kleinen Holzhütte auf dem Reitgelände des Reitvereins Tirschenreuth in der warmen Frühlingssonne. Die Pferde sind wieder draußen, auch sie genießen den schönen Tag. Sandra Dietl ist mit einigen Vereinskolleginnen hier, die sich wie sie jeden Tag um die Reitanlage und die Tiere kümmern. Sie ist seit einem Jahr die Vorsitzende des Vereins, der immerhin 450 Mitglieder hat und der für sie eine große Verantwortung und gleichermaßen Herausforderung bedeutet.

Die junge Tirschenreutherin hat die Spitze des Vereins dennoch gern übernommen. Keine leichte Entscheidung, denn der Reitverein ist kaum vergleichbar mit anderen Verein. 40 Einstellpferde und zehn eigene Schulvereinspferde leben hier, müssen täglich versorgt werden. Die großräumigen Stallungen, die Reithallen, die Außenanlagen wollen gepflegt werden – das alles erledigen die Vereinsmitglieder ehrenamtlich ehrenamtlich.

Nicht ganz, klärt uns Sandra Dietl auf. Denn der Reitverein sei mit einem kleinen Unternehmen vergleichbar. „Da braucht es auch bezahlte Angestellte.“ Zu dem engagierten Hauptstamm an Mitgliedern, etwa 30 Personen, kommen Teilzeitkräfte und 450-Euro-Kräfte hinzu, die sich täglich um das Wohl der Tiere und um die Anlage kümmern. Darunter die beiden Reitlehrerinnen, Gerlinde Maier und Alexandra Greil, sowie die Assistenztrainerin, Stefanie Zeus. Die Reitlehrerinnen haben den Trainerschein C, was mit dem früheren „Reitwart“ gleichzusetzen ist. Siegfried Adler ist der Privatreitlehrer.

Reiterin Luisa ist mit Schulpferd „Pako“ unterwegs.

Schwere Arbeit im Stall

Sandra Dietl ist froh über ihre fleißigen Mitarbeiter. „Denn diese sind bei uns schwer zu bekommen. Weil ja auch unsere Arbeit im Stall schwer ist.“ Die Tirschenreutherin reitet seit ihrem siebten Lebensjahr, sozusagen von Kindesbeinen an. Pferde sind ihre große Leidenschaft. Was für sie Reiten in einem Verein bedeutet, erklärt sie mit der großen Gemeinschaft. „Über die Pferde werden hier dicke Freundschaften geknüpft“, sagt sie. Der Verein lebt von den Mitgliedsbeiträgen, was bei Weitem nicht ausreicht für die Aufrechterhaltung des Betriebs. Eine große Einnahmequelle, erklärt Dietl, sind die Reitstunden.

Mit den Mieten für die privaten Pferdeboxen bleibt kaum was übrig, denn dafür bekommen die Privatpferde-Besitzer den Luxus einer Rundum-Versorgung ihrer Tiere mit Ausmisten und täglichem Füttern. Gut, dass die Reitstunden gut laufen. Dietl erzählt, dass lange Wartelisten bei ihr aufliegen, derart groß ist der Andrang. Freilich handelt es sich bei den Anwärtern für Reitstunden zu einer hohen Prozentzahl um Mädchen im pubertären Alter. Deren Traum ist nun einmal der Rücken der Pferde.

In der Sonne an der Freilicht-Futterstelle lässt es sich gut gehen. Auch die Einstellpferde der Privatbesitzer versorgt der Reitverein natürlich bestens.

„Putzen – pflegen – kümmern“

Aber Reiten ist nicht nur Kür. „Es gehören auch Pflichten dazu“, sagt Dietl. Nicht das Reiten selbst stehe im Reitverein im Vordergrund. „Putzen – pflegen – kümmern“, nennt die Vorsitzende nur drei weitere wichtige Aufgaben. Für die engagierten Mitglieder ist das alles selbstverständlich. Und dafür laufen sie gerne täglich das große Gelände ab, misten die Pferde aus, streicheln das älteste Vereinspferd „Mary“, das schon über 40 Jahre auf dem Buckel hat und jetzt „in Rente“ ist oder sorgen für regelmäßige Veranstaltungen, auch um immer wieder die Öffentlichkeit aufmerksam auf sich zu machen.

