14.07.2021 - 14:26 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Johann Andreas Schmeller und Tirschenreuth: Zwei Jubiläen im Juli 2021

Zwei Jubiläen um Johann Andras Schmeller sind im Juli 2021 zu vermelden. Das Denkmal am Marktplatz wird 130 Jahr alt, die Gedenktafel in der Schmellerstraße am vermeintlichen Geburtshaus wurde vor 70 Jahren enthüllt.

Die Einweihung des Schmeller-Denkmals1891. Jetzt konnten zum Teil die Namen der Protagonisten erforscht werden. Auf der rechten Seite (von links) stehen Kaufmann Franz (?) Hauser, Landrat Johann Zahn, Pfarrexpositus Johann Baptist Mehler, Gemeindebevollmächtigter Karl Fürst (im Hintergrund, nur Kopf sichtbar), unbekannte Person, Magistratsrat B. (?) Müller (Hackerschmied), Feuerwehrkommandant Otto Rupprecht, (im Hintergrund) und Gemeindebevollmächtigter Georg Meyer. Auf der linken Seite ist nur Josef Mayer, Gymnasialprofessor aus Burghausen (bärtige Herr mit Zylinder und Schirm) bekannt.
von tspProfil

Die Kreisstadt ist Schmeller-Stadt. Seine Eltern Johann und Maria Schmeller sind aus Griesbach nach Tirschenreuth zugezogen. 1785 wird Johann Andreas Schmeller hier als drittes Kind im Haus der Familie am "Hulzernen Grabn" geboren. Sein Vater aber konnte als Tagelöhner und Kürbenzäuner wirtschaftlich in Tirschenreuth nicht Fuß fassen. So zog die Familie bereits 1787 wegen wirtschaftlicher Sorgen "ins Bayern", nach Rinnberg in die Hallertau.

"Bayerischer Wortglauber Nr.1"

Ausgestattet mit einer ungeheuren Sprachbegabung, mit Ehrgeiz, enormem Fleiß und einer gehörigen Portion Glück wurde aus dem Tirschenreuther Buben der größte Bayerische Germanist und Mundartforscher. Es gelangen "dem bayerischen Wortglauber Nr. 1" bahnbrechenden Arbeiten, wie zum Beispiel das Bayerische Wörterbuch, was ihn unter anderem die Berufung als Mitglied der Bay. Akademie der Wissenschaft und als ordentlicher Professor für Altdeutsche Sprachen und Literatur an der LMU in München einbrachte. Nach einem arbeitsreichen und erfüllten Leben starb Schmeller hochverehrt 1852 in München. Beerdigt ist er in einem Ehrengrab am Alten Südfriedhof, sein Grab kann immer noch besucht werden.

Nach seinem Tod wurde es ruhig um Schmeller. Auf Anregung des Historischen Vereins der Oberpfalz und Regensburg wurde schließlich in Tirschenreuth 1885 an zwei Tagen der 100. Geburtstag des großen Sohns der Stadt gefeiert. Dort wurde die Idee eines Schmeller-Denkmals geboren, die dann am 20. Juli 1891, also vor nunmehr 130 Jahren, in die Tat umgesetzt wurde. Seitdem steht "der Schmeller" am Tirschenreuther Marktplatz - alle paar Jahrzehnte mal etwas leicht verschoben - und schaut sich seine Stadt an.

Video über den Mundartforscher Schmeller

Gedenktafel am falschen Haus

Tirschenreuth pflegte natürlich die Erinnerung an den großen Sohn der Stadt. Nur 40 Jahre später wurde ein neuer Gedenkpfeiler eingeschlagen. Am 15. Juli 1951, also vor genau 70 Jahren, wurde am Hause des Kaufmanns Stahl eine Steintafel feierlich enthüllt. Im Rahmen der Festwochen zum 100. Geburtstages der Liedertafel waren zahlreiche Ehrengäste aus ganz Bayern nach Tirschenreuth gekommen, um der Feier beizuwohnen. Die Tafel erinnert an Johann Andreas Schmeller, der in eben diesem Hause in der Schmellerstraße geboren sein sollte. Die vielen Gäste konnten damals ja noch nicht ahnen, dass sie vor dem falschen Haus standen.

