06.09.2020 - 11:40 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die weniger bekannten Seiten des Künstlers Herbert Molwitz

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Das Museumsquartier Tirschenreuth und das Museum Mitterteich widmen sich in einer Gemeinschaftsausstellung dem Leben und Werk von Herbert Molwitz. Der Kupferstecher und Radierer ist vor 50 Jahren verstorben.

Diesen Blick auf Tirschenreuth hat Herbert Molwitz 1929 vom Baierl-Bühl aus aquarelliert.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Vor 50 Jahren starb Herbert Molwitz in Tirschenreuth. Bestattet ist er auf dem Friedhof in Mitterteich, wo er ebenfalls lange Zeit gelebt und gewirkt hat. "Am 30. April 1970 starb er so, wie er auch gelebt hat, still und bescheiden", heißt es in der Biografie. Bei dieser Gedächtnisausstellung präsentieren die Museen Bekanntes und vor allem Unbekanntes des Künstlers.

"Meister Mol"

Das Werk von "Meister Mol", wie er auch heute noch genannt wird, umfasst eine große Sammlung an Lithographien, Aquarellen, Radierungen, Skizzen und Studien. Seine Landschaften und Ortsansichten stammen größtenteils aus der Oberpfalz. Aber auch auf seinen Studienreisen durch Italien und die Schweiz entstanden beeindruckende Werke.

Besonders für die detailgetreue Darstellung der Distel ist Herbert Molwitz bekannt. Obwohl er zu Lebzeiten unter anderem auch in Weimar, Leipzig, München, Regensburg, Nürnberg und auf der Kulmbacher Plassenburg ausstellte, ist er heute hauptsächlich in Mitterteich und Tirschenreuth bekannt. In vielen Stiftländer Häusern hängen noch echte originale Werke des Oberpfälzer Originals, das er zweifelsohne ebenfalls war.

Die Ausstellungseröffnung in Tirschenreuth

Tirschenreuth

Original Ateliertisch

Die Ausstellung ermöglicht auch einen intimen Blick hinter die bekannte Fassade des Künstlers. Im MQ Tirschenreuth sind zahlreiche Skizzen und unfertige Bilder ausgestellt. Auch sein Ateliertisch aus dem Haus "Und dennoch" steht dort vor einem Fenster im Pädagogikraum, so als hätte ihn der Meister gerade eben erst verlassen, um vielleicht auf einem Spaziergang, frische Inspiration aus der Natur zu schöpfen.

Pflanzen haben ihn Zeit seines Lebens fasziniert und finden sich in zahlreichen Arbeiten wieder. Alte, frei stehende Bäume, sogenannte Solitäre, hatten es ihm angetan. Solche, wie es sie heute kaum mehr gibt in unserer intensivierten Kulturlandschaft. Kiefern, Buchen oder Eichen, die zwischen einer Wiese und angrenzenden Feldern frei von Konkurrenten in jede beliebige Richtung wachsen konnten und deshalb oft recht bizarr daherkamen, hat er akribisch genau bis zum kleinsten Zweig gezeichnet und gedruckt.

Wiesenblumen, Kräuter und sogenannte Unkräuter nahm er ebenfalls detailgetreu unter die Lupe und verewigte sie auf Papier, als Zeichnung und später mit diversen Druckverfahren, wie Lithographie, Kupferstich oder Radierung. Seine Motive skizzierte er stets vor Ort mit Kohle, Feder oder Aquarellfarben. Die detailgetreue Darstellung der Silberdistel wurde sein bekanntestes Motiv, quasi sein Markenzeichen.

Ausstellungseröffnung in Mitterteich

Mitterteich

Humorvolle Seite

Im Museum Mitterteich steht eher der Querschnitt durch sein Lebenswerk im Mittelpunkt. Dort wird auf Postkarten mit persönlichen Widmungen und Briefen auch die humorvolle Seite des Künstlers offenbart. Ganz nach dem Motto "Der unbekannte Molwitz" werden in beiden Museen Bilder gezeigt, die so noch nie öffentlich präsentiert wurden.

Acht Kilometer Entfernung

Wer sich auf die Ausstellung einlässt, sollte Zeit mitbringen. Es lohnt sich zwei- bis dreimal hinzuschauen, um die zahlreichen Exponate wirklich bewusst zu sehen und aufzunehmen. Und eines ist klar: Um die Ausstellung in ihrer Gänze zu erleben, ist ein fahrbarer Untersatz notwendig, denn die beiden Museen sind acht Kilometer von einender entfernt. Und sich eine der Präsentationen zu sparen, ist sicher der falsche Weg.

Zur Person:

Das Leben des Herbert Molwitz

Der Kupferstecher und Radierer Herbert Molwitz oder "Meister Mol", wie er heute noch bezeichnet wird, ist am 11. Januar 1911 in Blankenhain in Thüringen geboren. Als sein Vater einen Direktorposten in einer Mitterteicher Porzellanfabrik bekommt und die Familie ins Stiftland umzieht, ist er 12 Jahre alt. Nach dem Abitur in Bayreuth macht er in der Porzellanfabrik ein Volontariat.

Er studiert anschließend Chemie in Würzburg und München. Schnell erkennt er, dass seine Berufung ganz woanders liegt. 1926 bis 1928 besucht er die Hochschule für Bildende Kunst in Weimar. 1924 und 1925 entstehen erste Feder- und Bleistiftzeichnungen seiner Wahlheimat. Er unternimmt Studienreisen in die Schweiz und nach Italien. Hier durchwandert er die Toskana, besucht Florenz, Rom und das Sabinergebirge. Dort entstehen zahlreiche Skizzen von Olevano, Subiaco und dem Kloster San Scholastica.

In der Künstlerkolonie Anticoli-Corrada lernt er den amerikanischen Maler Edward Bruce kennen. Er animiert ihn zum Kupferstich. Weitere Studienreisen führen Molwitz nach Österreich und Ungarn und wieder in die Schweiz und vor allem nach Italien. Er kehrt immer gern in die Oberpfalz zurück, die er zum Mittelpunkt seines Schaffens macht. Berühmtheit erlangt er durch die akribische Wiedergabe von Gräsern, Wiesenblumen und Kräutern, allen voran von Disteln. Als Radierer und Kupferstecher gestaltet er Pflanzenmotive von außergewöhnlicher Darstellungskraft. "Und dennoch" titelt er die Radierung einer alten, knorrigen Fichte. So nennt er später auch sein Haus, das er 1957 in Tirschenreuth baut.

1932 beginnt er mit seiner Topographie der Oberpfalz. Eine Gesamtdarstellung typischer Landschaften, markanter Bauwerke und charakteristischer Städte und Dörfer schafft er dabei. Es entstehen über 100 kolorierte Radierungen und Federzeichnungen. Für sein Gesamtschaffen erhält er 1962 den Nordgaupreis für Bildende Kunst. 1940 heiratet er seine Frau Annemarie. 1949 kommt Sohn Dietrich auf die Welt. Herbert Molwitz stirbt am 30. April 1970 in Tirschenreuth. Das Familiengrab ist auf dem Friedhof in Mitterteich, wo der Künstler von 1913 bis 1957 lebte.

Hintergrund:

Öffnungszeiten

Die Ausstellungen sind noch bis zum 27. September zu sehen.

  • Museum Mitterteich: Dienstag bis Freitag: 9 bis 17 Uhr, Samstag: 9 bis 12 Uhr, Sonntag und Feiertage: 14 bis 17 Uhr.
  • Museum Tirschenreuth: Dienstag bis Sonntag und Feiertage: 11 bis 17 Uhr.

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