01.06.2021 - 17:47 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Ziegler-Projekte sorgen für heftigen Streit zwischen Grünen und CSU

Es geht um neue Werke der Ziegler-Group im Kreis Tirschenreuth, um 1000 Arbeitsplätze und um Flächenverbrauch. Die Grünen um Fraktionschef Hartmann kritisieren Kommunen und Firma. Die CSU kontert - und hat vor allem eine Frau im Visier.

Hier in Bärnau (Kreis Tirschenreuth) sollte ein 12 Hektar großes Werk entstehen. Die Ziegler-Group strich das Projekt allerdings überraschend.
von Julian Trager Kontakt Profil

Die hitzige Diskussion um die geplanten Werke der Ziegler-Group im Landkreis Tirschenreuth kommt nicht zur Ruhe. Seitdem zuletzt bekanntwurde, dass die Bärnauer Grünen-Landtagsabgeordnete Anna Schwamberger die Staatsregierung in dieser Sache kontaktiert hatte, ist die Debatte noch mal um ein paar Grad heißer geworden. Schwamberger hatte die Regierung bereits Anfang Mai gefragt, wie die geplanten Großprojekte der Ziegler-Group aus Plößberg (Kreis Tirschenreuth) in Einklang zu bringen sind mit dem bayerischen Ziel, täglich nicht mehr als fünf Hektar zu verbrauchen.

Die Tirschenreuther CSU-Kreistagsfraktion fordert nun Schwambergers Rücktritt von sämtlichen kommunalpolitischen Ämtern. Die Grünen-Politikerin ist auch Kreisrätin und Bärnauer Stadträtin. Tobias Reiß, stellvertretender CSU-Fraktionsvorsitzender im Landtag aus Brand (Kreis Tirschenreuth), wirft ihr "Heimatfeindlichkeit" vor. Unterstützung bekam Schwamberger indes von ihrem Fraktionschef Ludwig Hartmann. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien bezeichnete er die Ziegler-Planungen als "überdimensioniert" und "aus der Zeit gefallen".

Hartmann kritisiert Giga-Factory

Die Ziegler-Group, ein Holzverarbeitungs- und Logistikunternehmen, hatte 2020 bekanntgegeben, eine 35 Hektar große Giga-Factory bei Tirschenreuth bauen zu wollen. Zudem sollte in Bärnau ein 12 Hektar großes Werk entstehen. Gegen beide Projekte gab es Widerstand. Vor einer Woche verabschiedete sich die Ziegler-Group dann überraschend von dem Projekt in Bärnau.

Anna Schwamberger will wie ihre Partei, dass in Bayern maximal fünf Hektar Fläche pro Tag verbraucht werden. Momentan sind es mehr als doppelt so viele Hektar. Auch die Staatsregierung hat dieses Ziel ausgegeben - die Grünen wollen dafür allerdings klare Regeln aus München. "Da hat sich dann auch der Landkreis Tirschenreuth unterzuordnen", sagt Schwamberger. "Fünf Hektar pro Tag bedeutet Einschnitte für München, aber auch für das kleine Bärnau." Sie habe nichts gegen Großprojekte, meint sie, neue Arbeitsplätze bei Ziegler seien auch gut für die Region. Aber: Solche Projekte müssten anders angegangen werden, interkommunal, auf geeigneteren Flächen. "Das ist nur in Zusammenarbeit realisierbar." Kommunen, so der Grünen-Plan, müssten dann ihre Flächenkontingente zusammenlegen.

Ludwig Hartmann sieht das genauso. Die Ziegler-Projekte in der Nordoberpfalz sind ihm bekannt - und er hält beide für nicht gut. Bei der Giga-Factory in Tirschenreuth sei er sehr skeptisch. Dort gehe es um eine "sehr hochwertige Fläche", meint Hartmann, die "Flächenwünsche seien überdimensioniert". Man müsse kompakter bauen, auch im Gewerbe. "Mir ist nicht bekannt, dass Ziegler mit einem Parkdeck arbeiten will." Das Problem in der Oberpfalz sei auch, dass es dort immer noch günstiger ist, in die Fläche zu bauen als in die Höhe.

Reiß wird emotional

Angesprochen auf Schwambergers Anfrage wird Tobias Reiß emotional und deutlich - "und das können Sie ruhig so schreiben", sagt der Brander. Die Anfrage sei ein Misstrauensvotum gegenüber den Kommunen und Stadträten, die er sogleich verteidigt. "Die wollen doch ihre Heimat nicht verschandeln. Die kriegen doch sonst auch einen mit der Zaunlatte drauf", meint Reiß. Bei der Bauplanung solle die Verantwortung weiter bei den Kommunen vor Ort liegen. "Ich kann doch nicht von München aus per Grünen-Dekret anordnen, wie viel Quadratmeter die Stadt Tirschenreuth ausweisen darf." Das sei "besserwisserisch" und von "oben herab".

Schwambergers Aktion "halte ich für schwer daneben, da haut's einem wirklich die Fragezeichen raus". Natürlich müsse der Flächenverbrauch begrenzt werden. "Aber wir müssen uns ja weiterentwickeln dürfen", meint er. Bei Ziegler gehe es ja um den Baustoff Holz, einen "Zukunftsbaustoff", der gefördert werden solle. "Und so etwas wird nun torpediert", sagt Reiß. "Das ist heimatfeindlich."

Zudem brauche der Landkreis die neuen Arbeitsplätze. "Wir haben mit Bevölkerungsrückgang zu kämpfen, wir sind ja kein Landkreis, der Angst haben muss, dass wir zubetoniert werden." Wie aus der Antwort der Staatsregierung auf Schwambergers Anfrage zu entnehmen ist, hat die Siedlungs- und Verkehrsfläche im Kreis Tirschenreuth zwischen 1980 und 2019 um 31,9 Prozent zugenommen. Die Zunahme in der Oberpfalz betrug demnach 58,6 Prozent.

Die Tirschenreuther CSU-Kreistagsfraktion forderte Anna Schwamberger in einer Pressemitteilung auf, ihre kommunalpolitischen Ämter zurückzugeben. Sie warf der Grünen vor, "hinterrücks" zu arbeiten und "eine eigentlich positive Entwicklung aus rein politischem Kalkül niederzutrampeln".

Die Ziegler-Group reagierte auf eine Anfrage von Oberpfalz-Medien nicht.

Ziegler-Group streicht Projekt in Bärnau

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Nach dem Ziegler-Aus in Bärnau: So könnte es weitergehen

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Hintergrund:

Chronologie der beiden Projekte

  • Oktober 2020: Die Ziegler-Group gibt bekannt, bei Tirschenreuth eine Produktionsstätte für Fertighäuser bauen zu wollen. 35 Hektar Fläche werden dafür benötigt, 1000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.
  • Dezember 2020: Das Unternehmen will in Bärnau auf 12 Hektar ein Werk für Dämmfaserplatten errichten.
  • Frühjahr 2021: Der LBV kritisiert die geplante Ziegler-Ansiedlung in Tirschenreuth. Die Artenvielfalt werde bedroht. In Bärnau wird ein Bürgerbegehren gegen das geplante Werk initiiert, unter anderem von Anna Schwamberger.
  • Mai 2021: Ziegler streicht sein Projekt in Bärnau. Es soll kein Zwist in der Stadt entstehen, hieß es.

 

 

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