Interessierte Kinder, erzählt Sandra Dietl, würden an der Longe in der Reithalle langsam ans Reiten herangeführt. Täglich finden mit allen Schulpferden drei bis vier Reitstunden statt. „Am Freitag haben sie frei“, lacht Dietl. Denn das Tierwohl steht natürlich an erster Stelle. Und es würden natürlich auch nicht täglich alle zehn Pferde laufen. Mit einem Zwergerlkurs, Schnupper-Voltigieren und einem Schnupperkurs rund ums Pferd können Kinder in manchen Ferienzeiten, angeboten vom Verein, sich erst einmal umschauen und das Reiten kennenlernen.

„Marx“ ist eine alte Dame. Die Norwegerin hat schon 40 Jahre auf dem Buckel und darf ihre Rente im Vereinsstall genießen.

Grundkurs „Pferde putzen“

Veranstaltungen wie Reitturniere, Voltigier-Turniere, „Tage der offenen Tür“, die Reitabzeichen und manch geselliger Abend stärken den Gemeinschaftssinn des Vereins. Im Reitverein kann man sogar einen „Pferdeführerschein“ machen. Außerdem dem Grundkurs „Reiten“ gehören dazu ein Grundkurs „Pferde putzen“ und der Umgang mit dem Pferd. Außer in der großen Reitanlage, wo gerade das neue Schulpferd „Loumiro“, ein polnisches Kaltblut, vor Freude auf der Koppel Kapriolen schlägt und „wilden Hengst“ macht, und in der Reithalle geht es natürlich auch mit den Pferden immer mal wieder raus in die Natur Richtung Lohnsitz oder Liebenstein. Dann müssen die Pferdehalter die ganz normalen Verkehrsregeln einhalten. Aber sie reiten natürlich lieber durch Wald und Flur, ein immer wieder grandioses Naturerlebnis auf dem Rücken der Pferde.

Hier gibt es noch interessante Infos über den Reitverein Tirschenreuth:

Reitschule mit zehn Vereinspferden – Reitverein gibt es seit 57 Jahren – Pension mit 40 Einstellplätzen

Der Reitverein Tirschenreuth wurde 1963 gegründet. 1971 schloss sich der Verein als selbst verwaltende Sparte dem ATSV Tirschenreuth an. 1972/73 wurden ein massiver Stall und eine Reithalle gebaut. 1991 fielen ein Teil der Stallungen und die Reithalle einem Brand zum Opfer. Das konnte mit der Erweiterung von Stallungen und einer großen Reithalle im Jahr 1992/93 kompensiert werden. Immer wieder folgten verschiedene Baumaßnahmen, unter anderem für Futtermittellagerung, Führanlage und ein Freilaufstall. Als eine begehrte Attraktion wurde das Reitangebot mit Voltigieren für Kinder und Jugendliche erweitert (siehe Extrabericht über Voltigieren).

Der Reitverein Tirschenreuth bietet eine Reitschule mit den zehn eigenen Vereinspferden, einen Pensionsbetrieb mit 40 Einstellplätzen, Longenstunden für Reitanfänger, qualifizierten Reitunterricht, Voltigieren, Heilpädagogisches Reiten und ein attraktives Ausreitgelände. Die Boxen sind mit angebauten Paddock sowie als Innenboxen mit separatem Paddock ausgestattet. Weiter gibt es Außenboxen, einen Laufstall und eigene Ruheboxen. Reitstunden finden täglich statt außer Freitag. Als Jugendwarte arbeiten im Verein Lisa Dostler, die auch die Trainerin für Voltigieren ist und Selina Culmbacher.

Infos und Terminvereinbarungen gibt es per Telefon für den Unterricht bei Gerlinde Maier, Telefon 0171/7783767 oder Alexandra Gradl, Telefon 0151/61128065.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.reitverein-tirschenreuth.de

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