Erst ab 1954 wurden die Tagebücher Schmellers publiziert, wo man die Wahrheit hätte nachlesen können. Aber die hat anscheinend auch später kein Tirschenreuther gelesen. Erst 1985, als Max Gleißner den Auftrag bekam, die 200-Jahr-Feier von Schmellers Geburtstag vorzubereiten, war er es, der endlich diese Tagebücher durchforstet hat. Und Max Gleißner staunte! Denn daraus ging hervor, dass Schmeller im Hause seines Vaters am Hulzernen Grabn geboren worden war!

Geburtshaus abgerissen

Seit nunmehr 36 Jahren ist es nun Fakt, der Schmeller Anderl, wie ihn seine Mutter ihr ganzes Leben lang genannt hatte, ist in der heutigen Ringstraße geboren. Das Haus - ebenfalls von Max Gleißner mit viel Aufwand ausfindig gemacht - wurde in Unkenntnis des berühmten Bewohners in den 60er Jahren abgerissen. Die Familie Luft schuf sich dort ihr neues Heim. Dennoch ist die Schmellerstraße die Schmellerstraße geblieben, der Aufwand mit der Umbenennung wäre wohl zu groß gewesen. Geblieben ist aber auch die Steintafel mit dem nunmehr vor fast vier Jahrzehnten nachgewiesenen falschen Hinweis. Sie prangt am falschen Haus, schön gepflegt auf neuer Fassade. So als wollte der gemeine Tirschenreuther sagen: "Wos aitza, wos heußt denn dou falsch, es wor ja schließle a koina vo eich dabei, oda"? Da könnte man fast auf den Gedanken kommen, wir Tirschenreuther wären ganz schöne Dickschädel. Oder vielleicht halt nur etwas langsam? Jedenfalls ist man schon ein Stückchen weitergekommen. Am Hause der Olga Luft, am Platz des richtigen Schmeller-Hauses in der Ringstraße, findet sich immerhin eine kleine, giftgrüne Plexiglas-Erinnerungstafel. Hier ist also nun der große Sohn der Stadt geboren. Was wird sich wohl der zeitlebens als sehr bescheiden gegoltene Schmeller dazu denken? Vielleicht: "Ja mei, wer wois, vielleicht wachst des Ding ja ah nu a weng"!!

Eine Stadtführung in Tirschenreuth beschäftigt sich ebenfalls mit Johann Andreas Schmeller

Tirschenreuth
Es war dem Professor Dr. Otto Basler vor nunmehr genau 70 Jahren vorbehalten, die Erinnerungstafel am Haus des Kaufmanns Stahl zu enthüllen.
Hintergrund:

Ein Stück Heimatgeschichte entschlüsselt

Die Errichtung des Schmeller-Denkmals 1891 wurde natürlich auch im Bild festgehalten. Aber bisher konnte keiner der abgebildeten Protagonisten identifiziert werden.

  • Der Vorsitzenden der Schmeller-Gesellschaft, Christian Ferstl, Magister aus Regensburg, hat eben dieses Foto in seiner Ablage und schaute sich auf Bitten von Thomas Sporrer das Foto nochmals genauer an.
  • Ferstl entdeckte tatsächlich auf der Rückseite einige handschriftliche Namensnotizen. Auf der linken Seite des Bildes konnte er nur auf Josef Mayer, Gymnasialprofessor aus Burghausen schließen (der bärtige Herr mit Zylinder und Schirm). Er stammte aus Tirschenreuth, deshalb wird ihn der unbekannte Notizenschreiber auch gekannt haben. Er gilt als maßgeblicher Betreiber dieser Feier. Die restlichen Herren links bleiben unbekannt, vermutlich weit gereiste Gäste.
  • Die rechte Bildseite dagegen kennt Ferstl fast komplett. Beim Festakt mit dabei waren Franz (?) Hauser, Kaufmann, Buchbindermeister, Schriftführer der Gemeindebevollmächtigten, Vorstand des Veteranen- und Kriegervereins; Johann Zahn, Kaufmann, Landrat, Gemeindebevollmächtigter; Johann Baptist Mehler, Pfarrexpositus in Selb; Karl Fürst, Sekretärsgehilfe, Gemeindebevollmächtigter; B. Müller, Hackerschmied, Magistratsrat; Otto Rupprecht, Bezirksamtsassessor, Feuerwehrkommandant; Georg Meyer, Schneidermeister, Gemeindebevollmächtigter.

Damit ist wieder ein kleines Stück Heimatgeschichte entschlüsselt.

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