18.09.2020 - 11:12 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die große Zeit der Leichtathleten

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In der neuen Tirschenreuther Chronik werden auf über 40 Seiten alle Vereine der Stadt vorgestellt. Horst Adler, einer der Akteure der ATSV-Sparte, erinnert sich besonders an die Hochphase der Leichtathletik ab den 1960er Jahren.

Leichtathletik-Stadtmeisterschaften von 1963: Im Bild die Sportler (von links) Horst Adler, Rainer Schmidkonz, Heinrich Bayreuther (Trainer), Hans Schicker, Gerhard Gleißner, Hans-Jürgen Gleißner, Walter Schacherer, Helwig Haulena, Otto Hauenschild, Willi Pompl, Harald Reiter und Friedhelm Haulena. Ebenfalls im Bild (stehend) der Vater von Horst Adler, Otto Adler.
von tspProfil

Fußballer, Segelflieger, Tischtennisspieler, VdK, Gartenfreunde oder die "Braujuwaren", die die älteste Bierbrauertradition des Stiftlandes wieder aufleben lassen wollen, stellen sich in der neuen Tirschenreuther Chronik vor. Sie alle hatten hier Gelegenheit, sich selbst und ihre Ziele oder größten Erfolge vorzustellen. Entstanden ist eine interessante Mischung aus Politik, Kultur, Sport und Gesellschaft, die aktueller natürlich nicht sein könnte.

So war das Training in den 60ern

Wiederaufgelebt ist dort auch die große Leichtathletikgeschichte des ATSV, die über Jahrzehnte mit dem Namen Heinrich Bayreuther verbunden ist. Er übernahm 1957 die Leitung - da war die Abteilung aber schon fast 100 Jahre alt. Toni Totzauer hatte die Leichtathletik nach dem Krieg wieder aufbaut.

Horst Adler, einer der damaligen Akteure in der Leichtathletik, berichtet über die Trainingsvoraussetzungen Anfang der 60er Jahre: "Die Laufbahn war eine echte Aschenbahn - belegt mit der schwarzen Kohlenasche vom Zehendner oder der Porzellanfabrik. Von wegen Kunststoffbahn. Zum Starten machte man Löcher in die Bahn, weil wir keine Starblöcke hatten. Zum Hochsprung gab es eine Sandgrube. Erst spät kam man auf die Idee, einen Sandhügel aufzuschütten, damit man nach dem Überqueren der Latte nicht soweit hinunter fiel. Auch beim Stabhochspringen! Da musste man auf den Füßen landen, denn die Schaumstoffpolster waren noch nicht erfunden. Sporthalle - Fehlanzeige. Warme Duschen nach dem Training? Nur wenn wir selber vorher den Ofen anschürten", schreibt der Leichtathlet über die Situation vor über 60 Jahren.

Warme Duschen nach dem Training? Nur wenn wir selber vorher den Ofen anschürten

Horst Adler

Regeneration im Weißbierstüberl

Horst Adler erinnert sich: "Nach dem Training wurde nicht selten im Weißbierstüberl beim Geyer Otto eingekehrt - zur Regeneration. Eiweißreiche Aufbaunahrung und Energy Drinks gab es damals noch nicht und brauchten wir auch nicht."

Die Sportler folgten dem Wahlspruch auf den Bierdeckeln: "Merke dir folgende vier Worte: Gut schmeckt Geyers Weizenbier". Dazu gab es laut Horst Adler bestenfalls kalte Knacker mit einer Semmel und Senf.

Tirschenreuther im Olympia-Kader

Aber die Erfolge stellen sich schnell ein, bereits 1963 sah man in der B-Jugend die jungen Akteure Hans Schicker und Rainer Schmidkonz immer häufiger auf dem Siegertreppchen. Dr. Hans Schicker sollte dann die Tirschenreuther Leichtathletik über Jahrzehnte prägen. 32 Bayerische Meisterschaften hat er im Laufe seiner Karriere errungen, sein Oberpfalzrekord im Weitsprung von 7,90 Meter gilt noch heute.

1970 wurde Schicker sogar in den Olympia-Kader berufen. Und die Erfolge gingen weiter: Noch mit 43 Jahren wurde er Bayerischer Meister, mit 7,54 Meter stellte er einen Senioren-Weltrekord im Weitsprung auf. Den ersten Deutschen Meistertitel holte aber ein anderer Athlet nach Tirschenreuth: Dieter Bayreuther. Den errang er 1988 bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Hochsprung in Lübeck. Auch hat sein Oberpfalzrekord von 2,14 Meter heute noch Bestand, nach über 30 Jahren.

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Tirschenreuth
1988 holte Dieter Bayreuther die erste Deutsche Meisterschaft der Leichtathleten nach Tirschenreuth. Sein Oberpfalzrekord von 2,14 m hat bis heute noch Bestand.
Info:

Die neue Chronik

Diese und viele weitere Geschichten sind nachzulesen in der neuen Tirschenreuther Chronik, die im Herbst 2020 erscheint. Für 39,90 Euro ist sie auch in allen Buchhandlungen der Kreisstadt erhältlich.

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