18.11.2021 - 17:39 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Impfen an der Kapazitätsgrenze: Impfzentrum Waldsassen arbeitet mit Hochdruck an Aufstockung

Nachdem Ende Oktober die Impfzentren zurückgefahren wurden, kämpfen sie jetzt mit dem Andrang an Impfwilligen. Der Landkreis Tirschenreuth versucht, Lösungen zu finden, doch bis Ende des Jahres könne nicht jeder ein Impfangebot erhalten.

Die Nachfrage nach Erst- und Drittimpfungen im Landkreis Tirschenreuth bringt das Impfzentrum und die mobilen Teams an ihre Kapazitätsgrenze.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Siegfried Sommer aus Pechofen bei Mitterteich hat vergebens versucht, über die Hotline das Impfzentrum Waldsassen zu erreichen. Der 80-Jährige hat bereits seine ersten beiden Impfungen über das Impfzentrum Waldsassen erhalten, so will er sich dort auch seine Booster-Impfung abholen. Als er am Mittwochnachmittag anruft, hört er nur die automatisierte Ansage: "Haben Sie noch einen Moment Geduld." Sommer habe gewartet, aber: "Nach fünf Minuten wird man dann einfach wieder aus der Leitung geschmissen." So sei die Situation den ganzen Nachmittag und auch Donnerstagvormittag noch gewesen.

Der Senior hängt an der Sauerstoffflasche, da bei ihm die Sauerstoffsättigung nicht stimmt. Er kennt sich selbst nicht mit dem Computer aus und wollte um Hilfe bitten, einen Termin auch unabhängig vom digitalen Weg zu vereinbaren. Auch seine drei Jahre ältere Frau benötigt einen Termin.

Bitte um Geduld

Fabian Polster, Pressesprecher am Landratsamt, kennt das Problem. "Zunächst tut es uns sehr Leid, dass der Mann seit geraumer Zeit über die Hotline niemanden erreichen kann", teilt er mit. Er erklärt die aktuelle Situation. "Nach der Ankündigung Anfang Oktober, die Impfzentren zurückzufahren, haben wir die Anweisung der Bayerischen Staatsregierung umgesetzt, mit der Vorgabe, diese gegebenenfalls innerhalb von vier bis sechs Wochen wieder hochfahren zu können."

Doch nun sollen die Zentren und damit auch die Hotline nach den politischen Äußerungen innerhalb eines Tages wieder auf voller Kapazität laufen. Organisatorisch sei das aber vollkommen unmöglich. Zwar sei die Hotline besetzt, diese könne aber den enormen Andrang derzeit nicht leisten.

"Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Aufstockung der Kapazitäten in allen Bereichen, auch bei der Hotline", verspricht Polster. Zudem seien die Verantwortlichen in Kontakt mit den Gemeinden, um wieder niedrigschwellige Orte für die Impfung anzubieten. Hier sollen sich die Bürger dann auch unkompliziert anmelden können. "Sobald es hier Neuigkeiten und Termine gibt, veröffentlichen wir diese", teilt Polster mit. Der Pressesprecher bittet um ein paar Tage Geduld.

Suche nach Mitarbeitern

Doch wie ist die Impfsituation im Landkreis? Innerhalb eines Monats sind die Zahl der Erstimpfungen und die Nachfrage nach Drittimpfungen enorm gestiegen. So lag die Impfquote im Landkreis bei den Erstimpfungen am 19. Oktober noch bei 63,5 Prozent und am 16. November bei 65,21 Prozent. Das sind 1226 Erstimpfungen mehr, die über das Impfzentrum oder über Hausärzte gemeldet wurden. Zusätzlich wurden bereits 3343 Drittimpfungen über Impfzentrum, mobile Impfteams oder Hausärzte durchgeführt.

Auch die Ärzte im Landkreis arbeiten am Limit: "Wie schon zu Beginn der Impfsaison kämpfen wir aktuell täglich mit neuen Empfehlungen", schreibt Dr. Stepfanie von Mackensen aus der Gemeinschaftspraxis - Die Hausärzte im Ärztehaus - Kemnath. Auf der Webseite der Praxis schreiben die Ärzte, dass bevorzugt Menschen über 70 Jahre oder nach ärztlicher Einschätzung geimpft werden. Andere Patienten werden aufgefordert, sich beim Impfzentrum anzumelden. Dr. von Mackensen schreibt: "Durch die jetztige Empfehlung, man könne schon ab 18 Jahren an einen Booster denken, ist die Nachfrage noch einmal immens gestiegen." Deshalb komme die Praxis aktuell an zeitliche und personelle Grenzen. "Wir haben sogar eine samstägliche Impfsprechstunde vorgesehen, um die Patienten nicht abweisen zu müssen." Vereinzelt würden auch Erstimpfungen angefragt.

