17.03.2020 - 17:07 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mit Monstranz gegen Coronavirus

Die Kirchen versuchen in der Coronakrise einen Spagat zwischen Seelsorge und dem Schutz der Gläubigen. Das führt zu ungewöhnlichen Entscheidungen und Aktionen.

Pater Charles John steht am Fuß der Burg, um für den Ort Falkenberg und seine Bewohner Schutz vor der sich ausbreitenden Corona-Krankheit zu erbitten.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

(lue/wro) Covid-19 stellt auch die katholischen Pfarreien und evangelischen Kirchengemeinden des Landkreises vor eine Herausforderung. Die Seelsorger vor Ort versuchen ihren ganz eigenen Umgang mit der Situation. So unter anderem in Wiesau und Falkenberg. Am Sonntagnachmittag waren Pfarrer Markus Nees und Pater Charles John in den Straßen der Orte unterwegs.

Mit Stola über den Schultern und der Monstranz in den Händen zogen die Geistlichen von Haus zu Haus und spendeten mit einem Kreuzzeichen ihren Segen. "Zum Schutz vor der Krankheit bete ich vor den Straßen und Häusern Falkenbergs für deren Bewohner", erklärte Pater Charles John in Falkenberg die ungewöhnliche Aktion. Während der Begehung waren die Geistlichen trotzdem auf Distanz bedacht und gaben niemandem die Hand. Auch in den Dörfern um Wiesau und Falkenberg sollen Segnungen durchgeführt werden.

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Regionaldekan Pfarrer Georg Flierl aus Tirschenreuth wurde davon überrascht. Er findet die Aktion aber in Ordnung, solange ein Sicherheitsabstand von ein bis zwei Metern eingehalten werde. "Jedoch sollten solche Veranstaltung nicht alleine entschieden, sondern abgesprochen werden." Nach Möglichkeiten müssten auch Geistliche darauf achten, Kontakte zu anderen weitestgehend zu vermeiden.

In den Gotteshäusern wird sich deshalb einiges ändern. "Kirchen sollen zum persönlichen Beten offen bleiben", erklärt der Regionaldekan. Gottesdienste an Werktagen sollen ohne die Öffentlichkeit abgehalten werden. Das geht auch aus einer aktuellen Mitteilung des Bistum Regensburgs hervor. Danach sollen auch kirchliche Beisetzungen und Beerdigungen nur im engsten Familienkreis ohne öffentliche Einladung stattfinden. Der Priester könne eine Messe für den Verstorbenen abhalten, jedoch ohne Angehörige und weitere Personen. Für diese Personen könne der Gottesdienst aber nachgeholt werden, wenn die aktuellen Einschränkungen wieder gelockert würden.

Trauungen könnten derzeit nur als liturgische Feier mit dem Brautpaar und den beiden Trauzeugen stattfinden. Taufen könnten ebenfalls nur als Einzeltaufe im engsten Kreis der Familie gefeiert werden. Mit dabei könnten neben dem Täufling, Paten und Eltern auch die Geschwister sein. Die Diakonie weist darauf hin, dass die allermeisten Taufen und Trauungen wohl verschoben werden müssen. Weiterhin könnten Gläubige ihre Beichte abnehmen lassen. "Im Beichtstuhl sollte dann neben den Gittern und Vorhängen eine Plastikfolie angebracht sein", erklärt Regionaldekan Georg Flierl.

Sicherheitsabstand auch in Kirche

Er rät allen Pfarrern, genügend Abstand von den Beichtenden einzuhalten und auf Handauflegungen bei Beichtgesprächen zu verzichten. "Am Mittwoch wird es eine weitere Mitteilung geben bezüglich der Sonntagsgottesdienste und den Ostertagen", sagt Flierl. Der Pfarrer vermutet aber stark: "Wir werden nicht aus der Schleife rauskommen. Die Situation ist gerade unabsehbar." Er findet die aktuellen politischen Entscheidungen richtig und gut überlegt. Jedoch könne die Situation auch zu ungewünschten Folgen führen. "Wir müssen auch Sicherheitshinweise beachten, wenn wir zu Sterbenden gerufen werden", sagt er. Zudem könnten keine Besuche bei älteren Menschen stattfinden, da sie zur Risikogruppe gehören. Was bedeuten kann, dass manche Menschen einsam bleiben. "Die Situation ist fast nicht zu lösen. Eventuell kann man mit manchen telefonieren. Doch was ist, wenn jemand dement ist?", fragt Flierl. Es sei ein Spagat, diese Personen nicht ganz vereinsamen zu lassen.

Die evangelischen Kirchengemeinden im Landkreis Tirschenreuth haben bereits sämtliche Veranstaltungen, auch Gottesdienste und Andachten abgesagt. "Die Lage ändert sich täglich", weiß auch Susanne Götte, Öffentlichkeitsreferentin im Evangelischen Dekanat Weiden, das auch für die Gemeinden im Kreis Tirschenreuth zuständig ist. Alle Dekanate bekamen am Montag ein Rundschreiben des Landeskirchenrates in München.

Darin wurde empfohlen, dass die Kirchenvorstände dringlich beschließen sollen, Gottesdienste und Andachten mindestens bis 19. April abzusagen. Das gelte für die Karwoche, Ostern wie auch für Konfirmation, Trauungen und Taufen. Ausweichtermine könnten festgelegt werden, wenn mehr Klarheit über die aktuellen Entwicklungen bestehe.

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Weiterhin sollen die Kirchen auch offen bleiben. "Wo möglich und sinnvoll sollte die Außentür offen stehen, um Kontaktflächen beim Öffnen zu vermeiden", heißt es in dem Rundschreiben. In den Kirchen bestehe die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden, sich hinzusetzen und in Ruhe zu beten. Es wird betont dabei genügen Abstand untereinander einzuhalten.

In den Kirchen soll auch weiter seelsorgerliche Begleitung vereinbar sein. Laut Susanne Götte werden momentan im Dekanat Ideen gesammelt, wie das Gemeindeleben anders organisiert werden kann - zum Beispiel online.

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