21.07.2020 - 11:14 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

"Scharnirl" im Rathaus Tirschenreuth geht in Ruhestand

Peter Geyer ist ein Urgestein in der Stadtverwaltung Tirschenreuth. Nun verabschiedet sich der 67-Jährige aus dem Rathaus in den Ruhestand.

Peter Geyer liebt guten Gin. Deshalb erhielt er aus den Händen des Bürgermeisters kleine Probierfläschchen - die "Peter-Geyer-Pensions-Tropfen" - in einer kleinen Schatztruhe.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Bürgermeister Franz Stahl war es ein Bedürfnis, seinen langjährigen direkten Mitarbeiter im großen Rahmen bei einem Ehrenabend im Kellergewölbe der historischen Fronfeste zu verabschieden. "Du warst ein ,Scharnirl' im Vorzimmer", sagte Stahl.

Am 1. August 1969 trat Peter Geyer seine Anstellung als Stadtassistenten-Anwärter an. Nach seiner Ausbildung war er Sachbearbeiter im Standes- und Friedhofamt. "Peter kann Geschichten aus dieser Zeit erzählen, das glaubt man nicht", verriet der Bürgermeister. Außerdem habe Geyer einen riesigen Bilderfundus aus dieser Zeit, der Gold wert sei. "Da sind besondere Schmankerl dabei", wusste Stahl. 1978 wurde Geyer zum Stadtassistenten befördert, zwei Jahre später zum Stadtsekretär und Beamten auf Lebenszeit ernannt.

Geyer "nicht losgebracht"

1990 wurde der Verwaltungshauptsekretär vom Ordnungsamt ins Vorzimmer des damaligen Bürgermeisters versetzt, als persönlicher Referent von Franz Fink. "Saparalott - als Schwarzer zu einem Roten versetzt", kommentierte Stahl lachend. Peter Geyer engagierte sich zudem über Jahre hinweg als Personalrat und Beamtenvertreter. Bereits Ende 2017 wurde der heute 67-Jährige in den Ruhestand versetzt. Geyer hatte noch nicht genug. Als Teilzeitbeschäftigter arbeitete er die vergangenen drei Jahre wöchentlich zwölf Stunden im Rathaus. Oft war er länger als diese zwölf Stunden da, wusste Stahl. "Wir haben ihn nicht losgebracht." In dieser Zeit lernte er seinen Nachfolger Mirko Streich an und klärte ihn über die Eigenarten der Tirschenreuther auf.

"Sollte man meinen, dass jetzt Schluss ist", sagte Stahl. Doch trotz Ruhestands stellt sich Geyer wie seit vielen Jahren als Produktionsleiter für die Tirschenreuther Passion zur Verfügung.

Die für 2020 geplante Europassion soll nächstes Jahr nachgeholt werden:

Tirschenreuth

Emotionsbarometer

"Es wunderte mich immer wieder: Schon allein an meinem Schritt und wie ich die Türe geöffnet habe, hast du meinen Gemütszustand ganz genau erkannt", erzählte Stahl. Außerdem gelang Geyer die Umstellung von Leberkässemmeln auf "süßen Plunder". Statt der morgendlichen Brotzeit gab es dann Nusshörnchen oder Quarktaschen. Als persönlicher Referent des Bürgermeisters organisierte der heute 67-Jährige das Vorzimmer, plante Veranstaltungen, Festivitäten und Theaterproduktionen oder saß nächtelang über Protokollen, wenn er Sitzungsdienst hatte. Als Pressereferent meisterte Geyer auch den Einstieg in die neuen Medien.

51 Jahre im öffentlichen Dienst

Ende Juli verabschiedete sich Peter Geyer dann endgültig aus dem Rathaus. Insgesamt war er 51 Jahre lang im öffentlichen Dienst tätig. Er erlebte vier Bürgermeister - Erich Oberndorfer, Ludwig Wolfrum, Franz Fink und Franz Stahl - "die unter dir dienten", sagte das Stadtoberhaupt mit einem Augenzwinkern.

Zum Abschied überreichte Stahl einen Büchergutschein - "für eine Stadtchronik", scherzte der Rathauschef, weil sich Geyer auch um die neue Chronik der Stadt bemühte. Außerdem gab es eine kleine Truhe voller "Peter-Geyer-Pensions-Tropfen", bestehend aus vielen kleinen Probierfläschchen, gefüllt mit Gin. Dazu erhielt Geyer zum Abschied ein gerahmtes Porträt von sich selbst, aus dem Jahr, in dem er bei der Stadt seine berufliche Karriere begann.

Bei einer Feierstunde im Keller der Fronfeste wurden auch fünf Stadträte verabschiedet:

Tirschenreuth
Weil sich Peter Geyer (67) auch um die Chronik der Stadt Tirschenreuth kümmerte und selbst ein großes Archiv mit vielen Fotos besitzt, erhielt er zum Abschied ein Porträt von sich sich selbst, aus dem Jahr, in dem er bei der Stadt seine berufliche Karriere begann.
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