Auch Pressesprecher Fabian Polster und BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl bestätigen die verstärkte Nachfrage. "Im Impfzentrum werden derzeit täglich wieder bis zu 400 Impfungen (Erst-, Zweit- und Drittimpfungen) durchgeführt. Es schwankt zwar täglich, im Schnitt bewegen wir uns aber um die 300 pro Tag, was ein massiver Zuwachs im Vergleich zu den vergangenen Wochen ist." Das ist weit über der Kapazitätsgrenze des Impfzentrums: "Derzeit arbeiten wir noch mit einer Kapazität von 242 Impfungen pro Woche." Diese Situation resultiere aus der Situation, dass das Impfzentrum Anfang Oktober heruntergefahren wurden. Um den enormen Mehraufwand zu bewältigen, werde händeringend nach Mitarbeitern gesucht, um die Kapazitäten wieder aufzustocken.

Bisher keine Impfpriorisierung

Weiterhin sind 53 Ärzte in die Arbeit der Impfteams und des Impfzentrums eingebunden. Polster betont: "Wir werden es nicht schaffen, den vollständigen Bedarf der Impfwilligen zu decken und bis Ende des Jahres jedem ein Impfangebot zu machen." Eine Impfpriorisierung gibt es aktuell nicht, es ist auch noch unklar ob wieder eine Priorisierung geplant ist. Schlecht wäre sie aber nicht: "Grundsätzlich wäre es natürlich ratsam, zunächst diejenigen zu impfen, deren ursprünglicher Schutz am längsten 'abgelaufen' ist", schreibt der Pressesprecher. Dr. Stephanie von Mackensen hält es nicht für sinnvoll, wieder eine Impfpriorisierung einzuführen. "Es gibt genug Impfstoff, da sollte es gemeinsam mit den Impfzentren möglich sein, die Anfragen zeitnah mit einem Impftermin beantworten zu können." Die Impfung sei der einzig zielführende Weg.

Im Impfzentrum werde derzeit hauptsächlich der Impfstoff von Biontech verimpft. "Nur auf Nachfrage kann Moderna oder Johnson & Johnson verimpft werden. Jedoch möchte derzeit fast jeder Impfwillige Biontech", so Polster. Impfstoff selbst sei ausreichend vorhanden. Seit nur noch mit Termin geimpft wird, seien lange Wartezeiten nahezu kein Thema mehr. Die Termine für die geplante Impftour ab dem 23. November können trotz der Kapazitätsschwierigkeiten eingehalten werden. Aber: "Diese Termine der Impftour sind jedoch bereist vollständig ausgebucht", weiß Polster. Er rät aber: "Sobald die Kapazität weiter erhöht werden kann, wird dies auch kurzfristig erfolgen und Termine beziehungsweise die Öffnungszeiten des Impfzentrums werden erweitert." So lohne es sich dann auch, kurzfristig nach Terminen zu suchen.

Am Donnerstag gab es 57 neue Coronafälle im Landkreis Tirschenreuth

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Die Coronalage im Landkreis Tirschenreuth spitzt sich weiter zu

Tirschenreuth
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Erstimpfungen (Gesamtzahl) im Impfzentrum und bei Hausärzten.

"Wir werden es nicht schaffen, den vollständigen Bedarf der Impfwilligen zu decken und bis Ende des Jahres jedem ein Impfangebot zu machen."

Fabian Polster, Pressesprecher am Landratsamt

Service:

Termine der Adventstour der mobilen Teams und Öffnungszeiten Impfzentrum Waldsassen

  • Dienstag, 23. November, 9.30 bis 12 Uhr im Mehrzweckraum Brand
  • Mittwoch, 24. November, 9.15 bis 11.45 Uhr in der Sporthalle Pechbrunn
  • Mittwoch, 24. November, 13 bis 15.45 Uhr in der Sporthalle Waldersholf
  • Donnerstag, 25. November, 9.30 bis 15.30 Uhr im Feuerwehr-Haus Bärnau
  • Freitag, 26. November, 9.30 bis 15.30 Uhr im Krankenhaus Tirschenreuth
  • Samstag, 27. November, 9.30 bis 15.30 Uhr im Pfarrheim Falkenberg
  • Sonntag, 28. November, 9.30 bis 15.30 Uhr in der Steinwaldklinik Erbendorf
  • Dienstag, 30. November, 9.30 bis 15.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Fuchsmühl
  • Donnerstag, 2. Dezember, 9.30 bis 15.30 Uhr im Krankenhaus Kemnath
  • Samstag, 4. Dezember, 9.30 bis 15.30 Uhr in der Schulaula Waldershof
  • Sonntag, 5. Dezember, 9.30 bis 15.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Kemnath
  • Verimpft wird an diesen Termin nur der Impfstoff Biontech.

Öffnungszeiten Impfzentrum Waldsassen: Dienstag und Donnerstag 8 bis 11.45 Uhr; Mittwoch und Samstag 8 bis 11.45 Uhr und 13 bis 16.45 Uhr; Freitag 12 bis 15.30 Uhr und 16.30 bis 19.45 Uhr.

 

 

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